Zwischen Wehmut und Vorfreude

Soester TV wartet auf die neue Heimstätte

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Durch eine Brüstung aus Glas soll künftig den höherliegenden Zuschauerrängen ein optimaler Blick auf das Geschehen geboten werden.

Sie müssen durch ein tiefes Tal, müssen improvisieren, sich nach der Decke strecken. Doch danach erwartet die Handballer des Soester TV eine neue Ära.

Soest - Sie wechseln im Spätsommer in die im Bau befindliche neue Sporthalle des Börde-Berufskollegs, müssen nach den Osterferien für einige Monate eine neue Heimstatt finden. Denn die alte Halle wird ab dem Frühjahr abgerissen, steht also nur noch drei Monate zur Verfügung.

So wird das Oberliga-Spiel der ersten Herrenmannschaft gegen Spitzenreiter ASV Hamm-Westfalen II vom 8. Mai auf Freitag, 3. April, 20 Uhr, vorverlegt. Das wird STV-Handball-Geschäftsführer Rainer Wolfgarten zufolge das letzte Spiel der Schüsselträger in der alten Halle sein. „Danach findet eine zünftige Abschiedsfeier statt“, wollen sich die Schlüsselträger nicht sang- und klanglos von dem Ort verabschieden, der über vier Jahrzehnte Schauplatz denkwürdiger Momente des Soester Handballs war. Ein Abend, der mit Wehmut verbunden sein dürfte, aber auch mit dem Ausblick auf rosige Zeiten. Denn ab September finden die STV-Handballer in ihrer neuen Heimat ganz andere, und zwar bessere Verhältnisse vor.

Acht Meter für Trainer und Betreuer

So verfügt die neue Halle über ein rund hundert Quadratmeter großes Foyer, das die Handballer künftig fürs Catering bei den Heimspielen nutzen können. Angedockt ist nicht nur ein Kiosk mit integrierter Küche, sondern auch ein Raum, der exklusiv den Handballern zur Verfügung steht. Er lässt sich sowohl für Mannschaftssitzungen nutzen als auch als VIP-Raum bei den Heimspielen.

Aus dem Foyer führen eine Treppe und ein Aufzug zur Tribüne, die offiziell 550 Zuschauern Platz bieten wird. Unter der Tribüne befinden sich die Geräte-Garagen, von denen einer exklusiv dem STV gehören wird. Dort werden die Handballer ihre Bänke, Tore etc. lagern. Sie werden also fortan nicht mehr das Equipment der Schule nutzen. Der Kreis hat dem Verein angeboten, einen Teil des derzeitigen Inventars zu erwerben.

Hinter den Garagen sind die Kabinen angeordnet, zwei davon mit Bundesliga-Dimensionen, so Schönfeld. Vor den Garagen sind acht Meter Platz bis zum Spielfeld, sodass während der Spiele genügend Auslauf für die Trainer und Spieler vorhanden ist. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die elektronische Anzeigetafel angebracht, damit von Zuschauern, Spielern und Betreuern gut einsehbar.

Werbung auf einer Video-Leinwand

Darunter wird auf einer Video-Leinwand die Werbung flackern. Künftig müssen die Handballer also nicht mehr die Tribüne von der Wand ziehen, sie müssen auch nicht mehr die Werbebanner herunterkurbeln, wie es aktuell noch in der Halle aus den Siebziger-Jahren nötig ist. Vielmehr wird die Leinwand per Laptop gesteuert von der Tribünen-Seite aus. Dass WLAN überall verfügbar sein wird, versteht sich fast von selbst.

„Es wird für die Zuschauer ein echtes Erlebnis werden“, fiebert Kai Schönfeld der Eröffnung, die für September vorgesehen ist und gemeinsam mit dem Kreis Soest geplant wird, entgegen. Dafür ist ein Spiel gegen eine prominente Mannschaft angedacht. Dabei wird auch festzustellen sein, wie es um die Stimmung in der neuen Halle bestellt sein wird. Schließlich wird die Distanz zwischen Spielfläche und Tribüne – ähnlich wie im Grohe-Forum in Hemer – enorm sein. 

Bis dahin werden aber noch viele Arbeiten zu erledigen sein; und das nicht von den Facharbeitern in und um die Halle. Vielmehr muss der Verein Sorge tragen, dass der Spielbetrieb weitergeführt werden kann, auch wenn nach dem 3. April die alte Halle dicht ist, die neue Halle aber erst ein knappes halbes Jahr später eröffnet wird.

Fehlende Ausweichorte für Oberliga-Herren

Die Auswirkungen sind schon alsbald zu spüren. Denn erste Spielverlegungen wirken sich bereits auf den Terminplan im Januar aus. So tritt die zweite Herrenmannschaft am 19. Januar nicht beim VfL Kamen an, sondern auf heimischem Parkett; das Rückspiel ist im Mai in Kamen. Die dritte Mannschaft bestreitet das Lokalderby gegen die HSG ebenfalls am 19. Januar in der Bördehalle, das Rückspiel wird neu angesetzt.

Für die Oberliga-Herren müssen noch zwei Ausweich-orte für die Spiele gegen Haltern und Gladbeck gefunden werden, die für den 17. und 26. April geplant sind. Durchaus denkbar, dass – ähnlich wie vor ein paar Jahren bei einer Renovierung der Bördehalle – Neheim und Werl als Austragungsorte in Frage kommen. Bleiben noch beispielsweise die letzten Spiele der Damen (27. April gegen Oespel-Kley) und der zweiten Herren (25. April gegen Ennigerloh).

Hier gilt es ebenso Alternativen zu finden wie für den gesamten Jugendbereich. Denn nach den Osterferien stehen die Qualifikationsspiele, die Pokal- und Sommerrunden an. Hier hoffen die Schlüsselträger auf die Hilfe der Stadt. Denn während sie bei der Bördehalle mit dem Kreis als Eigentümer zu tun haben, sind die Hallen, in denen der STV einen Teil seines Trainingsbetriebs jetzt schon durchführt (Convos, Dülberg, Johannes) städtisch.

Hallenzeiten bleiben große Baustelle

Mit dem Kreis herrscht derweil bestes Einvernehmen, so Schönfeld: „Mit Maria Schulte-Kellinghaus und Hendrik Henneböhl vom Dezernat für Schulangelegenheiten bei der Kreisverwaltung läuft die Zusammenarbeit ausgezeichnet.“ So wurde ausgetüftelt, dass der Nutzungsanteil des STV ungefähr gleichbleibt.

Das Thema Hallenzeiten ist ohnehin eine der drei großen Baustellen für Schönfeld und seinen Vorgänger Marsel Tonneau, der als Sportlicher Leiter weiterhin mitten im Geschehen ist. So ist das ständige Rekrutieren von Jugendtrainern eine Mammutaufgabe, denn der Andrang, gerade bei den Minis, ist riesengroß. Und schließlich steht das Thema Schiedsrichter auf der Tagesordnung. Denn ab der neuen Saison drohen bei Nichterfüllung des geforderten Kontingents Punktabzüge für die am höchsten spielende Mannschaft – im schlimmsten Fall acht Zähler minus für die Oberliga-Herren. Der STV wird daher für die kommende Saison nur Mannschaften melden, die zu hundert Prozent überleben können. Fälle wie die inzwischen abgemeldete zweite A-Jugend soll es nicht mehr geben.

Vielmehr ist eine Vertiefung der Zusammenarbeit mit Handball-Nachbar Werler TV geplant, von dem aktuell Jungen mit Gastspielrecht bei der Soester C2 und D2 spielen. „Es ist denkbar, dass das nächste Saison andersherum läuft“, erläutert Schönfeld, dass er und seine Mitstreiter stets den Blick über den Tellerrand richten, ganz unabhängig von der neuen Halle.

Kosten: 8,4 Millionen Euro

Es ist ein Millionen-Vorhaben, das derzeit im Soester Westen umgesetzt wird. Auf dem Gelände des Börde-Berufskollegs wird aber keine reine Sporthalle errichtet – in dem Neubau sollen auch fünf Klassenzimmer für die Schule ihren Platz finden. Der 56 Meter lange und 44 Meter breite Bau kostet insgesamt 8,4 Millionen Euro. Neben einer höherliegenden Zuschauertribüne soll es auch einen Gymnastik- und einen Kletterraum geben. Die zusätzlichen Klassenzimmer sind nötig geworden, um allen Unterrichtsanforderungen gerecht zu werden. Als Zwischenlösung haben die Bördeschüler bislang in einem Container gepaukt, der wurde für die Bauarbeiten aber wieder abgebaut.

Neue Ballreinigungsmaschine

Zum Inventar der neuen Bördehalle wird demnächst auch eine Ballreinigungsmaschine gehören. Dank der finanziellen Unterstützung durch Stadt und Kuchenmeister-Stiftung kann dieses Gerät angeschafft werden, mit deren Hilfe das Harz leichter von den Bällen entfernt werden kann. „60 Prozent der Harzproblematik hängt mit den klebrigen Bällen zusammen“, so Kai Schönfeld. Ansonsten wird eine Reinigungsfirma beauftragt – wie schon in der alten Halle – die harzigen Hinterlassenschaften vom Handball nach den Spielen der ersten Mannschaft zu beseitigen. Bei den übrigen Spielen sowie beim Training sind die Spieler selber gefordert.

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