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Rassismus-Vorwurf gegen Drensteinsturter Kicker „vom Tisch“

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Von: Frank Zöllner, Michael Rusche

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Nach dem Sieg von SG Oestinghausen gegen Drensteinfurt – hier Niklas Senk vor seinem Treffer – gab es noch eine Spruchkammersitzung.
Nach dem Sieg von SG Oestinghausen gegen Drensteinfurt – hier Niklas Senk vor seinem Treffer – gab es noch eine Spruchkammersitzung. © Rusche

Es ist ein Urteil, das einerseits für Erleichterung und Beruhigung beim SV Drensteinfurt sorgt, andererseits aber auch für Unverständnis.

Drensteinfurt/Oestinghausen – Der Akteur des Fußball-Bezirksligisten, der Mitte September im Auswärtsspiel gegen den TuS SG Oestinghausen (0:4) zwei Spieler der Gastgeber schwer beleidigt haben soll, ist vom Verbandssportgericht von der Anschuldigung freigesprochen worden. Dennoch muss er zwei Partien pausieren.

Wir sind bestürzt, weil der DFB sich auf die Fahnen geschrieben hat, gegen Rassismus energischer vorzugehen. Und nun kommt nur so eine lächerliche Strafe dabei heraus. Für uns ist die Strafe zu gering für das, was er getan hat. 

Moritz Pipers, spielender Sportlicher Leiter bei SG Oestinghausen.

„Der Rassismus-Vorwurf ist vom Tisch“, sagt SVD-Trainer Volker Rüsing. Er ist heilfroh, dass sich das Thema nach der schriftlichen Anhörung der betreffenden Spieler erledigt habe. Verwundert ist Rüsing allerdings, dass der beschuldigte Spieler trotzdem wegen „unsportlichen Verhaltens“ für zwei Spiele gesperrt wurde. Dass es keine rassistischen Äußerungen in Richtung Pierre Wamba und Dervis Ustaoglu gab, bestreitet Moritz Pipers, spielender Sportlicher Leiter bei SG Oestinghausen.

„Wir sind bestürzt, weil der DFB sich auf die Fahnen geschrieben hat, gegen Rassismus energischer vorzugehen. Und nun kommt nur so eine lächerliche Strafe dabei heraus. Für uns ist die Strafe zu gering für das, was er getan hat. Bei Soccerwatch ist auch zu sehen, wie Dervis zum Schiedsrichter geht und ihn darauf hinweist, dass er doch auf den betreffenden Spieler nach einigen Äußerungen zuvor nun achten soll.“

SGO fühlt sich durch Urteil als Lügner hingestellt

„Er ist verurteilt worden, weil es Wortwechsel auf dem Platz gegeben hat und wir ihn ausgewechselt haben“, sagt der SVD-Coach. Dabei habe das Trainerduo ihn vom Platz genommen, da der Spieler die Gelbe Karte gesehen hatte und ein Platzverweis verhindert werden sollte. „Wir haben ihn ja nicht ausgewechselt, um ihn vor sich selbst zu schützen. Das hatte einen taktischen Hintergrund“, erklärt Rüsing. Der Coach ist ganz klar der Meinung: „Es steht Aussage gegen Aussage. Dass er auch noch persönlich belangt wird und die Verfahrenskosten zu tragen hat, dafür fehlt mir jegliches Verständnis.“

Im Spielbericht hatte der Schiedsrichter keine rassistischen Beleidigungen vermerkt. „Wir wissen, dass wir einen Fehler gemacht haben, den Schiedsrichter nicht explizit darauf anzusprechen und das erst später dem Staffelleiter gemeldet zu haben. Aber wir sind im Recht, die Aussagen gab es, auch wenn wir jetzt so ein bisschen wie Lügner dastehen. Und das ist definitiv nicht der Fall“, sagt Pipers weiter.

Denn die Angelegenheit, die nach der Partie natürlich hochkochte, wurde von Oestinghauser Seite zunächst an den Staffelleiter Herbert Nüsken (Hamm) und dann an das Sportgericht des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) weitergeleitet. Nun steht das Urteil fest.

Falsche Formulierung des Sportgerichts

Das muss laut dem 1. Vorsitzenden des SVD, Thomas Klein, allerdings noch geändert werden. Denn „in der Begründung steht immer noch der Rassismus-Vorwurf. Wir haben am Mittwoch Einspruch eingelegt, damit das im Urteilsspruch geändert wird“, sagt Klein. Das zuständige Mitglied des Verbandssportgerichts sei zurzeit unglücklicherweise im Urlaub. „Deswegen konnten wir das auf telefonischem Weg nicht klären“, sagt Klein. Die Angelegenheit läuft über das DFBnet-Postfach. „Das Urteil ist merkwürdig“, findet auch Pipers.

Der SVD, der die Verfahrenskosten für den Spieler übernimmt – die Höhe ist Klein zufolge noch unklar –, hatte auch Einspruch gegen die Sperre eingelegt, doch die wurde vom Verbandssportgericht, dem höchsten Sportrechtsorgan des FLVW, abgewiesen.

Die Hälfte der Sperre hat der Akteur allerdings schon abgesessen. In der Partie beim Schlusslicht Westfalen Liesborn (5:4-Sieg) musste er am Freitagabend aussetzen. Damit fehlt er nur noch im Heimspiel gegen den SuS Cappel am Sonntag.

Für SGO war es der richtige Schritt. „Das Wichtigste ist, dass alle anderen Mannschaften nun sensibilisiert sind. Die Aussagen, die der Spieler getätigt hat, gehören nicht auf den Platz und es werden jetzt wohl alle genauer hinschauen“, hofft Pipers, dass es doch noch zu etwas führt, dass sein Verein ein Verfahren angestrengt hat.

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