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Shara Hubrich aus Borgeln kämpft um das Olympia-Ticket

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Von: Michael Rusche

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Shara Hubrich im Nationaldress. Die Karateka aus Borgeln kämpft um ein Ticket für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio.
Shara Hubrich im Nationaldress. Die Karateka aus Borgeln kämpft um ein Ticket für die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio. © Freie Mitarbeiter

Shara Hubrich aus Borgeln ist wie Gina Lückenkemper eine heimische Kandidatin für ein Ticket für die Olympischen Sommerspiele in Tokio/Japan. Die junge Karateka hat schon reichlich Erfahrung, hat sich schon auf höchstem Niveau auch international bewiesen. Aktuell befindet sie sich in den Vorbereitungen für das Turnier „Karate 1 Premier League“ vom 27. April bis 2. Mai in Lissabon/Portugal.

Borgeln – Die gesamte Nationalmannschaft startet direkt aus dem Trainingslager zu diesem Turnier. Hier gilt es noch einmal, wichtige Punkte für Olympia zu sammeln. Das nächste große Ereignis ist die Europameisterschaft in Kroatien vom 19. bis zum 23. Mai. Trotzdem hatte Shara Hubrich Zeit für ein Interview.

Wie wird ihre Vorbereitung auf die kommenden Wettkämpfe durch Corona beeinflusst? Oder zählen Sie zum Profibereich, der (fast) normal weiter trainieren und Wettkämpfe bestreiten kann? Was macht ihre körperliche Verfassung?

Shara Hubricht: Ja, ich zähle zum Profibereich, daher habe ich die Möglichkeit, geschlossen mit dem Kader in Duisburg an unserem Stützpunkt zu trainieren. Meine Trainingseinheiten mit meinem Vater und Trainer Roy Hubrich mache ich mit ihm alleine. Diese finden draußen statt. Ich habe mich bereits daran gewöhnt, unter freiem Himmel zu trainieren, und mir gefällt es auch.

Wettkämpfe hatte ich Corona-bedingt nur drei. Diese finden natürlich unter Ausschluss von Publikum und größtenteils ohne die Mitglieder der Nationalmannschaft statt. Es dürfen immer nur die Athleten die Halle betreten, die kämpfen müssen. Dies ist natürlich keine schöne Situation.

Wenn das letzte Qualifikationsturnier in Lissabon und die Europameisterschaft stattfinden und ich diese gewinne, sind meine Chancen sehr gut, ein Ticket zu bekommen.

Shara Hubrich

Ihr großes Ziel sind die Olympischen Spiele. Wie läuft die Qualifikation ab und wie sehen Sie ihre Chancen, ein Ticket für Tokio zu lösen? Oder reicht Ihr fünfter Platz in der Weltrangliste schon mehr oder minder?

Für mich sind meine nächsten beiden Turniere entscheidend für das Olympia-Ticket. Wenn das letzte Qualifikationsturnier in Lissabon und die Europameisterschaft stattfinden und ich diese gewinne, sind meine Chancen sehr gut, ein Ticket zu bekommen. Allerdings kommt es immer darauf an, was meine Konkurrenz macht und wie viele Runden sie weiterkommen. Für jede gewonnene Runde gibt es Punkte. Daher ist es unmöglich, die Chancen genau einzuschätzen. Alles, was ich weiß ist: es ist schaffbar.

Wie viele Plätze für Deutschland gibt es überhaupt im Karate und wie ist es um die Konkurrenz bestellt?

Es gibt keine feste Anzahl für jede Nation. Es ist möglich, dass keiner aus der Nationalmannschaft fährt – es ist aber auch möglich, dass in jeder Kategorie einer mit dabei ist. Pro Kategorie gibt es nur zehn Plätze weltweit. Dabei ist aber noch zu beachten, dass die beiden unteren und die beiden oberen Gewichtsklassen zusammengelegt werden. Ich kämpfe zum Beispiel in der Gewichtsklasse bis 50 Kilogramm. Meine Gewichtsklasse wird jedoch mit der bis 55 Kilogramm zusammengelegt.

Also werde ich bei den Olympischen Spielen gegen schwerere Athletinnen kämpfen müssen. Und in diesen olympischen Kategorien gibt es nur zehn Plätze, die über verschiedene Steps erreicht werden können.

Wann ist letztlich die Entscheidung zu erwarten, ob Sie an den Olympischen Spielen teilnehmen können?

Wenn alles so läuft wie geplant, dann vermute ich mal, dass spätestens die Entscheidung nach der Europameisterschaft in Kroatien feststehen sollte. Diese findet vom 19. bis 23. Mai in Porec statt.

Wie groß ist überhaupt der Aufwand im Vorfeld der Olympischen Spiele? Haben Sie ihren Trainingsumfang gegenüber Jugendzeiten noch einmal deutlich gesteigert?

Der Trainingsumfang wurde nicht unbedingt erhöht, aber musste dennoch angepasst werden, da durch die aufwändige Qualifikationsphase sich der Umfang der Turniere stark erhöht hat. So konnte man sich nicht lange auf ein wichtiges Turnier vorbereiten, sondern musste fast zwei Jahre lang auf einem hohen Leistungsniveau bleiben, da es pro Jahr circa 13 Qualifikationsturniere gab, bei denen man Punkte sammeln konnte. Jedes Turnier war vom Niveau her fast schwerer als eine Weltmeisterschaft, da jede Nation meist mit zwei oder mehr Sportlern in einer Kategorie vertreten war.

Beim ersten Premier League-Turnier des Jahres in Istanbul wurde Shara Hubrich Zweite.
Beim ersten Premier League-Turnier des Jahres in Istanbul wurde Shara Hubrich Zweite. © DKV

Wie oft sind Sie überhaupt noch im heimischen Borgeln und trainieren mit ihrem Vater?

Ich trainiere drei- bis viermal in der Woche mit meinem Vater in Borgeln.

Wie würden Sie es beurteilen, wenn keine ausländischen Zuschauer nach Japan kommen dürfen? Und haben Sie da wegen Corona Bedenken bei der Austragung der Olympischen Spiele?

Es wäre sehr schade, wenn die Olympischen Spiele wieder abgesagt werden. Die Sicherheit der Athleten und der Zuschauer steht natürlich an erster Stelle – aber wir alle haben darauf schon sehr lange hingearbeitet. Ohne Zuschauer ist es nicht das Gleiche. Jeder Sportler möchte natürlich auch während der Wettkämpfe angefeuert werden. Die Sportart Karate wird dieses Jahr das erste Mal olympisch und wird es voraussichtlich auch erst einmal nicht mehr.

Wie ist es beruflich für Sie weitergegangen nach Abschluss der Schule, wie sehen Sie in diesem Bereich ihre weiteren Pläne?

Ich studiere an der Ruhr-Universität Bochum Umwelttechnik und Ressourcenmanagement. Ich werde dem Sport immer treu bleiben und mich weiter auf die kommenden Deutschen Meisterschaften, Europa- und Weltmeisterschaften konzentrieren. Ebenfalls plane ich irgendwann, nebenberuflich Lehrgänge anzubieten. Vielleicht sogar im heimischen Borgeln.

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