Mitnahme der Platzverweise in die nächste Saison

SGO-Verteidiger Lukas Metzig hält Rot-Sperre für „doppelte Fehlentscheidung“

Lukas Metzig (hinten, Mitte) muss in der kommenden Saison eine Sperre aus dieser annullierten Saison absitzen.
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Lukas Metzig (hinten, Mitte) muss in der kommenden Saison eine Sperre aus dieser annullierten Saison absitzen.

Lukas Metzig ist frustriert und auch ein wenig sauer. Der Verteidiger des TuS SG Oestinghausen bleibt nach seiner Roten Karte im Derby der Fußball-Bezirksliga 7 gegen den SC Sönnern gesperrt, obwohl die Saison annulliert wurde und damit sämtliche Ergebnisse für ungültig erklärt wurden.

Oestinghausen – Doch die persönlichen Strafen werden, sofern sie noch nicht abgesessen sind, mit in die neue Spielzeit genommen. Der 34-Jährige spricht von einer „doppelten Fehlentscheidung“.

Die erste habe Schiedsrichter Christian Lange am 18. Oktober 2020 im Heimspiel gegen Sönnern (3:2) getroffen. Der wertete einen Kontakt von Metzig mit Gästespieler Julian Lohmann beim Stand von 2:2 als Tätlichkeit und zog in der 71. Minute glatt Rot. Metzig, der mit dem Fußballspielen relativ spät angefangen hat, schon in der Jugend für Oestinghausen auflief, aber auch für Soest, bewertet die Situation rückblickend anders.

„Aus meiner Sicht ist es ganz klar. Wir haben den Ball erobert, der Spieler war hinter mir. Ich hatte das Gefühl, er will an mir zerren, und wollte mich losreißen. Er ist dabei mit seinem Kopf gegen meine Schulter gekommen. Er hat sich dann ins Gesicht gefasst und ist hingefallen“, schildert der Rechtsfuß die Szene, die zum Platzverweis führte. „Das sah total blöd aus, aber es war nie eine beabsichtigte Tätlichkeit.“

Platzverweis „völlig unnötig“

Was ihn noch heute zusätzlich ärgert: Zum einen sei es sein erstes Foul in dem Spiel gewesen. Zum anderen habe der Schiedsrichter die Situation gar nicht richtig gesehen. „Das steht auch so in seinem Bericht: Verdacht auf eine Tätlichkeit“, berichtet Lukas Metzig und bezeichnet die Rote Karte als „völlig unnötig. Kann man nicht einfach eine Gelbe Karte geben statt auf Verdacht Rot?“

Gesperrt wurde Metzig für vier Spiele. Eins davon hat er hinter sich. In der letzten Partie von SGO vor der Unterbrechung Ende Oktober beim SuS Cappel (4:0) musste er zuschauen. Den Rest der Strafe muss er wohl oder übel zu Beginn der Saison 2021/22 absitzen. Metzig, der mal links, mal rechts in der Viererkette spielt, hält nichts davon, dass die Sperre weiter gilt.

Die komplette Saison wird annulliert. Alles: Punkte, Tore, Kreispokal. Aber die Sperren für Rote und Gelb-Rote Karten bleiben, die für die fünfte Gelbe Karte aber nicht. Das ist für mich erstens nicht gerecht. Der andere Punkt ist: Die Situation an sich wird komplett falsch bewertet. So wie ich die Rote Karte bekommen habe, bewerte ich auch diese Regel als Fehlentscheidung.

Lukas Metzig

„Die komplette Saison wird annulliert. Alles: Punkte, Tore, Kreispokal. Aber die Sperren für Rote und Gelb-Rote Karten bleiben, die für die fünfte Gelbe Karte aber nicht. Das ist für mich erstens nicht gerecht. Der andere Punkt ist: Die Situation an sich wird komplett falsch bewertet. Das ist nicht im Sinne der Spieler und wahrscheinlich auch nicht im Sinne der Vereine. Damit wird man niemandem gerecht“, sagt Metzig, der als Senior zunächst für die SF Ostinghausen und SW Hultrop im Einsatz war, und betont: „So wie ich die Rote Karte bekommen habe, bewerte ich auch diese Regel als Fehlentscheidung.“

Erste Rote Karte in seiner Laufbahn

Für den 34-Jährigen, der als Atmungstherapeut im Marienkrankenhaus Soest arbeitet, war es die erste Rote Karte in seiner Laufbahn. „Ich bin auch überhaupt nicht dafür bekannt, bekomme selten Karten.“ Vom Platz geflogen war er allerdings vorher schon mal – im Testspiel der Oestinghauser gegen RW Horn im März 2020. Beim Stand von 6:0 sah Metzig die Gelb-Rote Karte – aber nicht wegen eines Fouls, sondern wegen der falschen Wortwahl und weil er die Entscheidung des Schiedsrichters, Gelb zu zeigen, mit einem Lächeln quittierte.

Vorbereitung mitmachen - und dann erstmal als Stammspieler zuschauen

Was Metzig besonders frustriert: Er wird die Vorbereitung auf die neue Saison mitmachen und weiß dabei genau, dass er in den ersten drei Bezirksliga-Spielen nicht spielen darf – und das vermutlich zehn Monate nach seinem Platzverweis. Von daher fühlt er sich doppelt und dreifach bestraft. „Eigentlich bin ich gesetzt, hinten rechts oder hinten links“, sagt der Verteidiger, der zwar nicht beidfüßig ist, aber mit beiden Füßen spielen könne.

Metzig versucht nun, sich mit der Sperre abzufinden. „Ich habe dazu eine klare Meinung, aber am Ende akzeptiere ich die Entscheidung“, sagt er. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig. Sein Spiel werde er allerdings nicht ändern – auch wenn er weiß: „Das Problem ist ein bisschen, dass ich relativ dominant auf dem Platz bin.“

Sperre hin oder her: „Am Ende wird es Oestinghausen nicht aufhalten“, ist sich der Routinier, der seit fünf Jahren wieder für SGO aufläuft, sicher. Metzig und sein Team werden in der neuen Saison wieder angreifen. Sein Ziel: „Wir wollen auf jeden Fall wieder oben mitspielen.“

SGO-Trainer Dierk Meincke

Unverständnis auch bei Trainer Dierk Meincke

Dass die Sperre weiterhin gilt, obwohl die Saison annulliert ist, ist für SGO-Trainer Dierk Meincke „überhaupt nicht nachvollziehbar“. Er würde es „ein bisschen unterscheiden“. Wenn jemand einen Schiedsrichter schlägt oder eine andere sichtbare Tätlichkeit begeht, gehöre der natürlich bestraft. Aber mit einer Strafe, die auf Verdacht ausgesprochen wurde, müsse anders umgegangen werden.

„Unsere guten acht Spiele zählen nicht, das gegen Sönnern hat es eigentlich nicht gegeben, aber die Sperre bleibt aufrechterhalten. So ein Schwachsinn. Ich weiß manchmal nicht, ob die Leute, die so etwas bestimmen, nicht zu weit von der Praxis weg sind“, sagt Meincke. Ihm tut es für Metzig leid. „Lukas ist ein super ehrgeiziger Spieler“ und müsse sich noch länger gedulden. „Das ist demotivierend.“   

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