Thorsten Luig knackt 24 Jahre alten Rekord

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Deutschlands schnellster Windsurfer auf offenem Gewässer: der gebürtige Soester Thorsten Luig.

Gönnheim/Soest – Wenn andere Angst haben, dass sie wegfliegen, steigt Thorsten Luig aufs Surfbrett. Der 44-Jährige, der in Soest geboren wurde und seit 2008 in Rheinland-Pfalz wohnt, ist Speed-Windsurfer – und seit Juni Deutschlands schnellster auf offenem Gewässer.

In der französischen Gemeinde La Palme stellte Luig beim Wettbewerb „Prince of Speed“ einen neuen Rekord auf. Mit 80,7 km/h sauste er an der Mittelmeerküste entlang. Umgerechnet sind das 43,6 Knoten. Der alte Rekord von Jochen Krauth aus dem Jahr 1995 lag bei 41,9 Knoten (77,6 km/h). Jahrelang hatte es laut Luig keine Rekordversuche auf dem 500-Meter-Open-Ocean-Kurs gegeben. 

„Der Wind war nicht optimal, aber es hat gereicht“, sagt Luig, der als selbstständige Versicherungsfachmann eine Agentur in Gönnheim (Landkreis Bad Dürkheim) betreibt. Die insgesamt 502 Meter lange Messstrecke wurde mit einer Hightech-Videozeitmessanlage überwacht – Grundvoraussetzung für einen anerkannten Rekord. Sechs Stunden hatte Luig Zeit, den deutschen Uralt-Rekord zu verbessern. Die Windstärke lag bei acht bis zehn. „Unter acht brauchst du gar nicht aufs Brett“, erklärt Luig, der Mitglied des Surfvereins Rheinstetten nahe Karlsruhe ist. Bei Windstärke acht beträgt die Windgeschwindigkeit zwischen 62 und 74 km/h. 

Das erste Mal auf einem Surfbrett stand Luig mit 14 Jahren. „Ich war in den Ferien zwei Wochen in Dänemark“, erinnert er sich. „Als ich mit dem Abitur fertig war, habe ich mit dem Surfen auf dem Möhnesee angefangen.“ Speedsurfen war für ihn „der einfachste Einstieg. Ich konnte mit dem fahren, was ich hatte. Es gibt keine Material-Reglementierungen.“ 

An Wettbewerben nimmt Luig seit 1999 teil. Dreimal war er Deutscher Meister (2001, 2002 und 2006), auch an Europa- und Weltmeisterschaften nahm er teil. 2006 in Namibia holte er bei den Serienboard-Weltmeisterschaften sogar Bronze. „Das war natürlich ein herausragendes Ereignis für mich“, blickt Luig zurück. Die meisten Regatten werden in Südfrankreich ausgetragen. „Dort gibt es die besten Windverhältnisse“, sagt Luig. Ansonsten startete er viel auf Gran Canaria. An seinem Sport fasziniert ihn natürlich der Geschwindigkeitsrausch. „Nach oben hin ist alles offen“, sagt Luig. Eine Herausforderung sei es auch, sich immer wieder auf andere Wind- und Wasserbedingungen einzustellen. 

Um auf Rekordjagd gehen zu können, trainiert Thorsten Luig im Jahr an 40 bis 50 Tagen. Sein Revier ist der Epplesee, ein Baggersee in Rheinstetten. „Er ist zwar ziemlich klein, hat aber ein großes Einzugsgebiet. Von daher gibt es dort ziemlich viele Surfer.“ Früher seien es bis zu 200 Tage pro Jahr gewesen, an denen er trainierte, sagt Luig. Doch berufliche und familiäre Verpflichtungen schränken die Zeit für sein Hobby ein. Luig ist verheiratet und hat zwei Kinder, die vier und acht Jahre alt sind. 

Um von den Konkurrenten nicht abgeschüttelt zu werden, absolviert er seit 25 Jahren zusätzlich Fitnesstraining. „Eine athletische Figur ist schon von Vorteil.“ Hilfreich beim Speed-Windsurfen seien auch die 108 Kilogramm, die er bei einer Größe von 1,95 Metern auf die Waage bringt. „Wenn man schwer ist, hat man Vorteile – aber nur, wenn man das Material optimal auf der Strecke halten kann“, erklärt Luig, der als einer von national etwa 300 Aktiven bei GPS-Speedsurfing registriert ist. 

Bereits 2018 hatte er versucht, den Rekord von Krauth an der französischen Mittelmeerküste zu knacken. „Da hat es an gleicher Stelle von den Bedingungen nicht gepasst“, sagt der 44-Jährige. Auch im kommenden Jahr werde er wieder nach La Palme fahren. „Schneller geht‘s auf jeden Fall noch.“ Um sich besser vorzubereiten und das Material – Surfboard und Segel kosten fast so viel wie ein günstiger Kleinwagen – zu testen, will Luig ein paar Tage eher zum „Prince of Speed“ fahren als in diesem Jahr. 

Sein persönlicher, inoffizieller Rekord auf dem offenen Gewässer liegt übrigens bei 49,1 Knoten (91 km/h). „Das war am gleichen Strand, allerdings mit GPS“, sagt Luig. Von daher hofft er, die 43,6 Knoten toppen zu können. „Optimistisch bin ich immer.“

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