Schwimmen

Schwimmabzeichen: Die neue Ordnung hat noch Lücken

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Immer weniger Kinder können sicher schwimmen.

Kreis Soest – Immer weniger Kinder in Deutschland können richtig schwimmen. Eine Entwicklung, auf die der Bundesverband zur Förderung der Schwimmausbildung (BFS) nun reagiert hat.

Gemeinsam mit den Kultusministerien beschloss der nämlich jetzt, die Prüfungsordnung für die Schwimmabzeichen zu ändern. So soll nun besonders auf die Sicherheit des Schwimmens beim Nachwuchs geachtet werden und nicht mehr der Blick auf dem reinen Leistungscharakter liegen. 

Die Vereine im Kreis Soest begrüßen diese Änderungen, sehen darin allerdings auch nennenswerte Lücken. „Die Abzeichen wurden zuletzt immer nur abgeschwächt, da musste also etwas passieren“, meint Thomas Dreschler vom SC Hellweg Werl. „Allerdings halte ich es für schwierig, die neuen Regeln überall umzusetzen.“ Für Bronze, Silber und Gold ist jetzt wieder ein Dauerschwimmen erforderlich, was gerade für die Schulen schwer zu organisieren wird. Bisher war für diese Abzeichen lediglich eine bestimmte Distanz in einer vorgegebenen Zeit nötig. 

"Revolutionär ist das nicht"

„Revolutionär ist das aber nicht“, weiß Birgit van den Eynden, die die Schwimmausbildung für Kinder bei den Wasserfreunden Soest leitet. Sie sieht die neue Ordnung allgemein etwas kritischer. „Sie weicht eben nicht wirklich von der alten ab.“ Für van den Eynden ist das Programm des BFS einfach noch zu ungenau gehalten. „Für das Seepferdchen beispielsweise wurde nur festgelegt, dass ein Schwimmstil erkennbar sein muss“, erklärt sie. „Dabei sind zu viele Interpretationen möglich.“

 Für van den Eynden stehen daher vor allem die Prüfer in den Vereinen, Bädern oder Schulen in der Pflicht. „Der Anbieter muss darauf achten, dass ein Kind sicher ist, bevor es ein Abzeichen bekommt“, macht sie klar. „Ich vergebe ein Abzeichen nur, wenn ich das ruhigen Gewissens tun kann. Ich will nie irgendwo lesen, dass einem Kind aus meinem Schwimmkurs etwas im Wasser passiert ist.“ Ralf Grüner von der DLRG Soest betrachtet die neue Prüfungsordnung derweil als wichtiges Signal. „Wir stehen voll dahinter“, erzählt er. „Es geht darum, dass Eltern ihre Kinder auch mal ruhigen Gewissens alleine ins Schwimmbad schicken können.“ Das Seepferdchen würde dafür aber noch immer nicht ausreichen. 

Sicherer Schwimmer erst ab Bronze

„Als sicherer Schwimmer gilt man erst, wenn man Bronze hat.“ Zumindest offiziell, faktisch habe das unter den alten Regelungen jedoch anders ausgesehen, wie Thomas Dreschler berichtet. „Die Abzeichen haben bloß eine Sicherheit vermittelt, die jedoch gar nicht da war“, so Dreschler, der damit ähnliche Töne wie Birgit van den Eynden anschlägt. „Es ist wichtig, wo die Abzeichen gemacht wurden, und nicht, welche Regularien gelten.“ Doch damit sich das möglichst bald ändert, will die Soester DLRG nun Aufklärungsarbeit leisten. Am 31. März um 18 Uhr lädt sie daher alle Prüfungsberechtigten zu einem Workshop in der Patroklischule ein, um die neue Ordnung gründlich aufzuarbeiten. „Es soll schließlich jeder davon erfahren“, begründet das Ralf Grüner. „In manchen Bädern wird ja immer noch wie in den 70ern geprüft.“

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