Schiedsrichter Jörg Küffen vom SV Hilbeck vollendet 80. Lebensjahr

Kinderschokolade für die Minikicker

Jörg Küffen vom SV Hilbeck vollendet heute sein 80. Lebensjahr.
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Jörg Küffen vom SV Hilbeck vollendet heute sein 80. Lebensjahr.

Hilbeck – Er hatte stets eine Tafel Kinderschokolade dabei. Nach dem Schlusspfiff belohnte er die Steppkes, nachdem sie unter seiner Regie das runde Leder gejagt hatten. Wenn sich zwischendurch der Schnürsenkel bei einem der kleinen Kicker löste, wurde kurzerhand unterbrochen. Der Schiedsrichter band sie wieder zusammen. Jörg Küffen erinnert sich schmunzelnd an seine unzähligen Einsätze bei Fußballturnieren der kleinsten Nachwuchskicker. „Hier und da musste ich auch mal eine Träne abwischen“, weiß der Hilbecker zu erzählen. Heute wird er 80 Jahre alt; Grund genug, einen Mann zu würdigen, der fünf Jahrzehnte Heerscharen von Fußballern nach seiner Pfeife tanzen ließ.

„Ich wurde nie angefeindet, ich hatte nie einen Kratzer am Auto“, ist er über die 50 Jahre stets mit allen Kickern gut ausgekommen. Auswüchse, über die heutzutage viel zu oft berichtet werden muss, hat er nie erlebt. „Ich wurde zu einem Kreisliga-Spiel beim VTS Iserlohn eingeteilt, wo zuvor einem Schiedsrichter-Kollegen nach dem Spiel drei Zähne fehlten. Das Spiel stand unter Verbandsaufsicht. Doch ich habe es gut über die Bühne gebracht, musste nur eine Zeitstrafe aussprechen nach zweimaligem Handspiel“, erinnert sich Küffen.

Auch eine Partie in Herringen ist ihm in Erinnerung geblieben: „Da standen sich Türken und Marokkaner gegenüber, eine Viertelstunde vor Schluss bekamen sich zwei Spieler richtig in die Wolle. Da habe ich die Betreuer rangeholt, haben den beiden Schlägern Rot gezeigt und die letzte Viertelstunde über die Bühne gebracht. Von zehn Schiedsrichtern hätten wohl neun das Spiel abgebrochen.“

Der Schiedsrichter-Job war ihm keineswegs in die Wiege gelegt. Als Sohn von Schneidermeister Heinrich Küffen, der es bei der Hammer SpVg bis in die erste Mannschaft gebracht hatte, jagte Jörg Küffen das Leder als Steppke beim längst verflossenen VfB Hamm, der seine Heimat an der Grünstraße nahe dem Tierpark hatte. Als Jugendlicher ging es zur HSV, wo er auch in der dritten Mannschaft kickte. „Als ich bei der ersten Mannschaft mittrainiert hatte, kam der Trainer auf mich zu und riet mir, doch Schiedsrichter zu machen“, wurde Küffen klar, dass das Talent fürs Kicken nicht so ausgeprägt war wie beim Vater.

Also nahm er einem Lehrgang teil und legte die Prüfung in Neubeckum ab. Sein erstes Spiel pfiff er für die Hammer SpVg in Bockum-Hövel, fortan war er in den Kreisklassen unterwegs. Nach Differenzen im Hammer Schiedsrichter-Kreis rief er seinen alten Schulkameraden Karl Niggemann an, mit er die Handelsschule besucht hatte. „Er sagte, ich solle doch zum SV Hilbeck kommen“, erläuterte Küffen die Umstände, wie er zum Strangbach gelangte. Niggemann hat seinen Einsatz für seinen einstigen Klassenkameraden nie bereut – im Gegenteil: „Jörg ist menschlich ein richtig guter Typ!“

Für die Schwarz-Gelben war er viel auch in Nachbarkreisen unterwegs. „Nach einem Spiel in Dröschede bin ich mit meinem Käfer im Werler Stadtwald liegen geblieben, da hatte ich versehentlich in Wickede Diesel getankt.“ Und auf dem Weg nach Büderich streikte der VW nahe der Autobahn. Eine defekte Zündspule war‘s. Selbstverständlich hat er sich erst zum Spiel fahren lassen und sich erst danach um das kaputte Auto gekümmert, das übrigens 21 Jahre lang seinen Dienst tat.

Nebenbei brachte sich Küffen auch ein, wenn es um die Organisation anderer sportlicher Veranstaltungen ging. Als Angestellter des Hammer Finanzamtes, wo er 37 Jahre tätig war, stellte er das Sportfest der Finanzämter in Nordkirchen auf die Beine und das Schiedsrichter-Team für das Fußballturnier zusammen, zu dem er selbstverständlich auch gehörte. Bis 2017 blieb Jörg Küffen dem Schiedsrichter-Wesen treu, in den letzten Jahren auch wieder bei der Hammer SpVg. Zu Pfingsten ging sein Abschiedsspiel über die Bühne, und zwar das Finale der Alten Herren zwischen dem TuS Lohauserholz und dem FC Bradford City.

Wenige Monate später ereilte ihn ein Schicksalsschlag, der heute seinen Alltag bestimmt. „Ich bin vom Sportplatz gekommen, auf der Treppe zur Haustür wurde mir schwindlig, ich bin gestürzt“, erläuterte den Abend im Oktober 2017, an dem er sich einen Halswirbel angebrochen hatte. Die Folge war eine Operation in einer Dortmunder Klinik. „Danach habe ich im Hammer Marien-Hospital wieder das Laufen lernen müssen, bin seither auf Hilfe angewiesen.“

Die wird ihm in Hilbeck zuteil. Ob Jutta Rosenkranz, Günther Tillmann, Herbert Nüsken oder Burkhard Hörenbaum – Jörg Küffen ist dankbar für die Unterstützung, die ihm in der Hilbecker Dorfgemeinschaft zuteilwird. 2004 war er nach dem Tod seiner Mutter aus dem Elternhaus am Schleppweg in Hamm nach Hilbeck gezogen. „Als der Umzug anstand, kam für mich nur eins in Frage: meine Fußball-Heimat Hilbeck.“

Beim SVH hatte er sich nicht nur als Schiedsrichter eingebracht, sondern auch als Geschäftsführer. „Kurt Müller und Herbert Welp hatten mich angesprochen, wussten sie doch, dass ich schon beim TuS Wiescherhöfen solche Aufgaben übernommen hatte.“ Da mussten die gegnerischen Mannschaften und Schiedsrichter per Postkarte eingeladen werden. Da galt es, Mannschaften zu den Turnieren einzuladen, Spielpläne zu stricken, bei den Turnieren die Regularien zu erledigen. Jörg Küffen tat all das mit Akribie, ehe das Internet-Zeitalter Computer-Kenntnisse erforderte. „Das war nicht mehr meine Welt“, legte er das Amt in jüngere Hände bei Linda Schröder.

Auf den Weg zum nahen Willi-Hafer-Stadion macht sich Jörg Küffen von seiner Wohnung am Gänseteich in Hilbeck gleichwohl noch, so oft es geht. Momentan natürlich nicht in der Corona-Zeit. Doch wenn das überstanden ist, will er auch in seinem 81. Lebensjahr zuschauen, wenn die Schwarz-Gelben in der Landesliga auf Punktejagd gehen.

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