Training beim SC Möhnesee

Heiße Kufen, kaltes Eis und glückliche Sportlerinnen

Einmal so elfengleich wie Elsa über das Eis schweben – diesen Traum haben nicht nur kleine Mädchen, seit sie den Disney-Klassiker „Die Eiskönigin“ gesehen haben. 

Doch, wer schon einmal selber mit zwei Kufen auf dem Eis gestanden hat, der merkt schnell, dass das mit der Eleganz beim Eiskunstlaufen gar nicht so einfach ist. Daran kann auch die mitreißendste Musik nichts ändern.

Das sanfte Dahingleiten ist allerdings nur die Basis. „Den Jüngsten bringen wir in unserer Laufschule erst einmal das einfache Vorwärts- und Rückwärtsgleiten bei der Gewichtsverlagerung auf nur einem Bein bei“, sagt Gaby Gruchot, die den Nachwuchs beim Schlittschuh-Club (SC) Möhnesee gemeinsam mit Daniela Nolte, Ann-Kristin Kutscher und Thomas Roggatz trainiert. „Wie schnell die Neueinsteiger das umsetzen können, hängt – ebenso wie die weitere Entwicklung des Sportlers – von verschiedenen Faktoren ab, wie Talent, Trainingsumfang und Körpergefühl.“

Eiskunstlauf: Training beim SC Möhnesee

Im Eissportzentrum in Echtrop lernt der zumeist weibliche Nachwuchs in den ersten zwei Winterhalbjahren ein sicheres und sauberes Laufen mit einigen Figuren aus dem Elemente-Programm des Eisläufers, so dass er die Freiläuferprüfung vor einem zertifizierten Preisrichter des Landeseissportverbandes ablegen kann. „Im Anschluss daran erlernt der Läufer fünf Pflichtelemente, die in der künftigen Kür als Freiläufer-1 – später Freiläufer-2 mit schwierigeren fünf Pflichtelementen – zu laufen sind.“

Kreisförmige Spuren im Eis sind wichtig

Die Elemente, die in die Freiläufer-1-Kur gezeigt werden müssen, sind der Flieger vorwärts, drei Dreierwalzer, die beiden Sprünge Salchow und Toeloop sowie eine Standpirouette mit mindestens fünf Umdrehungen auf einem Fuß. Beim Flieger werden die Arme seitlich und ein Fuß nach hinten ausgestreckt. Während die Zuschauer auf den ersten Blick sehen können, ob die Figur sauber gelaufen wird, muss sich der Eiskunstläufer auf die Aussagen der Beobachter verlassen.

Antonia Trunova zeigt einen erweiterten Storch.


Bei der Pirouette dagegen kann er ein wichtiges Kriterium für die Bewertung dieses Elements selbst überprüfen. Und das ist die Achse. Denn nur, wenn der Eiskunstläufer diese gehalten hat, sind nach der Kür auf dem Eis die charakteristischen, kreisförmigen Spuren zu sehen. „Die Achse zu halten, ist mir am Anfang sehr schwergefallen“, erzählt Carolin Dörfer. Ihre erste Pirouette liegt allerdings schon viele Jahre zurück, denn die Oberstufenschülerin hat mit Eiskunstlauf angefangen, als sie in derersten Klasse war. Mittlerweile zeigt sie in ihrer Kür verschiedene Pirouetten – von der Sitz- bis zur Standpirouette.

Die Pirouetten, die ursprünglich aus dem Ballett kommen, aber mittlerweile fester Bestandteil im Eiskunstlauf sind, haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Daher haben Eiskunstläufer, die nicht so gut springen können, reelle Chancen auf gute Platzierungen, wenn sie Elemente wie Pirouetten und Schritte sehr gut beherrschen.

Geübt werden können Pirouetten am besten auf dem Eis, denn nur dort ist das schnelle Drehen um die eigene Achse möglich. Trotzdem sieht man vor dem eigentlichen Training beim SC Möhnesee begeisterte Kinder und Jugendliche im Eingangsbereich des Eissportzentrums in ihrer schwarzen Kleidung trainieren. Während Julia Fester gerade Anlauf nimmt, um einen Toeloop zu springen, Carolin Dörfer ihre Gelenke dehnt, arbeitet Ellen Weisbecker mit Flexbändern an ihrer Schnellkraft.

Carolin Dörfer steht den Doppel-Salchow

„Dieses Trockentraining ist wichtig, um sich warm zu machen, denn beim Eiskunstlauf werden sehr viele verschiedene Muskelgruppen angesprochen. Außerdem bietet das Trockentraining die Möglichkeit, überhaupt erst mal ein Gefühl für eine Technik zu bekommen und, um verstehen, wie sie abläuft“, erklärt Gaby Gruchot. „Das kann man dann auch zu Hause üben, wenn man möchte.“

Während viele die Sprünge erst auf dem Trockenen so lange üben, bis sie sie einigermaßen sicher können, probiert Carolin Dörfer ihre Sprünge am liebsten direkt parallel auf dem Eis aus. „Wobei es am Anfang schon eine Überwindung für mich war, überhaupt abzuspringen“, erinnert sich die 17-Jährige. Mittlerweile zeigt sie den Doppel-Salchow, steht manchmal auch den Doppel-Rittberger und tastet sich gerade an den Doppel-Flip heran. „Es ist immer toll, wenn ich einen Sprung geschafft habe, denn das gibt mir immer einen richtigen Motivationsschub.“

Hinfallen und sofort wieder aufstehen

Natürlich fällt beim Training auf dem Eis auch immer mal wieder jemand hin. „Da die Läuferinnen trainiert sind, sind die Stürze nicht so heftig wie bei untrainierten Laufanfängern, denn die Gesundheit unserer Sportlerinnen ist uns sehr wichtig“, sagt Gaby Gruchot. „Und danach heißt es: Fällst du hin, musst du wieder aufstehen“, so die Trainerin weiter. „Und damit lernen die jungen Menschen nicht nur Technik und Ausdruck bei uns, sondern auch etwas Wichtiges fürs Leben.“

Auf dem Sprung

Beim Eiskunstlaufen gibt es in der Einzeldisziplin sechs verschiedene Grundsprünge: Axel, Flip, Lutz, Rittberger, Salchow und Toeloop. Axel, Rittberger und Salchow sind Kantensprünge, was bedeutet, dass der Eiskunstläufer von einer Schlittschuhkante abspringt. Bei den übrigen Sprüngen spricht man von getippten Sprüngen, weil der Sportler vor dem Sprung kurz mit der Zacke ins Eis tippt, was beim Absprung hilft. Bis auf den Axel werden alle Sprünge in Laufrichtung rückwärts abgesprungen. Da der Eiskunstläufer bei allen sechs Sprüngen rückwärts landet, gilt der Axel als schwierigster Sprung, da dieser in der einfachen Variante direkt anderthalb Umdrehungen erfordert. Er ist zugleich auch der älteste Sprung – benannt nach dem Norweger Axel Paulsen. Die besten Akteure der Welt bei den Damen und Herren zeigen in ihren Küren mittlerweile Vierfachsprünge, also vier volle Drehungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare