Silvesterlauf: Erfolgsrezept Volksfestcharakter

SOEST ▪ Vier Tage ist es her, dass der 29. Silvesterlauf stattgefunden hat. Eine längst zur Tradition gewordene und weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Großveranstaltung, die Jahr für Jahr Wochen und Monate intensiver Planung erfordert, die im Jahr 2010 durch den kräftigen Winter und ungewisse Wetterprognosen für den Veranstaltungstag zusätzlich erschwert wurden. Im Gespräch mit unserem Volontär Sven Prillwitz blickt Hauptorganisator Ingo Schaffranka auf den 29. Lauf zurück, setzt sich mit Kritik auseinander, erklärt den besonderen Reiz der Veranstaltung und wagt einen Ausblick auf die 30. Auflage.

Herr Schaffranka, wie erschöpft sind Sie nach Wochen der Planung und jetzt der Durchführung des Laufs?

Schaffranka: „Mittlerweile geht es wieder, aber es war eine ganze Menge Arbeit, die wir Organisations-Team zu bewältigen hatten. Zumal auch vieles dabei gewesen ist, mit dem ich mich vorher noch nie befassen musste.“

Sie spielen auf die neue Vorschrift an, dass Veranstalter ein schlüssiges Sicherheitskonzept vorlegen müssen, um die Genehmigung für die Durchführung ihres Events zu erhalten?

Schaffranka: „Genau. Das war für uns gewissermaßen nichts anderes als vorher auch, denn um die Sicherheit aller Beteiligten muss man sich natürlich Gedanken machen. Die Herausforderung bestand darin, ein bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Sicherheitskonzept in schriftlicher Form vorlegen zu müssen. Dafür habe ich Verständnis, aber das Ganze hätte wesentlich früher angefordert werden können. Immerhin haben alle beteiligten Parteien, auch die Kommunen, in dieser Hinsicht gut zusammengearbeitet.“

Es gab vor dem Lauf und währenddessen einige kritische Stimmen, die sich darüber beschwerten, dass die Straßen seit Wochen nicht richtig von Schnee und Eis befreit worden seien. Pünktlich zum Silvesterlauf waren die Straßen in einem hervorragenden Zustand...

Schaffranka: „Es war wirklich kein Salz mehr vorhanden aufgrund des anhaltenden massiven Winterwetters. Wir hatten Glück, dass ein privater Spender uns vier Tonnen Streusalz zur Verfügung gestellt hat. Die Kommunen haben lediglich ihre Gerätschaften zur Verfügung gestellt, um das Salz zu verteilen.“

Trotz der ungewissen Witterungsbedingungen am Veranstaltungstag nahmen nach einer im Vergleich zu den Vorjahren geringen Anzahl an Voranmeldungen letzten Endes mehr als 5 000 Sportler am Silvesterlauf teil. Wie zufrieden sind Sie mit der Starterzahl?

Schaffranka: „Im Endeffekt können wir sehr zufrieden sein, auch weil wir Glück mit dem Wetter hatten und das gefürchtete Blitzeis ausblieb. Natürlich hätten wir lieber vier Grad plus und strahlenden Sonnenschein gehabt und damit noch mehr Sportler, die an den Start gehen, aber Freiluftveranstaltungen gerade im Winter sind eben kein Wunschkonzert. Und überhaupt, wenn man sich unsere Starterzahlen der letzten Jahre anguckt, liegen wir deutschlandweit in den Top 20 der teilnehmerstärksten Läufe.“

Wegen der hohen Rutschgefahr auf einigen Streckenabschnitten, auf denen die Kinderläufe stattfinden sollten, wurden diese kurzerhand nur auf der Schützenstraße in Werl durchgeführt, was bei Teilnehmern und Zuschauern gut anzukommen schien. Ein Modell für 2011?

Schaffranka: „Auf jeden Fall. Die Kinderläufe waren dadurch ein echter Blickfang. Für die Eltern war es auch spannender als der Rundkurs der letzten Jahre, weil sie ihre Kinder die ganze Zeit anfeuern konnten. Da hat die DJK Werl sehr gut improvisiert.“

Die Einnahmen der Veranstaltung gehen wie in den Vorjahren an die Stiftung „Gutes Erlaufen“. Wie viel Geld ist 2010 für den guten Zweck zusammen gekommen?

Schaffranka: „Eine genaue Zahl kann ich noch nicht nennen, aber ich denke, dass es zwischen 30 000 und 40 000 Euro sei dürften.“

Wie enttäuscht haben die Inline-Skater darauf reagiert, dass ihr Lauf abgesagt werden musste?

Schaffranka: „Wir haben die gemeldeten Starter per Mail am 30. Dezember über den Ausfall informiert. Viele haben sich für die E-Mail bedankt und sich bereit erklärt, die Startgebühr zu spenden. Eine tolle Geste. Allerdings habe ich den Fehler gemacht, auf unserer Internetseite nicht auf den Ausfall hinzuweisen. Den Schuh muss ich mir anziehen.“

Gab es Verletzte oder infolge der Temperaturen um den Gefrierpunkt Schwächeanfälle?

Schaffranka: „Ganz ohne Wehwehchen kann eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht ablaufen. Ich habe nach dem Silvesterlauf mit dem Einsatzleiter des DRK (Deutsches Rotes Kreuz, Anm. d. Redaktion) gesprochen. Insgesamt mussten nur drei Personen länger ärztlich versorgt werden, ansonsten ist alles glatt gegangen. Kompliment an die Läufer, die sich gut vorbereitet oder angesichts des Wetters gesagt haben: Nein danke, das ist mir zu gefährlich oder unsicher, ich bleibe zu Hause.“

Wie bewerten Sie die sportlichen Leistungen beim Hauptlauf?

Schaffranka: „Vor der Leistung von Sieger Daniel Schmidt muss man den Hut ziehen. Der hat von der ersten Sekunde an Gas gegeben und das auch noch bis ins Ziel durchgehalten – Respekt! Aber es hat sich auch wieder gezeigt, wie schwer der Streckenrekord von Jean Weijts zu schlagen ist. Ich fürchte fast, der wird noch lange ungeschlagen bleiben.“

Einige Teilnehmer empfanden die Startgebühren zu für die WEttbewerbe über fünf Kilometer als teuer...

Schaffranka: „Die Kritik nehme ich zur Kenntnis, und ich werde unsere Startgebühr mit der von anderen Fünf-Kilometer-Läufen vergleichen. Allerdings auf der Basis von Marathon-Vorläufen. Der entscheidende Unterschied beim Silvesterlauf besteht darin, dass die Starter keinen Rundkurs absolvieren, sondern von Punkt A nach B laufen. Das bedeutet für die Veranstalter einen logistischen Mehraufwand und erhöhte Kosten, denn wir transportieren die Textilien der Läufer vom Startpunkt in den Zielbereich. Dafür brauchen wir ebenso Helfer und Autos wie bei denjenigen Startern, die über 15 Kilometer laufen. Und Medaillen sind auch in der Startgebühr enthalten.“

Trotz ungewisser Wetterlage und Kälte am Veranstaltungstag waren nicht nur über 5 000 Aktive auf der Strecke, sondern säumten auch Tausende begeisterte Zuschauer den Rand der Strecke vertreten. Wie erklären Sie sich die Zuschauerbegeisterung?

Schaffranka: „Der Silvesterlauf hat diesen unglaublichen Volksfestcharakter, und die Begeisterung für den Lauf ist eben genau deswegen ungebrochen, was sich auch an der Anzahl der freiwilligen Helfer zeigt. Es ist auch toll zu sehen, dass nicht nur in Werl und Soest gefeiert gefeiert wird, sondern dass in den Dörfern entlang der B1 selbstorganisierte Partys steigern. Für eben jenen Volksfestcharakter spricht auch, dass jeder Teilnehmer, egal, ob er an der Spitze liegt oder zu den Letzten gehört, von allen Zuschauern frenetisch angefeuert wird.“

Gibt es schon Pläne, was für die 30. Auflage des Silvesterlaufs geändert und ggf. noch optimiert werden könnte?

Schaffranka: „Generell wollen wir eine Steigerung des Rahmenprogramms, denn beim Silvesterlauf handelt es sich um eine Marke, die vermarktet werden muss. Und natürlich wollen wir noch mehr Läufer an den Start bringen, die wir für den Lauf begeistern können. Nicht nur durch die gute Stimmung, sondern auch durch ein attraktives Drumherum. Das hängt alles zusammen. Ich bin zuversichtlich, dass wir 2011 zum 30. Geburtstag des Laufs eine tolle Veranstaltung auf die Beine stellen werden.

Ingo Schaffranka, vielen Dank für das Gespräch.

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