Serie 50 Jahre Frauenfußball im Kreis Soest

Vrej Zakaryan hat als Frauentrainer im Kreis Soest tiefe Spuren hinterlassen

Vrej Zakaryan erinnert sich Anhand von Dokumenten, Fotos und Zeitungsberichten an seine Zeit als Frauentrainer beim SuS Scheidingen.
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Vrej Zakaryan erinnert sich Anhand von Dokumenten, Fotos und Zeitungsberichten an seine Zeit als Frauentrainer beim SuS Scheidingen.

Wambeln/Scheidingen – Vrej Zakaryan ist ein Fachmann in Sachen Frauenfußball. Seine größten Erfolge als Trainer von Frauenmannschaften des SuS Scheidingen mit dem Aufstieg in die Landesliga und später noch einem in die Bezirksliga hat er sich dabei quasi selber aufgebaut. Dabei fing der 47-Jährige eigentlich als A-Jugendtrainer beim SuS an. Wegen einer beruflichen Weiterbildung zum Hochbautechniker (er ist in dieser Funktion bei der Gemeinde Bad Sassendorf angestellt) gab er diesen Posten auf.

1994 kam er dann „durch Zufall an die Mädchenmannschaften“ – trotz der beruflichen Fortbildung. Der heute dreifache Familienvater trainierte so die U13- und U16-Mädchen. Die Mädchen wurden natürlich alle älter, blieben im Verein und bildeten dann die Basis der in 2000 gegründeten Frauenmannschaft. Die übernahm Zakaryan im Jahr 2002 in der Bezirksliga und trainierte bis 2009 das Team. Den größten Erfolg gab es im Jahr 2004 eben mit dem Aufstieg durch die Spiele des Bezirksliga-Vizemeisters in der Aufstiegsrunde, wo drei von vier Starter aufsteigen durften.

„Frauen sind eher Taktiker und Techniker“

Das erste Spiel bei der 1:2-Niederlage in Unna gegen Bochum-Sevinghausen bezeichnet Zakaryan rückblickend als „Werbung für den Frauenfußball“. Der Aufstieg war durch im nächsten Match nach einen 2:0-Sieg gegen Wacker Mecklenbeck perfekt. „Das war gigantisch“, erinnert sich der C-Lizenzler.

Die Mischung aus erfahrenen Spielerinnen wie Anja Niggemann, Kathrin Pieper und Steffi Kortmann mit vielen jungen wie Mandy Guse und Nina Mittrop habe den Ausschlag gegeben.

Ein Jahr hielten sich die Scheidingerinnen in der Landesliga, dann ging es wieder zurück. „Hier machte der Trainer auch die Erfahrung, welchen Unterschied es im Coaching zwischen Frauen und Männer gibt. „Ich habe ihnen vorher gesagt, dass wir nun mehr Spiele verlieren werden. So kam es dann auch. Das waren sie so nicht gewohnt. Einige haben dafür die Schuld nicht bei sich oder dem Gegner, sondern beim Trainer gesehen“, erinnert sich der Coach, und: „Natürlich ist Männerfußball deutlich athletischer und körperbetonter. Frauen sind da eher die Taktiker und Techniker.“

Sein größter sportlicher Erfolg: Vrej Zakaryan feiert 2004 mit den Spielerinnen des SuS Scheidingen den Aufstieg in die Landesliga.

„Wir hatten immer sehr viel Spaß mit Vrej. Er hat uns beim Training auf Trab gehalten und war gut aufgestellt, taktisch und auch von den Inhalten her. Ich bin ja als Jugendspielerin gerade dazu gekommen. Er hat mit viele Ratschläge gegeben und ich habe meine Einsatzzeiten bekommen“, sagt Judith Tyrala, geborene Hartung, über ihren damaligen Aufstiegstrainer und erinnert sich gerne an die gemeinsame Zeit. „Er war freundlich, höflich und lustig.“

2009 hörte Zakaryan zunächst aus privaten Gründen wie dem Hausbau in Wambeln auf. Nach dem erneuten Abstieg in die Kreisliga stieg er wieder ein, „damit das Team nicht auseinanderfällt“. Es folgte mit einer Mischung aus nun noch älter gewordenen und vielen ganz jungen Spielerinnen der sofortige Wiederaufstieg – und das ungeschlagen. Aber in dieser Saison hatte er auch ein Erlebnis, das zu seinem Aus trotz des Erfolges hätte führen können. „Wir haben in einem Spiel zurückgelegen und ich bin in der Pause richtig laut geworden. Daraufhin haben wir das Spiel noch gedreht, weil sich alle gesteigert hatten. Nachher haben einige Eltern von Spielerinnen gesagt, dass ich wohl den richtigen Ton getroffen hätte. Das hätte aber auch genauso gut schiefgehen können. Und dann wäre das nicht mehr zu kitten gewesen und wir hätten uns trennen müssen“, nennt der 47-Jährige einen weiteren Unterschied zwischen Frauen und Männern.

Einseitige Vertragsverlängerung durch das Team

Bevor Zakaryan sein erneutes Aufhören verkünden konnte, verlängerten die Spielerinnen den Vertrag mit dem Trainer einseitig – das berührte nicht nur sein Herz, sondern überzeugte ihn. Das Dokument hat Zakaryan immer noch in seinen Unterlagen.

Ein weiterer Unterschied sei die stärkere Fluktuation im Frauenbereich. Schwangerschaften, Studium, Beruf würden im erhöhten Maße dazu führen, dass Spielerinnen ganz aufhören. „Es steht und fällt mit der Jugendarbeit. Vereine sind auf starken Nachwuchs angewiesen“, hat er erfahren.

So seien auch die Wellen im Frauenbereich im Kreis Soest zu erklären. So gab und gibt es Phasen, in denen mal Soest-Süd, mal Welver, mal Wickede und nun eben Scheidingen dominant gewesen seien oder sind.

Da auch die Kaderstärke nie so groß war, spielte das Zakaryan-Team in der Abstiegssaison 2006 mit sieben oder acht Spielerinnen. Dabei reiste Nina Mittrop sogar noch jedes Wochenende als Berufssoldatin aus ihrer Kaserne in Straubing an. Seine Spielerinnen seien eben oft sehr ehrgeizig gewesen.

Das waren viele tolle Menschen, die man kennengelernt hat und zu denen ich einen guten Draht habe – und von denen man auch viel gelernt hat. Und dass mit Nina Mittrop eine Spielerin von ihm später Weltmeisterin mit der Bundeswehrauswahl wurde – das macht mich stolz.“

Vrej Zakaryan

Dass er als Amateurtrainer bei einer Diskussion an der Uni Münster mit der früheren Nationalspielerin und aktuellen Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zum Thema Frauenfußball seine Expertise einbringen durfte, bestätigt die Güte der ehrenamtlichen Arbeit von Vrej Zakaryan, der im SuS Scheidingen immer noch als Jugendobmann fungiert und schon viele andere Vorstandsämter ausfüllte.

Viele Kontakte zu früheren Spielerinnen

Geblieben ist für den ehemaligen U13- und U16-Kreisauswahltrainer die Erinnerung an die jährlichen Abschlussfahrten. „Die haben uns zusammen geschweißt“, sagt Zakaryan. So sehr, dass er immer noch Kontakt zu Spielerinnen aus den Aufstiegsteams hat. Deshalb steht für Zakaryan eigentlich mit Ehemaligen immer ein gemeinsamer Besuch der Allerheiligen-Kirmes an – in diesem Jahr fiel der zwangsläufig nicht nur zu seinem Bedauern aus.

„Das waren viele tolle Menschen, die man kennengelernt hat und zu denen ich einen guten Draht habe – und von denen man auch viel gelernt hat. Und dass mit Nina Mittrop eine Spielerin von ihm später Weltmeisterin mit der Bundeswehrauswahl wurde – das macht mich stolz.“

„Dass meine frühere Spielerin Rebecca Granz mich neben ihren Eltern zu der Feier mitgenommen hat, nachdem sie Deutsche Meisterin der Landesverbände wurde, ist eine Bestätigung dafür, dass man ein bisschen was richtig gemacht hat.“

Serie 50 Jahre Frauenfußball

In diesem Herbst ist es 50 Jahre her, dass der Frauenfußball aus seinem Schattendasein getreten ist. Am 31. Oktober 1970 beschloss der DFB-Bundestag, sein Verbot des „Damenfußballs“ von 1955 zu kippen. Einen knackigen DFB-Slogan gibt es zum Jubiläum: „Früher nicht erlaubt. Heute verboten gut.“ In der Nachkriegszeit war es genau dieser DFB, der seinen Mitgliedern untersagte, Frauenteams zu gründen oder auch nur auf Vereinsanlagen spielen zu lassen. Der Anzeiger berichtet diesmal über den langjährigen Frauentrainer Vrej Zakaryan.

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