236 Länderspiele in 36 Ländern

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Peter Überjahn. ▪

WAMEL ▪ Wenn sich ein Mensch im Kreis Soest mit dem Fußball auf dem Schwarzen Kontinent auskennt, dann ist es Peter Überjahn. Seit acht Monaten wohnt der Fußballlehrer (Jahrgang 1948) in Wamel am Möhnesee, lebte vorher über ein Vierteljahrhundert – von wenigen Urlaubswochen abgesehen – in Afrika. Mehr als das Viertelfinale traut er den Kickern seiner „zweiten Heimat“ aber nicht zu.

„Die spielen einen herrlichen Offensivfußball, doch wenn sie führen, kriegen die Trainer kalte Füße und lassen defensiv spielen“, fürchtet Überjahn, dass es wohl nichts werden wird aus einer Halbfinalteilnahme einer afrikanischen Mannschaft. Der Elfenbeinküste traut er noch am meisten zu. Die Weltmeisterschaft aber machten Brasilien, Argentinien, Spanien und die Niederlande unter sich aus.

Der gebürtige Velberter weiß wovon er spricht. Als Fußballlehrer bei der Bundeswehr – er hatte Nationalspieler wie Frank Mill, Uli Stein und Klaus Augenthaler in seiner Sportförderkompanie in Essen-Kupferdreh – kam er 1980 in Kontakt zum afrikanischen Fußball, als er das Nationalteam des Niger vier Wochen lang auf die WM-Quali gegen Algerien vorbereitete.

Damals zog seine Mannschaft zwar den Kürzeren. Auch erfuhr Überjahn, dass nach der abendlichen Mannschaftssitzung die Mannschaft mitten in der Nacht einen Zauberer aufsuchte, der den Spielern eine magische Salbung verpasste. Geholfen hatte es nichts, der Niger verlor mit 0:4.

Doch Überjahn hatte sich in den vier Wochen mit dem Team aus dem westafrikanischen Land fesseln lassen vom Fußball der Schwarzen, hatte Kontakte geknüpft und sich prompt entschlossen, seine Laufbahn bei der Bundeswehr zu beenden, um im Auftrag des DFB Entwicklungshilfe zu leisten.

Kollegen wie Rudi Gutendorf, Eckhard Krautzun und Otto Pfister wurden zu Weggefährten in zweieinhalb Jahrzehnten als Trainer in Afrika. Im Niger startete er das Abenteuer als technischer Direktor. „Wir mussten erst einmal Strukturen schaffen, da gab es ja nichts“, leisteten Überjahn und seine Kollegen Basisarbeit. Nach fünf Jahren ging es nach Burkina Faso, von dort nach Namibia, wo er zehn Jahre als Nationaltrainier tätig war.

Bis 2006 absolvierte Überjahn 236 Länderspiele in 36 afrikanischen Ländern, ehe er in den Vorruhestand ging. In der Nähe der Sportschule Hennef wurden er und seine Frau Gaby heimisch, da er hier weiter dem afrikanischen Fußball verbunden blieb. Denn Überjahn widmet sich kurzen Maßnahmen, die ihn auch nach Madagaskar und Togo führten.

Im Moment aber richtet sich das Ehepaar am Möhnesee ein, nachdem sie durch die Schwiegereltern ihres Sohnes auf den Geschmack gekommen sind und ihre Zelte am Rhein abgebrochen haben. Gleichwohl denkt Peter Überjahn aber über ein neues Engagement in Tansania nach. Der Schwarze Kontinent lässt ihn einfach nicht los. ▪ dw

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