Triathlon

EM am Walchsee entfacht Ehrgeiz bei Heidrun und Friedrich May

Improvisieren ist eine Kunst – wegen fehlender Möglichkeiten für ein Schwimmtraining probiert es Heidrun May mit Trockenübungen.
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Improvisieren ist eine Kunst – wegen fehlender Möglichkeiten für ein Schwimmtraining probiert es Heidrun May mit Trockenübungen.

Nach einem Jahr ohne Wettkampf in der Corona-Pandemie bereitet sich die Triathletin Heidrun May auf die Europameisterschaften vor. Die sollen am 27. Juni im Rahmen des „Challenge Kaiserwinkl-Walchsee“ in Tirol stattfinden. 

Hilbeck – Damit hat diese ebenfalls schwierige Saison mit zahllosen Wettkampf-Absagen ein Ziel gefunden, für das sich ein Training und die damit verbundene Vorbereitung lohnt. An ihrer Seite wird sie ihr Mann Friedrich, ebenfalls ein Ironman-Ausdauersportler, unterstützen und mitmachen.

Dabei geht das Ehepaar diesen Triathlon über die Halbdistanz mit 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und einem abschließenden Halbmarathon mit 21,1 Kilometer höchst unterschiedlich an. Denn die 57-Jährige hatte sich Ende Mai 2019 bei der Challenge Heilbronn als Deutsche Meisterin in der Altersklasse für die Europameisterschaft qualifiziert, als sie in 6:08:59 Stunden die Ziellinie überquerte. „Der Start bei einer Europameisterschaft ist vielleicht einmalig“, sagt Heidrun May, die dann auch ein Nationaltrikot tragen wird. „Da gibt es auch eine größere Konkurrenz, auch in meiner Altersklasse“, sagt sie.

Blick auf Kaisergebirge

Friedrich May nimmt ohne Zusatz-Wertung an dem Rennen kurz hinter der deutschen Grenze und mit dem Blick auf das Kaisergebirge in Österreich teil. „Es ist schön, mal einen Wettkampf zu machen, den man cool angehen kann“, sagt der 57-jährige „Eisenmann“.

„Das Schwimmen findet in einem See mit kristallklarem Wasser statt, die Radstrecke führt die Athleten durch eine mindestens ebenso schöne Landschaft mitten in den Bergen und Hügeln, und die Laufstrecke wird von spektakulären Ausblicken auf die Natur dominiert. Wir können es kaum erwarten, alle Athleten zu begrüßen und ihnen ein unvergessliches Erlebnis zu bieten“, sagt Jort Vlam vom Veranstalter und schürt damit auch die Vorfreude bei dem Hilbecker Ehepaar.

Denn der letzte Wettkampf von Heidrun und Friedrich May fand vor eindreiviertel Jahren statt. „Das war in Würzburg als Abteilungsfahrt mit dem TV Flerke. Da gab es an dem Wochenende auch ein Weinfest. Das war gut für uns, aber schlecht für unseren Triathlon-Wettkampf“, sagt Heidrun May mit einem Lachen.

Nun gibt es also wieder ein Trainingsziel und die Mays sehen sich mit ihrem Sport in einer durchaus privilegierten Position: „Wir können ja zwei von drei Sportarten trainieren“, sagt Friedrich May. „Im Winter habe ich viel Lauftraining gemacht. Es fehlen mir noch Radfahr-Kilometer. Ich hoffe, dass ich mir die jetzt holen kann“, gibt Heidrun May Einblicke in ihren Trainingsplan.

Denn als es in diesem Frühjahr so empfindlich kalt war, riss Friedrich May im Keller endlose Fahrrad-Kilometer auf der Rolle ab. „Furchtbar langweilig“, sagt Heidrun May dazu und nennt den Grund, warum ihr diese Kilometer fehlen.

Zu kalt im See

Was beiden komplett fehlt, ist das Training für den ersten Wettkampfabschnitt des Dreikampfes. „Wir dürfen nicht schwimmen“, beschreibt Heidrun May den Zustand seit Ende Oktober 2020 mit den geschlossenen Bädern. „Im See ist es viel zu kalt“, erklärt Heidrun May, dass das Freiwasser keine Alternative ist.

Sie hat stattdessen im Garten ein Zugseilsystem installiert, dass Trockenschwimmen möglich macht. „Man hat zwar kein Wassergefühl. Aber ich versuche, die Bewegungen genau nachzuahmen“, nennt May den Nutzen. Dafür nimmt sie den Kopf zwischen den Schultern runter und bewegt die Arme so wie bei verschiedenen Schwimmstilen. „Das mache ich nicht. Ich muss irgendwie so versuchen, durch das Wasser zu kommen“, sagt hingegen Friedrich May. Heidrun May hat einen anderen Ehrgeiz: „Ich will ja eine vernünftige Zeit und Platzierung.“

Dass sie sich auf einen anderen Wettkampf als gewohnt einstellen müssen, ist beiden klar. „Es wird wohl ohne Zuschauer stattfinden, es wird keine Siegerehrung geben. Jeder startet einzeln und es wird wohl größere Wechselzonen geben. Dazu wird man bis kurz vor dem Wettkampf Schutzmasken tragen müssen und Testungen vornehmen“, glaubt Friedrich May – und freut sich trotzdem darauf, sich mal wieder mit anderen Ausdauersportlern zu messen.

Längerer Trip nach Südamerika für 2022 in der Planung

Heidrun May ist auch lizenzierte Triathlontrainerin mit der Ausbildung Trainer B der Deutschen Triathlon-Union. In dieser Funktion bereitet sie einen jungen Athleten auf den Iron Man im fränkischen Roth vor. Der Wettkampf fiel im Vorjahr aus und ist in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie vom 4. Juli auf den 5. September verlegt worden.

Dabei sei es extrem schwer, die Trainingssteuerung für so eine Extrem-Belastung in einer laufenden Vorbereitung zu ändern und anzupassen. Zudem gehe nach der Absage im Vorjahr die Motivation erneut verloren, beschreibt Heidrun May die Schwierigkeiten.

Heidrun und Friedrich May planen, Ende 2022 für einen längeren Trip nach Südamerika aufzubrechen und bereiten sich auch darauf intensiv vor. Nach ihrer Rückkehr wollen sie „dem Sport auf jeden Fall treu bleiben. Dafür ist der viel zu schön“, sagt Friedrich May. Beide können sich auch sehr gut vorstellen, auch an Triathlon-Wettkämpfen in Südamerika teilzunehmen – Sport treiben werden sie bei ihrer Abenteuerreise ohnehin.

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