Lückenkemper im entscheidenden Moment topfit für Sprung in Weltspitze

Deutschlands Sprinterin Gina Lückenkemper freut sich über ihren Sieg über 100 Meter im Vorlauf mit persönlicher Bestzeit von 10,95 Sekunden, während sie von einer Kamera gefilmt wird. Foto: dpa

London - Natürlich hat Gina Lückenkemper (LG Olympia Dortmund) alles richtig gemacht. Sie stand im Halbfinale der Weltmeisterschaft, sie ist eine neue persönliche Bestzeit gelaufen und vor allem gehört sie endlich zu den wenigen Sprinterinnen, die die 100 Meter unter elf Sekunden gerannt sind. Besser geht es fast nicht.

Dass die Soesterin mit ihrer Bestzeit aus dem Vorlauf im Halbfinale locker das Ticket für den Endlauf gelöst hätte, mag etwas ärgerlich sein. Dass sie mit ihrer Bestzeit aus dem Vorlauf im Finale sogar die Bronzemedaille gewonnen hätte, ist reine Spekulation. Entscheidend ist, dass sie zum Saisonhöhepunkt topfit war. Wer das schafft, der hat alles oder zumindest sehr viel richtig gemacht.

Doch was ist es eigentlich genau, das die 20-Jährige so richtig gemacht hat? Schließlich machen Qualität und Umfang des Trainings in der Weltspitze nur noch bedingt einen Unterschied. Bei Gina Lückenkemper war es in dieser Saison vor allem die Tatsache, dass sie es geschafft hat, dann einen Gang runterzuschalten, wenn es nötig war. Mehrere Wettkämpfe hat sie nach dem Vorlauf abgebrochen, weil sich der Körper nicht so anfühlte, wie er sollte.

Bei der Deutschen Meisterschaft in Erfurt hat sie sogar komplett auf den Start über die 200 Meter – und damit auch auf eine mögliche Medaille – verzichtet, weil der Fokus ganz klar auf der Weltmeisterschaft in London lag. Und während sich die Konkurrenz auf den Saisonhöhepunkt vorbereitete, legte Lückenkemper auch mal eine Trainingspause ein, verbrachte die letzten Tage vor der WM ganz ohne Training in Berlin, um den Kopf ein wenig frei zu bekommen. All das ist Zeichen einer mentalen Stärke, die sie in dieser Saison weiter ausgebaut hat.

Nach ihrem historischen 10,95-Sekunden-Rennen im WM-Vorlauf am Samstag sprach sie oft davon, dass der Kopf voll da gewesen sei. Manch einer mag sich gefragt haben, was sie damit meinte. Schließlich wirkten ihre Auftritte stets locker und leichtfüßig. Doch zumindest mental war das in dieser Saison nicht immer so. So viel wie in den vergangenen Wochen war Lückenkemper für die Leichtathletik noch nicht unterwegs: Im Frühjahr das Trainingslager in den USA, dann die Staffel-WM auf den Bahamas, später Wettkämpfe in Norwegen, Belgien und der Schweiz. Das ist nicht nur körperlich anstrengend, sondern verlangt auch mental jede Menge ab. „Mein Gehirn stand kurz vor der Kernschmelze“, sagte Lückenkemper vor vier Wochen bei der Deutschen Meisterschaft in Erfurt. Doch sie hat es geschafft, mit dieser mentalen Belastung umzugehen, weil sie an den richtigen Stellen eine Pause eingelegt hat.

Nach dem bisher schnellsten 100-Meter-Rennen ihrer Karriere hat sie sich gestern (Montag) erst einmal etwas Ruhe gegönnt. Doch schon heute (Dienstag) steht die nächste Trainingseinheit mit der Staffel auf dem Programm.

„Wir werden gelassen bleiben und uns langsam auf den Samstag fokussieren“, sagt Lückenkempers Trainer Uli Kunst. Denn am Samstag steht die 4x100-Meter-Staffel an und da würde das deutsche Quartett um die schnelle Soesterin gerne um eine Medaille mitlaufen.

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