Soester TV

Volleyballtalent: Es kommt nicht immer auf die Körpergröße an

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Carolin Arens (unten rechts) gehörte zum starken Nachwuchsteam des Volleyballkreises Soest im Vorjahr bei den Ruhr Games in Duisburg.

Carolin Arens ist als einzige Spielerin des Soester TV im Landeskader des Westfälischen Volleyball-Verbandes.

Soest - Volleyball ist im Grunde keine komplizierte Sportart. Es gilt, den Ball über ein hoch gespanntes Netz zu befördern und den Gegner daran zu hindern, dasselbige zu erreichen. Da liegt es auf der Hand, dass groß gewachsene Spieler einen natürlichen Vorteil haben. Diesen Vorteil besitzt Carolin Arens nicht, die 14-Jährige ist kleiner als ein Großteil ihrer Mit- und Gegenspielerinnen. Dieses Handicap hat sie jedoch nicht davon abgehalten, eines der größten Talente zu werden, das dieser Sport in Soest seit Jahren gesehen hat.

Zu dieser Einsicht kam jedenfalls Peter Pourie, seines Zeichens Landestrainer des Westdeutschen Volleyball-Verbandes, der Carolin in den Landeskader der Jahrgänge 2006/2007 holte. Der Spielerin ist damit eine Premiere gelungen. „Ich mache das schon ganz schön lange, mein erster Jahrgang war 1988. Sie ist definitiv die erste und einzige Spielerin, die es vom Soester TV in den Landeskader geschafft hat“, so Pourie. Der Großteil des Kaders setzt sich aus Spielerinnen zusammen, die von den großen Vereinen der Region kommen. Allein der Volleyball-Regionalkader Paderborn ist fünfmal vertreten.

Doch wie hat sich die 14-Jährige in die Westfalenauswahl gespielt? Der Volleyball ist Carolin bereits in die Wiege gelegt. „Ich hab mit vier oder fünf Jahren, als mein Bruder und mein Vater in die Halle gefahren sind, so lange gequengelt, bis sie mich mitgenommen haben“, so Carolin Arens. Inzwischen ist sie ein Stützpfeiler der zweiten Soester Damenmannschaft. Dass die Volleyballsaison abgebrochen wurde, bedauert sie, immerhin wurde ihrem Team so die Chance auf die Relegation in der Bezirksklasse genommen. „Ich bin mir sicher, dass wir es geschafft hätten. Wir hatten gerade angefangen, richtig zu kämpfen. Wir wollten versuchen, in der Liga zu bleiben.“

Ihr Trainer beim STV, Steve Blaudszun, weiß seine Spielerin zu schätzen. „Sie ist verdammt ehrgeizig, versucht, so oft es geht, in der Halle zu stehen, und arbeitet auch zuhause selbstständig, um sich körperlich fit zu machen.“ An ihren Ehrgeiz komme niemand, auch keine der älteren Spielerinnen heran. Ihr größtes Manko sei dabei wirklich ihre Körpergröße, dafür scheitere es nicht an Körpergröße und Sprungkraft.

Blaudszun trainiert sie seit zwei Jahren. Besonders in taktischen Belangen und in ihrer Präzision habe sie deutlich zugelegt. „Wenn ich mir andere Zuspielerinnen anschaue, die in höheren Ligen spielen und mehr Erfahrung haben, die kommen trotzdem an Carolins Leistungen nicht heran“, so Blaudszun.

"Gutes Auge für die Spielsituation"

Verbandstrainer Pourie ist beeindruckt, wie Carolin sich beim STV entwickelt hat. „Sie hat das Spiel schon verstanden, will immer gewinnen. Die Heimtrainingssituation ist nicht optimal. Was dabei herausgekommen ist, ist hoch faszinierend, da muss man großen Respekt vor haben.“ In ihren Teams spielt sie auf der Position der Zuspielerin. „Das ist quasi der Spielmacher beim Volleyball, der das Spiel lenkt und leitet. Das macht sie sehr gut, weil sie ein gutes Auge für Spielsituationen hat, weil sie schnell ist und viele Probleme lösen kann.“

Carolin spielte vergangene Saison beim STV in der weiblichen U18 und dem zweiten Damenteam. Gerade in der Erwachsenenliga spielte das Team häufig gegen erfahrenere Gegner. „Ich finde, es bringt mich weiter, gegen ältere Gegner zu spielen. Bestes Beispiel ist die Damenmannschaft aus Werl, die aus zwar älteren Spielerinnen besteht, aber die immer gegen uns gewonnen haben. Die haben eine bessere Übersicht und wussten immer, wo sie stehen mussten. Man kann sich viel von ihnen abgucken, weil sie viel mehr Erfahrung haben“, so Carolin.

„Meine Stärken sind vor allem Technik, von Größe kann man ja nicht sprechen“, so Carolin. „Eine weitere Stärke ist meine Schnelligkeit, die ich gut in der Abwehr einsetzen kann.“ Und diese Fähigkeiten sind der Grund. Warum ihr Verbandstrainer ihr einen Positionswechsel nahe legt. „Wenn sie irgendwann mal ganz hochklassig spielen will, wenn sie mal in der Bundesliga ankommen will, und die Möglichkeiten dazu hat sie, dann wird sie aus meiner Sicht Libero spielen müssen“, so Pourie.

„Das ist ein reiner Hinterfeld-Spezialist, der für Annahme und Verteidigung zuständig ist. So ein Typ ist sie auch. Sie ist ein Kämpfer, Wühler, der das ganze Feld umpflügt.“ Aufgrund ihrer körperlichen Parameter könnte es als Zuspieler für ganz oben nicht reichen, so Pourie. Doch als Libero hätte sie das Potenzial, irgendwann in der Bundesliga zu spielen.

Diese Überlegungen hatten auch Steve Blaudszun und Benjamin Grundmann, der bis vor kurzem noch Vorsitzender der Soester Volleyballabteilung war. „Das hatten wir vor zwei Jahren überlegt. Wir haben sie damals auf die Zuspielerposition gestellt, denn einen guten Zuspieler zu finden, ist noch schwieriger als einen guten Libero. Aber als Libero kann ich mir sie auch gut vorstellen. Sie hat eine Art, dass sie jeden Ball nehmen will, alles haben will. Sie wäre für die Position sehr geeignet.“

Für einen Wechsel in die Libero-Position sprechen für Pourie besonders ihr „unfassbar gutes Ballgefühl“. „Viele Dinge klappen, wenn Carolin sie ausprobiert. Der Schlüssel für einen sehr guten Libero ist das Annahmespiel. Im Damenvolleyball ist das Aufschlagspiel so dominant, dass die Annahme der Schlüssel zum Spiel ist.“ Daher brauche ein Libero viel Techniktraining, aber Pourie ist sich sicher, dass Carolin das hinkriegt. „Die Technik dafür wird sie kriegen, da mache ich mir keine Sorgen. Sie muss sich damit auseinandersetzen.“

Einem Positionswechsel steht Carolin offen gegenüber, auch wenn die Überlegungen des Verbandstrainers sie überraschten. „Die Libero-Position würde mir Spaß machen, ich nehme gerne an und wehre gerne ab, aber ich habe das auch noch nie geübt.“

Doch da käme ihr laut Pourie ihre Charakterstärke zugute. „Sie wirft nichts um, sie übt und hängt sich rein. Wenn man jemandem in jungen Jahren bereits Charakterzüge mitgeben möchte, dann diese“, schwärmt Pourie. „Sie gibt nie auf, nimmt den Weg nach Paderborn zum Training im Landesstützpunkt regelmäßig auf sich, sie übt auch viel zu Hause. Das ist schon selten.“ Sie habe nicht nur das Balltalent, sondern auch den Kopf, um irgendwann im Leistungssport anzukommen.

Schon bei anderen Vereinen im Fokus

„Aber da bin ich ehrlich, das wird wahrscheinlich nicht in Soest gehen. Der Verein leistet zwar tolle Arbeit und man versucht dort, etwas auf die Beine zu stellen. Aber es gibt eben auch gleichaltrige Mädchen, die in der Landesliga oder der Verbandsliga spielen und in einem Jahr in der dritten Liga anklopfen. Das wird im Soester Umfeld nicht funktionieren“, so Pourie. Viele ihrer Mitspielerinnen aus dem Landeskader haben Zugang zu höherklassigen Teams oder können mit ihren Vereinen bei Westdeutschen Meisterschaften mitmischen. Diese Möglichkeiten sieht Pourie nicht bei den Soestern. Das ist auch Blaudszun klar. „Sie kann bei uns noch viel lernen, aber wenn man es pragmatisch sieht, könnte sie bei anderen Vereinen, wo sie jetzt schon höher spielen könnte, schneller lernen. Das ist aktuell bei uns leider momentan nicht gegeben.“

Carolin Arens steht inzwischen auch bei anderen Vereinen im Fokus. „Ich habe zwei Angebote bekommen, vom RC Sorpesee und vom VoR Paderborn. Mir wurde angeboten, aufgrund der langen Fahrt in Paderborn weniger zu trainieren und dann in der NRW-Liga zu spielen“, so Carolin. „Da denke ich natürlich drüber nach. Es ist eine gute Chance.“

Noch hat die 14-Jährige keine Entscheidung getroffen, aber auch wenn sie künftig für die Jugendmannschaft des VoR aufläuft, wird sie den Soestern trotzdem treu bleiben. Wenn der Ball in der Halle wieder fliegt, wird sie weiter für die Damenmannschaft des STV spielen.

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