Interview mit Gerald Bankamp

Sport im Lockdown: „Wir müssen Ruhe bewahren“

Spätestens im Herbst werden Leichtathletikwettkämpfe – hier in Bild vom Hochsprungmeeting des LAZ Soest – wieder regelmäßig stattfinden können. Davon geht Gerald Bankamp, der Vorsitzende des FLVW-Kreises, aus.
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Spätestens im Herbst werden Leichtathletikwettkämpfe – hier in Bild vom Hochsprungmeeting des LAZ Soest – wieder regelmäßig stattfinden können. Davon geht Gerald Bankamp, der Vorsitzende des FLVW-Kreises, aus.

Seit Monaten geht nichts mehr im Amateursport. Die Fußball-Saison ist unterbrochen, Leichtatheltik-Wettkämpfe dürfen nicht stattfinden. Über die aktuelle Situation im FLVW-Kreis Soest spricht jetzt der Vorsitzende Gerald Bankamp im Interview.

Kreis Soest - Dabei bewertet Bankamp den zweiten Lockdown und äußert sich auch zur Stimmung in den Vereinen.

Wie stehen Sie im Moment in Kontakt mit den heimischen Fußball- und Leichtathletik-Vereinen und wie nehmen Sie die Stimmung bei den Sportlern/Vorständen wahr? Viele Vereine sprechen ja von guten Hygienekonzepten auf ihren Anlagen und haben daher nicht unbedingt Verständnis für alle Corona-Maßnahmen – vor allem vor dem Hintergrund, dass die Profis spielen dürfen. Zumindest trainieren würden sie gerne.
Zunächst einmal finde ich es gut und wichtig, dass die Pressestelle des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Neuigkeiten, unter anderem aus den Besprechungen mit den Kreisvorsitzenden, unverzüglich an die Vereine weiterleitet. Selbstverständlich vermisse ich im Lockdown die persönlichen Kontakte mit Vereinsverantwortlichen auf dem Sportplatz oder bei Versammlungen. In den verbliebenen Gesprächen wird aber deutlich, dass die Sportlerinnen und Sportler akzeptieren, dass die Gesundheit im Vordergrund steht und eine Öffnung nur unter Rahmenbedingungen möglich wird, die den Schutz aller Beteiligten gewährleisten.
Die Erfahrungen im Frühjahr haben auch gezeigt, dass die Wirksamkeit eines Hygienekonzeptes maßgeblich von der Mitwirkung der Aktiven und Zuschauer abhängt. Gemeinsam warten wir mit zunehmender Ungeduld darauf, dass in einer ersten Stufe nach der Winterpause wenigstens der Trainingsbetrieb wieder aufgenommen werden darf. Bedauerlicherweise ist die Distanz zum Profifußball aufgrund der Sonderregelungen noch größer geworden, wenngleich die Spielübertragungen in diesen Zeiten zumindest für Abwechslung sorgen.
Noch mal zur Stimmung bei den Vereinen: Haben Sie schon von finanziellen Problemen bei ihren Klubs gehört oder haben alle Lösungen gefunden in Bezug auf Honorare für Trainer respektive Aufwandsentschädigungen für Spieler?
Wenn die Vereine mit mir über finanzielle Auswirkungen der Pandemie sprechen, geht es zumeist um die Einnahmeausfälle durch die Aussetzung des Spielbetriebes und die laufenden Kosten für die Sportanlagen, die derzeit nicht genutzt werden können. Innerhalb der begrenzten Einflussmöglichkeiten haben wir Kreisvorsitzende zunächst vereinbart, dass in den Monaten, in denen der Spielbetrieb untersagt ist, keine Ordnungsgelder für die Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls erhoben werden.
Hinsichtlich weiterer Finanzhilfen bauen wir auf die Kooperation mit dem Kreissportbund, der die Beratung zu Themen wie der Förderung der Übungsarbeit oder der „Soforthilfe Sport“ übernimmt. Außerdem freut es mich, dass einige Vereine die Zeit genutzt haben, um – oftmals unter Ausnutzung von weiteren Fördermöglichkeiten – ihre Sportstätten zu renovieren oder auszubauen.

Zur Person

Gerald Bankamp ist im April fünf Jahre Kreisvorsitzender. Außerdem ist der 56-Jährige Mitglied bei den Sportfreunden Waltringen und des TuS Bremen, als Beamter bei der Kreisverwaltung angestellt und lebt in Ense. Bankamp ist verheiratet und hat drei Kinder.

Sabine Homann als Geschäftsführerin des Kreissportbundes Soest befürchtete schon vor geraumer Zeit, dass viele Vereine – natürlich nicht nur im Fußball – in diesem Jahr große Probleme bekommen könnten; nicht nur durch fehlende Einnahmen, sondern auch durch Abmeldungen von Mitgliedern. Gerade im Bereich der Jugendlichen hören wir da schon viele negative Stimmen. Hegen Sie ähnliche Befürchtungen oder hat sich in den Bereichen gar schon etwas gezeigt?
Natürlich besteht zunehmend die Gefahr, dass sich Vereinsmitglieder, denen das sportliche Angebot fehlt, Gedanken über einen Vereinsaustritt machen. Darüber hinaus mache ich mir Sorgen, dass Kinder, die normalerweise erstmalig, zum Beispiel beim Kinderturnen, im Verein aktiv würden, gar nicht an die Sportangebote herangeführt werden. Allerdings verfügen wir in den Vereinen unseres FLVW-Kreises über einen starken Zusammenhalt, familiäre Strukturen und moderate Vereinsbeiträge. Auf dieser Basis bin ich zuversichtlich, dass der Mitgliederbestand weitgehend erhalten bleibt.
Hier und da gibt es bei Verbänden Überlegungen, den Vereinen bei Verbandsabgaben entgegenzukommen. Gibt es beim FLVW und dem FLVW-Kreis ähnliche Überlegungen?
Hinsichtlich der Verbandsabgaben, die wir für diese Saison noch nicht eingezogen haben, sind die Abstimmungsgespräche auf Verbandsebene noch nicht abgeschlossen. Vor einer endgültigen Entscheidung soll der Wiederbeginn beziehungsweise der weitere Saisonverlauf abgewartet werden.
Gerald Bankamp

Bedauerlicherweise ist die Distanz zum Profifußball aufgrund der Sonderregelungen noch größer geworden.

Gerald Bankamp
Apropos Kreissportbund: Der FLVW-Kreis Soest kooperiert seit einigen Jahren mit dem KSB Soest. Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit vor allem unter dem Aspekt, dass wir immer wieder hören, der KSB tue zu wenig für die Fußballvereine?
Traditionell pflegt der FLVW-Kreis Soest eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund, insbesondere im Bereich der Fortbildungsangebote und der Vereinsberatung. Natürlich geht der Einzugsbereich des Kreissportbundes weit über unsere Mitgliedsvereine hinaus. Unsere Vereine können sich aber aktiv an der Themenauswahl zu den Schulungen beteiligen. Normalerweise werden vier Veranstaltungen pro Jahr gemeinsam ausgerichtet.
Zum Abschluss: Ziehen Sie bitte Ihre persönliche Bilanz vom sportlichen Geschehen im vergangenen Jahr und geben Sie einen Ausblick auf das aktuelle Jahr. Können Sie den Vereinen Anlass zu Optimismus geben?
Die Saison 2019/20 hatten wir mit der Hoffnung abgeschlossen, dass danach wieder ein geordneter Spielbetrieb – wenn auch mit Vorsichtsmaßnahmen und Hygienekonzepten – möglich wird. Aufgrund der weiteren Einschränkungen handelt es sich bei der aktuellen Saison tatsächlich noch um einen Übergangszeitraum, in dem wir Ruhe bewahren und das Beste aus der Situation machen müssen. Ich bin optimistisch, dass das Impfkonzept trotz der augenblicklichen Anlaufprobleme Erfolg haben wird. Daher bin ich der Überzeugung, dass spätestens im Herbst – mit einem weitreichenden Impfschutz und einem dauerhaften Hygienebewusstsein – Fußballspiele und Leichtathletikwettkämpfe wieder regelmäßig stattfinden können.

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