Eishockey Regionalliga

Schock in Echtrop: Soester EG zieht Mannschaft zurück

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Kein Regionalliga Eishockey mehr in der Eissporthalle in Echtrop! Die Soester EG zieht für die kommenden Saison ihre Herrenmannschaft vom Spielbetrieb zurück. Die Jugendmannschaften gehen aber weiter aufs Eis.

Soest – In der kommenden Saison stellt die Soester EG keine Senioren-Eishockeymannschaft. Was sich in den vergangenen Monaten und Wochen ein wenig als „worst case“ abzeichnete, ist seit Dienstag Gewissheit.

Die „Bördeindianer“ haben ihre Mannschaft, die im vergangenen Winter noch die erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte gespielt hat, abgemeldet. Profitieren könnte davon die Jugend.

„Vorstand und Beirat haben die Entscheidung einstimmig getroffen. Wir haben alles getan, um eine spielfähige Mannschaft zusammenzubekommen“, berichtet Sven Sievert, der Vorsitzende der Soester Eishockey Gemeinschaft.

Aktuell verfügt der Verein über nur zehn Spieler, 18 sollten es mindestens sein, sind absolutes Minimum. Bis zum 15. Juli muss die Mannschaft gemeldet sein. Oder besser gesagt: abgemeldet, um Strafzahlungen aus dem Weg zu gehen. „Ziehen wir die Mannschaft danach oder während der Saison zurück, wird es richtig teuer.“ Rund 25 000 Euro an Strafen und Regressforderungen anderer Vereine dürften auflaufen. 

Dem kam der SEG-Vorstand nun zuvor. „Wir wollen den Verein nicht schädigen. Wir wollen nicht pokern und dann die Mannschaft doch während des laufenden Spielbetriebs abmelden müssen.“ 

Am Montag saßen Vorstand und Beirat zusammen, steckten drei Stunden lang die Köpfe zusammen. Alles was zwei Beine hat und Eishockey spielen kann, ist in die Rechnung mit eingeflossen. Doch ein regionalliga-taugliches Team war nicht in Sicht. Am Dienstagmorgen folgte die Abmeldung beim Verband. Auch ein Rückzug in die Bezirksliga war keine Alternative, auch dafür hätte es keine schlagkräftige Mannschaft gegeben. Einige der verbliebenen Regionalligaspieler hätten sich das schlichtweg nicht angetan. 

Doch wie konnte es dazu kommen? „Wir hatten nach der Saison einige Abgänge aus verschiedenen Gründen. Darüber haben wir uns eigentlich gar keine großen Gedanken gemacht.“ Sieben Spieler verließen den Verein, begründeten das mit privaten oder beruflichen Verpflichtungen – eigentlich ein ganz normaler Vorgang. 

Das eigentliche Problem: Die SEG hat bis heute keinen einzigen neuen Spieler verpflichten können. „Wir haben mit 23 Spielern Gespräche geführt, ihnen ähnliche Konditionen angeboten wie unseren Spielern in der vergangenen Saison“, berichtet Sievert. „Und wir haben 23 Absagen bekommen.“ 

Das Problem waren nicht die Kontingentspieler, von denen zwei lettische gekommen wären. Problem waren die durchschnittlichen Regionalliga-Spieler. „Es ging nicht um die besten Spieler, mit denen wir Meister werden wollten, sondern wir wollten nur eine spielfähige Mannschaft“, so Sievert. Beispielsweise zogen vier Spieler aus Kassel das Angebot der „Harzer Falken“ vor, von denen sie sich mehr versprechen. Allerdings sind die „Falken“ insolvent, sammeln derzeit Spenden. Um damit das Angebot der SEG zu überbieten? 

Ein Spiel, auf das sich Sievert nicht einlassen möchte. „Wir sind ein gesunder Verein, haben in den zehn Jahren, die ich jetzt Vorsitzender bin, nie rote Zahlen geschrieben“, betont Sievert. Das soll auch so bleiben. Gleichzeitig ist er fassungslos: „Und so ein Verein ist nicht in der Lage, Spieler zu einem ehrlich arbeitenden Verein zu lotsen.“ 

Und jetzt? Die Soester EG setzt auf die Zukunft und den eigenen Unterbau. Erstmals in der Vereinsgeschichte schickt der Verein vier Jugendmannschaften ins Rennen. Und die werden nun verstärkt gefördert. Sievert kündigt an: „Wir haben nun viel mehr Möglichkeiten für diese Mannschaft, mehr Eiszeiten für die Jugend.“ Und auch mehr Geld. Nahezu alle Sponsoren tragen die Entscheidung, auf eine Seniorenmannschaft zu verzichten, mit, bleiben dem Verein treu. 

Knapp 100 Kinder haben so die Möglichkeit, ihren Sport weiter zu betreiben – und auch der Betreiber der Eishalle muss sich keine Sorgen um seinen großen Mieter, die SEG machen. Das sind die kurzfristigen Ziele des Vereins. Mittel- bis langfristig soll natürlich auch wieder Senioren-Eishockey in Echtrop geboten werden. 

Der Vorstand will jedoch erst einmal Ruhe einkehren lassen. Dann soll der Plan umgesetzt werden, der sowieso schon vor Jahren initiiert wurde. Aus der guten Jugendarbeit soll der Stamm der Seniorenmannschaft erwachsen. Ob die aktuelle U17-Mannschaft 2020 oder erst später den Stamm der Seniorenmannschaft bilden wird, das bleibt abzuwarten.

Vorstand, Trainer, Jugendtrainer, Sponsoren haben sich auf das geeinigt, was Sievert noch einmal klar ausspricht: „Wir haben ein neues Projekt: Jugend der Soester EG.“

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