Kanzlei Andrés Klein begründet Berufung im Rechtsstreit Struff gegen Strakerjahn

„Sie hat Herrn Struff ausgedrückt wie eine Zitrone“

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Warstein - „Sie hat Herrn Struff ausgedrückt wie eine Zitrone!“ Der Tonfall wird rauer im Rechtsstreit zwischen Jan-Lennard Struff und seiner früheren Trainerin Ute Strakerjahn, seitdem der Tennisprofi den Anwalt wechselte.

„Wenn wir mit unserer Rechtsauffassung durchdringen, dann hätte Frau Strakerjahn gar nichts zu bekommen. Dann stünde sogar ein nicht unerheblicher Rückzahlungsanspruch in Rede“, sagte im Gespräch mit dem Anzeiger Rechtsanwalt Andrés Klein aus Köln, der das Mandat von Philipp Pröbsting übernommen hat im Streitfall um 246 000 Euro plus Zinsen.

Gegen dieses vom Landgericht Arnsberg ausgesprochene Urteil nimmt Klein nun Anlauf vor dem Oberlandesgericht Hamm und sagt nach der jetzt abgelaufenen Berufungsbegründungsfrist: Strakerjahn habe eine „sehr drastische Notlage“ Struffs durch einen Knebelvertrag ausgenutzt und solle nun gänzlich leer ausgehen. Denn der Vertrag sei unter den Umständen seines Zustandekommens „nicht wirksam“.

Klein: „Das durfte man ihm in der damaligen Situation nicht abpressen. Die Folge wäre, dass die Vereinbarung nichtig ist und Frau Strakerjahn überhaupt keine Provision zusteht.“ 

2012, 1. Halbjahr, Struff pendelte in der ATP-Weltrangliste als Tennisspieler um Platz 230. Es war sein drittes Profijahr als Tennisspieler. „Er hatte damals, durch einige Verletzungen begründet, eine sehr schwierige sportliche Situation“, so der Rechtsanwalt. 

„Er wusste nicht, ob und wie es mit seiner Karriere weiter gehen sollte.“ Struff hätte davor gestanden, hunderte Weltranglistenplätze zu verlieren.

Es sei die Zeit gewesen, in der sich Struff vertraglich an Ute Strakerjahn gebunden habe, der Vertrauensperson, die er seit Jahren kannte. Strakerjahn habe ihn zuvor ohne Vertrag betreut, „einfach so“, sie habe für ihre Leistungen Rechnungen geschrieben und „sehr vernünftiges Geld“ dafür bekommen. 

Klein: „Anfang 2012 hat sich Frau Strakerjahn dann aber überlegt, dass sie diesen Vertrag haben möchte und ihm gesagt, sie würde nur weiter arbeiten, wenn er ihn unterschreibt.“ 

Struff habe „keine andere Chance“ gehabt als einzuwilligen, weil er „vor einem Abgrund stand“. Er hätte damit rechnen müssen, dass „seine ganze Karriere den Bach runtergeht“. 

Klein: „Sie hat ihm die Pistole auf die Brust gesetzt.“ Antrittsgelder, Sponsorengelder, Preisgelder: Strakerjahn habe sich einen überdurchschnittlichen Prozentsatz an Struffs Einnahmen gesichert, dies sogar mit einer sogenannten Nachlauffrist von sechs Jahren nach einem Vertragsende. 

Darüber hinaus habe sie Anspruch geltend gemacht auf Einnahmen aus Verträgen, die ausschließlich der Vater des Tennisspielers, Dieter Struff, vereinbart habe. 

Klein wirft die Frage auf, ob Strakerjahn dies alles, neben ihrem eigentlichen Trainergehalt, zustehe und beschreibt das Spieler-Trainer-Verhältnis im allgemeinen: „Üblich ist, dass ein Trainer den Spieler trainiert und dafür ein Honorar bekommt, außerdem eine bestimmte Beteiligung an dem, was der Spieler an Preisgeldern gewinnt. Das ist nachvollziehbar, denn der Trainer beeinflusst die Leistung des Spielers ja selbst mit. Wenn es gut läuft, soll der Trainer etwas von dem Erfolg abbekommen.“ 

Marktüblich seien zehn Prozent, in Ausnahmen 15. „Absolut unüblich“ sei es, so Klein, dass ein Trainer an Sponsorengeldern partizipiere. Denn diese Verträge seien das Arbeitsfeld von Managern oder Spielerberatern, die über Provisionen daran verdienen. 

Klein: „Ein ,normaler’ Tennisprofi hat zwei Ansprechpartner. Einen für den sportlichen Teil, einen für den wirtschaftlichen. Im Fall Struff ist das so geregelt worden, dass Frau Strakerjahn von beidem eine Scheibe abgekommt, eine sehr dicke. Sie sollte von den Preisgeldern 20 Prozent bekommen, was deutlich mehr ist als die übliche Beteiligung, außerdem 20 Prozent von sämtlichen Werbeeinahmen. Auf diese Weise ist ein Tennisspieler mehr oder weniger geknebelt.“ 

Jan-Lennard Struff habe keine Spielräume mehr gehabt, um sich einen Berater leisten zu können. Deshalb habe sein Vater die Laufbahn des Sohnes managen müssen, „familiär und somit kostenneutral“. 

Klein sieht seinen Mandanten in einer Opferrolle. Mit damals 21 Jahren habe er „herzlich wenig Ahnung von solchen Angelegenheiten“ gehabt. Auch seine Eltern, Martina und Dieter Struff, seien zwar mit Tennis vertraut gewesen, aber nur auf Vereinsebene im Freizeitsportbereich. Übers professionelle, internationale Tennisgeschäft hätte es keinerlei Erfahrungen gegeben. „Sie wussten letztlich keinen anderen Rat. Und so hat man sich entschieden, den Vertrag zu unterschreiben“, erklärte Klein. 

Ute Strakerjahn habe danach fortwährend ihre Anteile an Preis- und Sponsorengeldern erhalten. Doch dann kam es zur Jahreshälfte 2015 zum Bruch. Auslöser: sportliche Misserfolge. In mehreren Turnieren, Klein beziffert sie auf ein Dutzend am Stück, flog Struff in der ersten Runde raus. Der Sportler habe sich bei seiner Trainerin nicht mehr gut aufgehoben gefühlt, „er kam nicht weiter“. 

Am 23. Juli 2015 vollzog Struff die vorzeitige Trennung von Strakerjahn, mit der er einen Vertrag bis zum 22. Mai 2016 hatte. Struff habe sich durch „utopische Forderungen“ Strakerjahns „auf eine gewisse Art erpresst gefühlt“. 

Vor Gericht geht es nun darum, ob Strakerjahn ihre 20-prozentige Beteiligung an Sponsoreneinnahmen beanspruchen kann, außerdem darum, ob die Nachlaufklausel sowohl für Preisgelder als auch Werbeeinnahmen für weitere sechs Jahre gültig ist. 

Auffassung der Kanzlei Klein: „Wir sind der Meinung, dass das in dieser Kombination, also 20 Prozent Preisgelder, 20 Prozent Werbeeinnahmen zusätzlich zum normalen Trainerhonorar, was sehr auskömmlich war, unzulässig ist.“ 

Das habe man dem Tennisspieler in seiner „damaligen Notsituation nicht abpressen“ dürfen. Denn Spielerberaterin sei Strakerjahn nie gewesen. Klein: „Sie hat ausschließlich das getan, was sie kann, als ausgebildete Trainerin tätig zu sein. Sie hat zu keiner Zeit Verhandlungen mit Sponsoren geführt. Sie ist ja gar keine Managerin. Sie hat sich damals einfach einen Vertrag überlegt, aus dem sie das Maximum rausgeholt hat. So etwas kann man nicht machen, so etwas ist nicht wirksam.“ 

Mit einem Verhandlungstermin vor dem OLG Hamm rechnen sowohl Struffs Anwald Andrés Klein als auch Starkerjahns Anwalt Christian Niedzwicki für das Frühjahr 2018, möglicherweise Ende Januar, Anfang Februar.

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