Laura Voß steckt sich "einzelne, kleine Ziele" beim größten Wettkampf der Saison

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Mehrkämferin Laura Voß (links) holte bei der Staffel-DM mit Christine Salterberg, Julia Bakker und Lena Naumann (alle LT DSHS Köln) die Bronze-Medaille.

Ratingen – Das Meeting in Ratingen ist eines der wichtigsten Wochenenden im Jahr für die deutschen Mehrkämpfer. In diesem Jahr besonders, denn bislang gibt es noch keinen Ausrichter für eine Mehrkampf-DM. Geht es sonst in Ratingen um Bestmarken, Quali-Weiten und Normen in einem starken Teilnehmerfeld, fühlt sich der Wettkampf in diesem Jahr im Vorfeld ein bisschen so, wie eine inoffizielle Deutsche Meisterschaft an. Mittendrin ist auch Laura Voß aus Soest.

Voß startet die inzwischen für das Leistungsteam der Deutschen Sporthochschule in Köln und gewann jüngst mit der Kölner 4x400-Meter-Staffel Bronze bei der Staffel-DM in Wetzlar. Sie hat gute Erinnerungen an Ratingen, stellte sie doch genau bei diesem Meeting im vergangenen Jahr eine neue Bestmarke auf. 

Im Interview mit Anzeiger-Redakteur Thomas Müller spricht sie über große und kleine Ziele und darüber, dass sie in diesem Jahr bereits DM-Bronze in einer Disziplin gewonnen hat, die ihr beim Mehrkampf nicht hilft, und wie es ist, britische Mehrkampfmeisterin zu sein. 

Herzlichen Glückwunsch zur Bronze-Medaille mit der Staffel über 4x400 Meter. Die zweite Staffel der Sporthochschule hat sogar Gold geholt. Hatten Sie das vorher für möglich gehalten? 

Tatsächlich war es ein klares Ziel von uns zu sehen, ob es uns gelingt, zwei Staffeln aufs Podium zu bringen. Wir waren noch nie so stark in zwei Staffeln. Unser Trainer hat uns dann vorher so durchgemischt, dass wir in etwa gleich stark aufgestellt waren. Der Plan ist aufgegangen. Ich war zwar in der etwas schwächeren Staffel, aber wir haben immerhin Platz drei erreicht. Und das Gesamtergebnis zählt.

Sie sind ja sonst meistens als Mehrkämpferin unterwegs. Was macht die Staffel aus? 

Das Laufen mit der Staffel ist ein ganz schönes Erlebnis für mich, da ich als Mehrkämpferin schon recht viel allein trainiere. Bei der Staffel ist das Teamgefühl eine ganz gute Sache.

Vor zwei Jahren haben Sie sogar schon Gold bei der U23-DM mit der 4x400 Meter-Staffel gewonnen. Dabei sind Sie als Mehrkämpferin unterwegs. Sind die Laufdisziplinen dann auch Ihre Stärken? 

Die 400 Meter kommen im Mehrkampf bedauerlicherweise nicht vor. Aber die 200 Meter und 800 Meter sind mit im Programm des Siebenkampfs und meine stärkeren Disziplinen. 

Das Mehrkampf-Meeting Ratingen wird jährlich im Städtischen Stadion Ratingen durchgeführt. Das Meeting ist Teil der IAAF World Combined Events Challenge und gilt als zweitstärkstes Mehrkampf-Meeting.

Der Fokus der Siebenkämpfer richtet sich ganz auf das kommende Wochenende in Ratingen, da es wahrscheinlich in diesem Jahr keine DM geben wird, und es geht für die Mehrkämpfer um Normen für DM und Weltmeisterschaft. Wie gehen Sie an den Wettkampf heran? 

Ein wenig Hoffnung gibt es noch, dass sich vielleicht doch noch ein Ausrichter findet und die DM am zweiten August-Wochenende stattfindet. Aber es ist schon richtig: In Ratingen ist jetzt der Quali-Wettkampf für die Weltmeisterschaft in Doha. Wer die Norm schafft, der startet in der Regel nicht mehr bei der DM. Für mich ist die WM-Norm nicht so entscheidend, denn die liegt vom DLV bei 6300 Punkten. 

Ratingen ist für Sie aber ein gutes Pflaster. Im Vorjahr haben Sie mit 5404 Punkten ihre damalige Bestmarke aufgestellt, und dieses Niveau in etwa so gehalten. Anfang Juni haben Sie sich beispielsweise den britischen Meistertitel geholt mit 5420 Punkten. Wie kam es denn eigentlich dazu?

Die Meisterschaft dort wird seit einiger Zeit offen ausgeschrieben. Ich war auch nicht die erste Ausländerin, die dort gewonnen hat. Im vergangenen Jahr hat eine Amerikanerin den Titel gewonnen. 

In Deutschland ist das ja unmöglich. Hier kann keine Britin deutsche Meisterin werden. Wie sehen Sie die Angelegenheit? 

Dadurch, dass der Wettkampf offen ausgeschrieben wird, lockt das Sportler an. Dadurch steigt sicherlich auch das Niveau im Wettkampf. Bis zum abschließenden 800-Meter-Lauf war auch noch alles möglich, die Endwertung war sehr eng. Ich glaube, die offene Meisterschaft hat den Wettkampf attraktiver gemacht. Und ich glaube auch, dass mir von den Briten keiner böse war, dass ich den Titel gewonnen habe. 

Der Thorpe Cup ist ein Länderkampf von Zehnkämpfern und Siebenkämpferinnen aus Deutschland und den Vereinigten Staaten. Er fand erstmals 1993 statt und wurde in den Jahren 2009, 2010 und 2012 im hessischen Marburg ausgetragen. Der Wettkampf ist nach Jim Thorpe, Olympiasieger von 1912, benannt. Eine Nominierung kann im freien Ermessen für die drei bestplatzierten  Siebenkämpferinnen des Mehrkampf-Meetings in Ratingen, die nicht für die Weltmeisterschaften 2019 in Doha im Siebenkampf nominiert werden, erfolgen. Zusätzlich können im freien Ermessen zwei „Wildcards“  vergeben werden.

Wenn es nicht die WM-Quali ist, welche Ziele stecken Sie sich denn sonst für dieses Wochenende? 

In Ratingen möchte ich gerne meine einzelnen Disziplinen verbessern. Der erste Tag in England war gut. Die Leistungen über 200 Meter, wo mir eine persönliche Bestzeit gelang, sowie im Hürdenlauf und beim Kugelstoßen würde ich gerne bestätigen. Am zweiten Wettkampftag hoffe ich auf einen Sechs-Meter-Sprung und auch beim Speerwurf kann ich noch mehr schaffen. In England bin ich die 800 Meter in 2:21 Minuten gelaufen. 2:13 Minuten bin ich im vergangenen Jahr in Ratingen gelaufen, das war persönliche Bestleistung. 

Also scheint Ratingen ja ein gutes Pflaster für Sie zu sein...

Ich hoffe auf einen Startplatz beim Ländervergleichskampf Thorpe-Cup. Die Konkurrenz ist aber groß, das weiß ich. Dort hat die zweite Reihe gute Chancen, nominiert zu werden. Bislang bin ich an sechs gemeldet, es sieht also ganz gut aus. Im Siebenkampf kann viel passieren, aber die Konkurrenz in Ratingen ist groß. Von der WM-Quali darf man natürlich träumen, aber ich habe für mich einzelne, kleine Ziele.

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