Soester EG

Redakteur im Selbstversuch: Eishockey-Puck voll auf die Zwölf

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Voller Körpereinsatz trotz mangelnder Technik : Mit einem Beinschoner konnte ich den Schuss abwehren.

Echtrop - Man muss ein bisschen bekloppt sein, um sich mit der mehr als zehn Kilogramm schweren Schutzausrüstung ins Eishockey-Tor zu stellen. Den Versuch habe ich dennoch gewagt – und am Ende unverletzt die Eisfläche wieder verlassen.

Der schwarze Puck zischt durch die Luft, ich habe mich in Stellung gebracht, doch das Geschoss verfehlt sein Ziel, hätte eigentlich in dem Fanghandschuh landen sollen. Stattdessen zielte Cedric Kroll aus sechs Metern ein wenig zu hoch, sodass der Puck mit voller Kraft in Richtung Nase flog und krachend auf der Torwartmaske einschlug. Ein kurzer Schock – für eine Reaktion war es längst zu spät – dann kam die Gewissheit, das hat ganz und gar nicht wehgetan. Eigentlich wollte mich Cedric nur ein wenig Warmschießen für meinen ersten Auftritt in dem 1,83 Meter breiten und 1,22 Meter hohen Eishockeytor. Eigentlich war der Puck auf die Nase aber ein Hallo-wach-Moment, wich die anfängliche Skepsis der Vorfreude.

Der 14-jährige Cedric, Eishockeytorwart bei der U15 und U17 der Soester EG, hatte mich zuvor im Echtroper Eissportzentrum auf meine Aufgabe vorbereitet: Einmal beim Trainingsspiel der Eishockeymannschaft der Soester EG im Tor stehen. Trainiert hat an diesem Abend eine gemischte Mannschaft aus Jugendspielern und ehemaligen SEG-Akteuren, angeleitet vom ehemaligen Soester Regionalligaspieler Jan Buschmann, der auch auf dem Eis noch kräftig mitmischte.

Der Butterfly-Stil der Profis

Und so viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Am Ende gab es viel Lob für meinen engagierten Auftritt, auch von Buschmann. Obwohl es für die alte Regionalliga-Mannschaft wahrscheinlich nicht gereicht hätte, oder für die aktuelle U11 der Bördeindianer. Das sind die Minis der SEG.

Der 14-jährige Cedric Kroll von der Soester EG bereitete mich optimal auf den Versuch im Eishockeytor vor.


Aber als Spätstarter machte ich auf den Kufen gar keine so schlechte Figur. Der erste Schritt auf das Eis war eine Herausforderung – nachdem letzten Mal auf Schlittschuhen ist bestimmt schon ein Jahrzehnt vergangen und damals auch noch ohne die dicke Schutzausrüstung. Drei Runden lang Einlaufen verordnete mir Cedric. Das klappte unfallfrei – besser als erwartet.

Dann wurde es ernst: Der Goalie der SEG, so heißt der Torwart beim Eishockey, erklärte mir die richtige Technik, um den Puck auf seinem Weg ins Tor aufzuhalten – den Butterfly-Stil. Dabei müssen die Beine samt der Beinschoner vom Körper gespreizt werden, wodurch der Torwart noch breiter wirkt, als er ohnehin schon ist. Gar nicht so einfach, das über mehrere Minuten durchzuhalten, geht die gebückte Stellung doch schnell auf die Oberschenkelmuskulatur. Doch bei einem flachen Schuss lässt sich so das gesamte Tor mit den Beinschonern versperren. Schon bei der Trockenübung neben der Eisfläche ist das gar nicht so einfach, aber auf dem Eis ist es noch einmal ein ganzes Stück schwerer. Deswegen zeigt mir Cedric anschließend ein paar typische Torwartübungen, um mich richtig im Tor zu bewegen – den T-Push und den C-Cut. Das sind Übungen, bei denen es um die richtige Fortbewegung auf dem Eis geht.

„Der beste Schlittschuhläufer steht normalerweise immer im Tor“, erklärt mir Peter Lensches, sportlicher Jugendleiter bei den Bördeindianern. Der beste Schlittschuhläufer bin ich beileibe nicht, schon beim ersten Versuch liege ich wie eine Flunder auf der Scholle – Arme und Beine weit ausgestreckt. Mittlerweile schwitze ich aus jeder Pore meines Körpers. „Bei einem Spiel verliert Cedric so rund drei Liter Wasser“, erklärt mir Vater Andreas Kroll. Eine ganze Menge, aber nachdem Training zweifle ich nicht mehr.

3000 Euro für die Torwart-Ausrüstung

Schon beim Anziehen der Torwartkluft fing ich an zu schwitzen. Bis auf meine Ski-Unterwäsche musste ich mich ausziehen. Dann ging es los: Zunächst musste ich mir einen Tiefenschutz anziehen, eine riesige gepolsterte Hose, einen Kehlkopfschutz einen gepolsterten Brustschutz. Weiter ging es mit den Schlittschuhen und den Beinschonern. Einem Blocker, so heißt der an der Stockhand getragene Protektor und einen Fanghandschuh. Zu guter Letzt wurde mir eine Maske aufgesetzt und ein Torwartschläger in die Hand gedrückt; die sind an der Unterseite breiter als die Schläger der Feldspieler. Für den Gesamtpreis der Torwartausrüstung lässt sich auch ein Pferd anschaffen – rund 3000 Euro, schätzt Andreas Kroll. Aber Cedric spielt lieber Eishockey und mittlerweile seit neun Jahren.

„Aussehen tut er immerhin schon mal wie ein richtiger Torwart“, scherzte Peter Lensches, als er mich in voller Montur auf die Eisfläche stapfen sieht.

Endlich geht das Torwarttraining los: Ich kann mich mit Maren Linnhof und Christopher Putlitz abwechseln, die Torhüterin und der Torwart nehmen ebenfalls am Training der gemischten Mannschaft teil. Jetzt winkt mich Christopher ins Tor. Den ersten Schuss kann ich mit dem Blocker abwehren, der zweite prallt von einem Beinschoner ab. Das läuft doch ganz gut, denke ich. Weit gefehlt, denn jetzt spielen die Schützen sich zunächst den Puck zu, um dann abzuschließen. Bevor ich mich überhaupt in die richtige Stellung begeben kann, ist der Puck bereits im Tor oder ich sitze auf dem Hosenboden.

Auch beim anschließenden Trainingsspiel kann ich das eine oder andere Mal den Puck mit einem Reflex abwehren – das macht auch unheimlich Spaß – aber spätestens, wenn die Angreifer nachsetzen, habe ich keine Chance mehr, weil ich mich auf den Kufen nicht flink genug bewegen kann. Denn eines ist nicht von der Hand zu weisen: Als Torwart muss man unheimlich gut Schlittschuhlaufen können. Und das kann ich leider nicht.

Zum Schmunzeln...

Fotografen leben gefährlich

Schon in der Ausbildung wurde uns gesagt, dass man sich für ein Foto auch mal eine ungewöhnliche Perspektive suchen solle. Dabei können Hose und Schuhe auch schon mal dreckig oder nass werden. Doch niemand hat uns gesagt, dass es auch gefährlich sein kann. Bei meinem Eishockey-Selbstversuch schlitterte unser Fotograf also auf Straßenschuhen auf die Eisfläche, kniete sich ein paar Meter davor hin, um einige Bilder aus der Froschperspektive zu schießen. Das Training war zwar kurzzeitig unterbrochen, ging nach einem Pfiff von Trainer Jan Buschmann aber weiter. 

Also rasten die Spieler wieder auf das Tor zu, spielten sich den Puck zu und wollten abschließen. Mehrfach versuchte ich unseren Fotografen lautstark darauf hinzuweisen – ohne Erfolg. Es kam, wie es kommen musste: Ein Spieler fuhr rückwärts Richtung Tor, übersah den am Boden hockenden Fotografen und stolperte. Während der Fotograf schreckhaft zusammenzuckte, rappelte sich der Spieler wieder auf. Beide haben den Vorfall schlussendlich unbeschadet überstanden.

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