Nur noch elf Spieler: Es steht nicht gut um die Sportfreunde Soest-Müllingsen

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Die Sportfreunde Soest-Müllingsen – hier bei einem Heimspiel an der Alten Schule – stehen vor einer höchst ungewissen Zukunft.

Soest – Es steht nicht gut um die Sportfreunde Soest-Müllingsen. Aktuell stehen für die kommende Saison 14 Spieler im Aufgebot von Trainer Klaus Pfeifer – darunter immerhin zwei Torhüter. Das war Stand Sonntag.

 Am Dienstagvormittag sprach der Sportfreunde-Vorsitzende Hans Helmut Basner nur noch von elf Spielern. Die Konsequenz: In einer Vorstandssitzung am Montagabend wurde beschlossen, dass der bisherige B-Ligist in der kommenden Spielzeit freiwillig eine Etage tiefer in der Kreisliga C (Soest) antreten will. 

„Da gibt es Spieler, die geben dir die Zusage. Und einen Tag später ist die Abmeldung im Briefkasten“, ist Basner sauer. Die Modalitäten mit dem freiwilligen Abstieg in die Kreisliga C müsse noch mit dem Kreisvorstand geklärt werden. „Aber in Zeiten der Corona-Pandemie sind die Kreisligen derzeit sowieso ein wenig durchgemischt“, hofft Basner auf ein Entgegenkommen. 

Die Reserve des Fusionsvereins aus dem Soester Süden (zur Saison 2013/14 gingen GW Müllingsen und die TSG Soest-Süd zusammen) wurde bereits in der Winterpause der vergangenen Saison mangels Spieler vom Spielbetrieb der Kreisliga C abgemeldet und stand damit als Absteiger in die Kreisliga D fest. Neun Spieler hatten da den Verein verlassen. 

Zudem verließen mit Alex Neumann und Dennis Iljutcenko zwei weitere Spieler der ersten Mannschaft die Sportfreunde in Richtung Germania Hovestadt und begründeten dies mit den mangelnden Perspektiven. „Wir können im Moment nicht sagen, wie es weiter geht“, erklärte Pfeifer, der in der Winterpause das Traineramt von Patric Bals übernommen hatte. „Wir sind auf der Suche nach möglichen Zugängen“, führt Pfeifer aus. 

"Das ist ein besserer Campingplatz als ein Rasenplatz"

Er sagt aber auch: „Es gibt nicht viele Argumente, um Spieler zu uns zu holen.“ Und so muss der 34-Jährige seinen Mini-Kader mit elf Spielern mit Altherren-Akteuren auffüllen, damit die kommende Saison über die Bühne gebracht werden kann. Denn es werde kein Geld bezahlt und der Rasenplatz sei ebenfalls in einem schlechten Zustand. „Das ist ein besserer Campingplatz als ein Rasenplatz“, sagt Pfeifer.

"Wir haben das ganze Dorf Müllingsen verloren"

 Alle Seniorenmannschaften spielen in Müllingsen An der Alten Schule. Dazu kam, dass „wir das ganze Dorf Müllingsen verloren haben. Das hat sich komplett von uns abgekapselt“, sagt der Sportfreunde-Vorsitzende Hans Helmut Basner: „Es kommt keiner mehr zu Heimspielen. Und wenn wir gegen Völlinghausen oder Oberense spielen und da spielen Leute aus Müllingsen mit, besitzt das Dorf die Frechheit, dem Gegner zuzujubeln“, zeigt Basner sein Unverständnis. 

Der Sportfreunde-Nachwuchs nutzt den relativ neu gemachter Rasenplatz in Soest „An der alten Windmühle“ (Lippstädter Straße). Auf diesem früheren Ascheplatz dürfen zudem die Senioren nicht spielen. Die Hoffnung, einen Kunstrasen oder zumindest einen Multifunktionsplatz zu bekommen, hatte sich zum Leidwesen der Sportfreunde zerschlagen.

"Wir haben keine richtige Heimat"

 Stattdessen trainieren sie im Winter auf dem Kunstrasenplatz im Jahnstadion. „So haben wir keine richtige Heimat. Die Jugend spielt woanders als die Senioren. Da kommt kein Zusammenhalt auf. Und wenn man im Winter auch noch an einem komplett anderen Ort trainieren muss, ist das auch nicht für das Vereinsleben förderlich“, sagt der Sportfreunde-Vorsitzende. 

Zudem stellt der Verein seit mehreren Jahren keine A-Jugend mehr und hat damit auch keine Möglichkeit, Talente aus der eigenen Jugend in die Senioren zu überführen. Die Spieler, die dann nach der C- oder B-Jugend kein Möglichkeit mehr haben, bei den Sportfreunden zu spielen, wechselten dann oft zum großen Nachbarn SV Westfalia. 

Patric Bals, der seit 2017 bis zum Ende des vergangenen Jahres die Sportfreunde gecoacht hatte und bei den Sportfreunden auch Jugendleiter war, bis er zur kommenden Saison zum A-Kreisligisten TuS Schwefe wechselte, berichtet, dass er die Jugendabteilung von 56 Spielern auf über 200 ausgebaut hatte – damit kam der Verein mit seinem einen Rasenplatz seine Kapazitätsgrenzen. 

„Wir mussten zeitweise am Wochenende mit der Jugend trainieren“, erinnert er sich. „Der Vorstand macht und tut, kämpft aber gegen Windmühlen“, betont Bals mit Blick auf die strukturellen Probleme der Sportfreunde – die aber nicht aufgeben.

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