Überraschender Abgang beim ambitionierten A-Kreisligisten

Sebastian Tyrala verlässt sofort BV Bad Sassendorf - neuer Verein steht fest

Sebastian Tyrala (links) verlässt den BV Bad Sassendorf.
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Sebastian Tyrala (links) verlässt den BV Bad Sassendorf.

[Update 21 Uhr] Nun steht fest, zu welchem Verein der Ex-Profi Sebastian Tyrala wechseln wird und dafür mit sofortiger Wirkung den BV Bad Sassendorf verlässt. Dort trifft er auf einen alten Bekannten.

Bad Sassendorf – Paukenschlag beim BV Bad Sassendorf. Der ambitionierte Tabellenvierte der Fußball-Kreisliga A Soest gab am Mittwoch bekannt, dass Sebastian Tyrala ab sofort nicht mehr Spielertrainer bei den Schwarz-Weißen ist. Der Ex-Profi wechselt mit sofortiger Wirkung als Trainer zum ambitionierten Dortmunder Landesligisten Türkspor Dortmund.

Der Aufsteiger, Liga-Rivale des SV Hilbeck, wollte in diesem Jahr in die Westfalenliga durchmarschieren. Türkspor liegt auf Tabellenplatz neun mit elf Punkten, hat aber zwei Spiele weniger ausgetragen als Spitzenreiter Kirchhörder SC, der 17 Punkte hat und mit zwei Siegen eingeholt wäre.

Kevin Großkreutz war bis zum Herbst 2020 Co-Trainer bei Türkspor Dortmund

Der Aufsteiger und Hilbecker Ligarivale Türkspor Dortmund galt als Top-Favorit auf den Durchmarsch. Aber vor allem wegen der Personalie Kevin Großkreutz stand der Verein, der am Fredenbaumplatz seine Heimspiele austrägt, im Rampenlicht.

Der zweifache Deutsche Meister und Weltmeister von 2014 (ohne Einsatz), der am vergangenen Sonntag seine Profi-Karriere beendete, war in seiner Zeit als Profi des Drittligisten KFC Uerdingen Co-Trainer unter Türkspor-Coach Reza Hassani. Die beiden traten Mitte September vergangenen Jahres bei dem Verein mit vielen früher höherklassig spielenden Akteuren zurück. Für die Nachfolge hatte der Verein eine Interimslösung gefunden mit Dimitrios Kalpakidis.

Tyralas Entscheidung kam ziemlich überraschend. Denn noch knapp vor 14 Tagen kündigte 32-Jährige gegenüber dem Anzeiger an, dass seine Vertragsverlängerung nur noch eine Formalität sei: „Ich habe total Bock. Wir können hier richtig was aufbauen.“

Daraus wird nun nichts mehr, auch wenn Tyrala weiter als Jugendleiter dem BVS verbunden bleibt und sich auch nicht als Spieler abmelden wird.

„Ich habe am Sonntag den Anruf bekommen, dass der Verein Interesse hat. Ich habe mir das angehört und hatte immer gesagt, dass ich irgendwann mal zu einem Verein mit Perspektive in den Dortmunder Raum wechseln möchte“, begründete Tyrala seine Entscheidung.

„Mein Bauch hat sofort gesagt: Das willst Du machen. Mein Herz hat gesagt: Das kannst Du nicht machen“, berichtet der Sassendorfer, der schon zu Juniorenzeiten zur Borussia nach Dortmund gewechselt war.

Der neue Verein von Tyrala will kurzfristig in die Westfalenliga und mittelfristig in die Oberliga. „Sie haben ein klares Ziel und ich versuche nun, das zu erreichen. Die Mittel und auch die Spieler dafür sind da“, sagt der 32-Jährige. So wird etwa der frühere Drittliga-Profi Marcel Reichwein (u.a. RW Ahlen, Wuppertaler SV, VfR Aalen und Preußen Münster) sein spielender Co-Trainer.

Für uns ist das eine ganz schlechte Situation. So kurzfristig jemand neues zu bekommen, ist sehr schwer.

Volker Stein, Vorsitzender BV Bad Sassendorf

Volker Stein, der Vorsitzendes BV Bad Sassendorf, wurde am Montag von Tyrala informiert. „Er war hin und her gerissen“, berichtet der 73-Jährige. „Man kann ihm nicht böse sein“, erklärt Stein weiter. Auch seien die Möglichkeiten im Fußballkreis Soest für junge und ehrgeizige Trainer nun einmal beschränkt mit einem Landesligisten und sechs Bezirksligisten, bei denen die Trainerposten auch fest vergeben seien, so Stein weiter: „Für uns ist das eine ganz schlechte Situation. So kurzfristig jemand neues zu bekommen, ist sehr schwer.“

Durch Tyralas Arbeit, er übernahm den BVS zu Beginn der Saison 2019/20, und die des Vorgängers Tobias Boschert sei die Messlatte ziemlich hoch. „Dazu haben ja fast alle Trainer auch schon bei ihren Vereinen zugesagt und wir können für die Mannschaft ja keinen Kreisliga-C-Trainer holen“, erklärt der 73-Jährige. „Ich bin über 35 Jahr Vorsitzender. Aber so eine Situation habe ich noch nicht erlebt“, erklärt der erfahrene Klubchef.

Spieler Björn Polzin (2. von rechts) soll ins Trainerteam eingebunden werden.

Nach einer Videokonferenz am Montagabend, an der auch Sebastian Tyrala teilnahm, tendieren die Beteiligten zunächst auf eine interne Lösung mit dem bisherigen Co-Trainer Manuel Weindorf und dem erfahrenen Björn Polzin, der ebenfalls schon höherklassig gespielt hat. Auch Sebastians Tyralas Bruder Mike, auch Kapitän der Mannschaft und früher in der Jugend-Bundesliga aktiv, soll nach Möglichkeit in das Trainerteam eingebunden werden. Auch Sebastian Tyrala habe diese Lösung angeregt, so Stein. „Es ist ja nicht üblich, dass der alte Trainer seinen Nachfolger vorschlägt“, erklärt Tyrala.

BVS-Kader bleibt zusammen

Und nachdem seine Entscheidung traf, hatte er noch einmal mit allen Spielern aus dem aktuellen Kader gesprochen. „Sie haben erneut die Zusage gegeben, dass sie in der kommenden Saison bleiben“, sagt Tyrala durchaus erleichtert.

Der Mittelfeldspieler hat als Ex-Profi von Borussia Dortmund und nach einer schweren Knie-Verletzung für die BVB-Reserve gespielt und wechselte danach zum VfL Osnabrück, die SpVg Greuther Fürth und RW Erfurt. Nach einer weiteren Station bei der Bundesliga-Reserve des 1. FSV Mainz 05 folgte für den mehr als 70-fachen Jugendnationalspieler in verschiedener Altersklassen der DFB-Teams 2019 der Wechsel zum BVS.

Vertragsunterschrift am Donnerstag

Sebastian Tyrala, der aktuell auch eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann in Bad Sassendorf in der Agentur des BVS-Geschäftsführers Benjamin Bußmann absolviert (und diese auch als Hauptjob fortführen wird) unterschreibt am Donnerstag einen Vertrag bei einem Verein, der in der Vergangenheit für einige Schlagzeilen sorgte (siehe Info-Box). Dort trifft er auch auf Dimitrios Kalpakidis. Der sollte bei Türkspor ab Sommer neuer Sportlicher Leiter werden, übernahm aber zunächst den Trainerposten.

Nun darf Kalpakidis, ein guter Bekannter von Tyrala, wieder Funktionär sein. „Wir haben schon ewig Kontakt aus unserer gemeinsamen Zeit in Dortmund. Dass er nun wieder als Sportlicher Leiter arbeitet, ist für mich auch ein Mehrwert“, sagt der neue Türkspor-Trainer aus Bad Sassendorf.

Sebastian Tyrala verlässt den BV Bad Sassendorf sofort - unsere Erstmeldung:

Erstmeldung vom 27. Januar, 16.30 Uhr: Bad Sassendorf – Diese Entscheidung kam ziemlich überraschend. Denn noch knapp vor 14 Tagen kündigte 32-Jährige gegenüber dem Anzeiger an, dass seine Vertragsverlängerung nur noch eine Formalität sei: „Ich habe total Bock. Wir können hier richtig was aufbauen.“

Daraus wird nun nichts mehr, auch wenn Tyrala weiter als Jugendleiter dem BVS verbunden bleibt und sich auch nicht als Spieler abmelden wird.

„Ich habe am vergangenen Sonntag den Anruf bekommen, dass der Verein Interesse hat. Ich habe mir das angehört und hatte immer gesagt, dass ich irgendwann mal zu einem Verein mit Perspektive wechseln möchte“, begründete Tyrala seine Entscheidung. Welchen Verein er in Zukunft trainieren wird, wird im Laufe des Mittwochabend bekannt gegeben. Wir berichten weiter.

Mein Bauch hat sofort gesagt: Das willst Du machen. Mein Herz hat gesagt: Das kannst Du nicht machen.

Sebastian Tyrala.

„Mein Bauch hat sofort gesagt: Das willst Du machen. Mein Herz hat gesagt: Das kannst Du nicht machen“, berichtet der Sassendorfer, der schon zu Juniorenzeiten zur Borussia nach Dortmund gewechselt war.

Volker Stein, Vorsitzender BV Bad Sassendorf

Volker Stein, der Vorsitzendes BV Bad Sassendorf, wurde am Montag von Tyrala informiert. „Er war hin und her gerissen“, berichtet der 73-Jährige. „Man kann ihm nicht böse sein“, erklärt Stein weiter.

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