Fußball

Landesliga-Aufstieg ein „Meilenstein“ für Germania Hovestadt

Eine Mädchenmannschaft aus den besten Zeiten des SV Germania Hovestadt.
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Eine Mädchenmannschaft aus den besten Zeiten des SV Germania Hovestadt.

Seit 15 Jahren gibt es bei Germania Hovestadt Teams für Frauen und Mädchen. Der Landesliga-Aufstieg 2014 war ein „ein Meilenstein und echtes Highlight in der Geschichte unseres kleinen Dorfvereins“, sagt Michaela Wolharn. 

Hovestadt – Im Winter 2005, also vor fast genau 15 Jahren, sprachen auf einer Vorstandssitzung des SV Germania Hovestadt Lisa Maumetzen, Viola Hegebüscher und Hanna Krause (geborene Rapp) mit der Bitte vor, sie würden gerne eine Frauenmannschaft gründen. „Dies wurde vom damaligen Vorstand sehr begrüßt“, blickt Michaela Wolharn zurück. Die 50-jährige Herzfelderin hat die entscheidenden Schritte der Entwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs im Lippetal noch genau in Erinnerung.

„Als die Zeitung im Jahr 1995 eine Meldung über die Gründung unserer Mädchenmannschaft veröffentlichte, begann bei uns die Geschichte des weiblichen Fußballs, die bis heute Bestand hat. Bis zur vier Mädchenteams der Altersklassen U11, U13, U15 und U17 nahmen in den folgenden Jahren am Spielbetrieb teil“, spricht Wolharn immer noch gerne von „besten Zeiten“ auf dem Sportgelände des SV Germania.

Allerdings sei das Team aus dem Jahr 1995 nicht das erste gewesen. Bereits 1986 gab es einen Versuch, eine Mädchenmannschaft zu etablieren. Diese Mannschaft trainierte unter der Leitung von Guido Tusch und Inga Schröder zwar eine Weile, doch zu einem richtigen Spielbetrieb kam es laut Wolharn damals noch nicht.

Michaela Wolharn

Die Gründung der ersten Frauenmannschaft machte blitzartig die Runde. „Schnell wurden mehrere fußballbegeisterte junge Damen gefunden, die bereits in den verschiedenen Hovestädter Mädchenmannschaften gespielt hatten und nun gerne wieder die Fußballschuhe anzogen“, so Wolharn.

Aus Soest und Müllingsen schlossen sich weitere bereits aktive Spielerinnen dem SVG an. Die Trainer Josef Elbracht und Matthias Bickel starteten mit dem bescheidenen Ziel, nicht Letzter zu werden, in die Saison. Dieses Vorhaben wurde erreicht.

Große Erfolge 2011 und 2014

In den folgenden Jahren jagten die Hovestädter Frauen aufgrund der recht zentralen Lage des Vereins in verschiedenen Kreisligen dem runden Leder nach. Sie steigerten sich in der Endabrechnung peu à peu, ehe zum Abschluss der Saison 2010/11 mit 85 Punkten aus 30 Spielen und einem sagenhaften Torverhältnis von 162:23 die Meisterschaft in der Kreisliga und der damit verbundene Aufstieg in die Bezirksliga perfekt gemacht wurde. In der folgenden Saison wurde in der Bezirksliga 2 der Klassenerhalt mit 33 Punkten auf dem achten Tabellenplatz sicher realisiert. In der Saison 2012/13 schloss sich der dritte Platz an, ehe am Ende der Saison 2013/14 – im letzten Spiel gab es einen 10:0-Sieg beim SV Schmerlecke – Meisterschaft und Aufstieg in die Landesliga ausgiebig gefeiert und begossen wurde.

Wolharn: „Das war ein Meilenstein und echtes Highlight in der Geschichte unseres kleinen Dorfvereins.“ Weitere „Duftmarken“ setzten die SVG-Damen mit dem Gewinn des Kreispokals auf dem Feld und in der Halle und der Teilnahme an der Westfalenmeisterschaften. „Echte Highlights waren für unsere Damen auch immer die legendären Mannschaftsfahrten nach Holland“, so Wolharn.

Spielgemeinschaft

Der Erfolg hielt einige Jahre in der Landesliga an, ehe Spielerinnenmangel erst zum Abstieg aus der Landesliga und dann zum Rückzug aus der Bezirksliga führte. Seit der Spielzeit 2018/19 treten die Hovestädter Frauen mit dem SC Neuengeseke als Spielgemeinschaft Neuengeseke/Hovestadt in der Kreisliga A Lippstadt/Soest an, belegten dort vor der Corona-bedingten Unterbrechung der Saison 2020/21 den achtbaren fünften Platz.

Die Hovestädter B-Juniorinnen erreichten mit Trainer Christian Bajer, heute noch als Schiedsrichter im Fußballkreis Soest aktiv, ebenfalls den Aufstieg in die Bezirksliga, wurden Kreispokalsieger und landeten anschließend im Westfalenpokal unter den acht besten Mannschaften. Derzeit spielen die U17-Mädchen als SG Neuengeseke/Hovestadt unter Trainerin Sophia Hermanowski in der Kreisliga A Paderborn.

Michaela Wolharn, als Ver- und Entsorgerin bei der Müllverbrennung in Bielefeld beschäftigt, kam schon früh selbst aktiv zum Fußball. „Meine Mutter meinte damals, ich solle doch mal beim Fußballtraining der Mädchen in Hillegossen vorbeischauen. Die Mädchen dort waren mir jedoch alle zu groß, und ich bin dann zwei Jahre später zum Training der Damen nach Ubbedissen gegangen, wo ich auch von 1986 bis 1992 gespielt habe. Nach der Geburt meines Kindes habe ich dann eine Pause eingelegt, habe als Fußball-Mutti am Platz gestanden und mitgejubelt.“

Ich bin sehr herzlich empfangen worden.

Michaela Wolharn

Im Jahr 2006 sprach der damalige Vereinsvorsitzende Dieter Schomberg Wolharn an, ob sie nicht die U11-Mädchen des SVG betreuen möchte. Gesagt, getan. Schneller als gedacht war ihr Spitzname „Muddi“ geboren. Als kurze Zeit später die Frauen ins Rennen gingen und sich Wolharn in einer Frauenturngruppe schwertat, ging sie einfach zum Training und meldete sich an. „Ich bin sehr herzlich empfangen worden, und dann bis zum Ende meiner aktiven Laufbahn dabei geblieben“, blickt Wohlharn zurück.

Dem Fußball blieb die umtriebige Wolharn dennoch in ihrer Funktion als Mädchenfußball-Beauftragte des Fußballkreises Soest erhalten. Aus dieser Position sieht sie die Entwicklung im Bereich der Juniorinnen mit gemischten Gefühlen. „Es ist natürlich gut, dass viele Mädchen ihre ersten fußballerischen Schritte bei den Jungen gehen. Dort lernen sie das körperliche Spiel kennen. Es wäre jedoch wünschenswert, wenn wieder mehr Mädchen – von Toptalenten einmal abgesehen – auch in kleineren Vereinen bleiben, um die Vielfalt an Mannschaften zu wahren“, sagt die 50-Jährige. Schon jetzt gibt es im Fußballkreis Soest keine C-Juniorinnen-Mannschaften mehr. Die B-Juniorinnen wurden in die Kreise Iserlohn und Paderborn aufgeteilt, die vier D-Juniorinnen-Teams spielen mit Mannschaften aus dem Kreis Unna/Hamm in der Kreisliga Soest. „Das fordert schon viel Flexibilität von den Trainern, Betreuerinnen und Eltern“, sagt Wolharn.

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