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Kunstrasen am Ardey: Welcher Untergrund soll es werden?

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Von: Frank Zöllner

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Der alte Kunstrasenplatz am Ardey ist mit Sand verfüllt – das macht den Hockeyspielern des SHC keine Freude. Auch der neue Belag soll eine Befüllung mit Quarzsand erhalten.
Der alte Kunstrasenplatz am Ardey ist mit Sand verfüllt – das macht den Hockeyspielerinnen des SHC keine Freude. Auch der neue Belag soll eine Befüllung mit Quarzsand erhalten. © Hoffmann

Der 2004 gebaute Kunstrasenplatz am Ardey ist in die Jahre gekommen und muss dringend erneuert werden. Darüber sind sich Sportler, Verwaltungsvertreter und auch Kommunalpolitiker einig. Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Denn der Soester Hockey-Club (SHC) als einer der Hauptnutzer präferiert als neuen Untergrund einen bewässerten Kunstrasen, die Fußballer und die Verwaltung hingegen einen mit Sand verfüllten Untergrund.

Soest – Die Unterschiede zwischen den beiden Modellen sind ziemlich groß. Der bewässerte Platz kostet etwa 500 000 Euro, weil ein komplettes Bewässerungssystem mit Drainagen, Zisternen und weiteren Elementen verlegt werden müsste für einen Wasserkreislauf. Zudem sind die Kunsthalme wie eine Art Teppich, in dem die Halme ineinander greifen. Bei diesem Platz springt der Hockeyball und das Spiel wird schnell.

Der sandbefüllte Kunstrasen hingegen ist mit 250 000 Euro nur halb so teuer. Genau dieses Modell bevorzugen die Verwaltung und auch die Fußballer.

Damit gar nicht einverstanden sind vom SHC der 2. Vorsitzende Lorenz Fernkorn und Geschäftsführerin Laura Conzendorf. Beide befürchten, falls der Sportausschuss und der Rat der Verwaltungsempfehlung folgt, massive Nachteile für den Hockey-Standort Soest.

Wir können keine Ausbildung auf Augenhöhe anbieten. Das raubt uns die Perspektive.

Laura Conzendorf Geschäftsführerin Soester HC

„Auf einem sandbefüllten Platz kann der Ball nicht hochspringen. Auf dem bewässerten Platz ist das Spiel filigraner und technisch anspruchsvoller“, sagt Fernkorn. Auf einem Sandkunstrasen würde dagegen schlicht die „dritte Dimension“ fehlen, weil der Ball nicht tickt. „Dort kann man den Ball nicht lupfen, daher sind Passtechniken, Ballabgabe und der Torschuss limitiert“, sagt Conzendorf.

Kosten von 500 000 zu 250 000 Euro

Sie und Fernkorn sehen einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Hockey-Vereinen wie etwa in Oelde und Hamm, die mittlerweile allesamt über einen bewässerten Kunstrasen verfügen würden.

„Wir sind der letzte Verein in Westfalen, der keinen wasserbefüllten Kunstrasenplatz zur Verfügung hat. Wir sind dadurch technisch benachteiligt und können keine entsprechende Ausbildung anbieten. Die Schere geht immer weiter auseinander“, sagt Conzendorf.

Laura Conzendorf
Laura Conzendorf © Freie Mitarbeiter

Angesichts von einer Nutzungsdauer von etwa 15 Jahren sei die Entscheidung existenziell. „Eine so lange Durststrecke werden wir nicht überleben“, befürchtet Fernkorn. Denn auch die deutlichen Niederlagen durch den Wettbewerbsnachteil würde zu Frustration bei Spielern und Trainern führen. „Wir können keine Ausbildung auf Augenhöhe anbieten. Das raubt uns die Perspektive“, sagt Conzendorf. Statt der eigenen Expansionspläne würde ein sandbefüllter Platz dazu führen, dass der Hockeysport in Soest marginalisiert werde.

Dabei habe sich die Stadt Soest doch als Sportstadt positioniert. „Der Fußball im Jahnstadion wird zum Leistungszentrum ausgebaut, die Leichtathleten des LAZ haben eine tolle Anlage“, zählt Fernkorn auf.

Fußballer wollen die Sand-Variante

Die höheren Kosten seien aus SHC-Sicht dadurch tragbar, dass die Finanzierung auch über einen längeren Zeitraum gestreckt werden könne und in den ersten Jahren alternative Bewässerungsmodelle wie Sprenkleranlagen genutzt werden könnten. Außerdem könnte der SHC sich vorstellen, bei der Finanzierung einen Eigenanteil zu leisten.

Auch allen Fraktionsvorsitzenden der im Rat vertretenen Parteien seien die Argumente noch einmal vorgetragen worden.

Den bewässerten Platz des Hammer TC, den dieser zusammen mit den Fußballern von BV 09 Hamm nutzt, hatten sich Ende Juni die Mitglieder des Sportausschusses und Vertreter der Fußball- und Hockeyvereine genauso als Referenzmodell angesehen wie eben einen sandverfüllten in Solingen.

„Der einzige Nachteil für die Fußballer ist, dass der Ball schneller rollt“, sagt Fernkorn. Das sieht Carsten Hesse, 2. Vorsitzender des Mädchen- und Frauenfußballclub (MFFC) im SV Westfalia und Co-Trainer des Frauenteams, etwas anders: „Ich habe für die Hockeyleute Verständnis. Aber mit dem schnellen Kunstrasenplatz können wir wenig anfangen. Da sind wir eher auf Sand oder Kork beheimatet.“ Weiteres Argument: Die Soester Fußballer, dazu zählen auch die Sportfreunde Müllingsen, nutzen den Platz etwa zu 75 Prozent, der SHC nur zu 25.

Verwaltung wird den Sandplatz vorschlagen

Thomas Nübel, Abteilungsleiter Bildung und Sport, sieht neben dem Kostenaspekt auch den der Umweltverträglichkeit. „Wir hatten einen langen Diskussionsprozess. Der Platz hat eine komplett andere Struktur. Da werden Matten gespannt, die von außen am Platz angebracht werden. Wir haben keine Wiederauffanganlage, es gibt am Ardey kein zur Verfügung stehendes Grundwasser, und das System funktioniert auch nicht als geschlossener Wasserkreislauf. Da geht es auch um ökologische Anforderungen. Das ist alles schon eine Nummer“, sagt Nübel.

Deswegen wird die Verwaltung dem Sportausschuss den sandverfüllten Platz für einen Neubau vorschlagen. Denn eine weitere Rolle spiele, dass die Fußballer eben die Hauptnutzer seien – und die wollen einen mit Sand gefüllten Kunstrasen. „Aber letztlich ist es eine politische Entscheidung, die aus all den Argumenten erwachsen muss“, sagt Nübel abschließend.

Anfang August soll die Verwaltungsvorlage erstellt werde, wann die Abstimmung erfolgt und ob der Neubau wie geplant in diesem Winter ausgeführt werden kann, das vermag Nübel noch nicht zu sagen.

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