Sport

Vereine in der Corona-Krise: So geht der SC Lippetal mit Mitgliedsbeiträgen, laufenden Kosten und Sponsorengeldern um

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Die Sportstätten im Lippetal sind von der Gemeinde gesperrt worden, wie die Fußball-Anlage des 1. SC Lippetal.

Lippetal - Gähnende Langeweile herrscht auf den Sportplätzen und in den Hallen, die der 1. Sportclub Lippetal (SCL) sonst ausgiebig nutzt. „Bei uns steht wie bei allen anderen Vereinen das sportliche Leben gerade still“, sagt Ulrich Strunk. 

Er spüre, dass die Leute die Zeit ohne Training, Spiele und Kurse mit viel Verständnis hinnehmen, und könne bestätigen, „dass sich alle an die Vorgaben halten“. Im Gespräch mit dem Anzeiger äußert sich der Vorsitzende aus dem Ortsteil Herzfeld zur Sportstättennutzung, den Mitgliedsbeiträgen, Übungsleiterhonoraren, Verbandsabgaben und Sponsorengeldern sowie zum großen Vereinsjubiläum, das zum Glück erst 2021 ansteht.

Sportstättennutzung

Die Breitensportler nutzen in erster Linie die Ballspielhalle Herzfeld und die Turnhalle am Schulzentrum. „Wir finden in Lippetal hervorragende Verhältnisse vor. Die Unterstützung von der Politik und der Verwaltung ist sehr groß“, sagt Strunk. Es gibt keine Hallenmieten, die der Verein stemmen muss. „Außer wenn Wettkämpfe wie das Warsteiner Masters mit einem gewissen Kommerz stattfinden. Dann ist es selbstverständlich.“ Für den Trainingsbetrieb, also die normale Nutzung, fallen genauso wie für die Sportplätze keine Mieten an. „Da hält man uns schon den Rücken frei, das ist sehr wichtig“, so Strunk.

Mitgliedsbeiträge

„Was die wirtschaftliche Situation angeht, sind wir als Verein insgesamt sehr gut aufgestellt. Anders als andere Vereine kassieren wir zweimal im Jahr, also immer nur Halbjahresbeiträge“, berichtet der Vorsitzende. Der erste für 2020 wurde kürzlich eingezogen. Strunk kennt noch keine Fälle, dass Beiträge nicht gezahlt werden konnten oder wegen des fehlenden Sportangebots nicht gezahlt wurden. „Ich glaube aber schon, dass wir immer Lösungen finden werden.“ Der Verein werde diesbezüglich „mit großem Verständnis“ handeln. „Wir müssen in diesen schwierigen Zeiten für alle da sein und das werden wir auch.“ Strunk spricht von „sehr humanen“ Mitgliedsbeiträgen: „Wir liegen mit unseren innerhalb des Kreises Soest am absolut unteren Ende. Bei uns ist alles noch sehr erschwinglich.“ Daher erwartet Strunk keine großen Einbußen.

Übungsleiterhonorare

Durch das große Sportangebot hat der SCL dem Vorsitzenden zufolge „sehr viele Übungsleiter, die natürlich Übungsleiterpauschalen kassieren. Das ist sicherlich ein großer Teil unseres gesamten Jahresetats.“ Doch das nehme man gerne in Kauf. „Wir legen Wert darauf, dass wir qualifizierte Leute haben. Man braucht ausgebildete Übungsleiter, und da fallen eben entsprechende Kosten an. Das bewegt sich aber alles im Rahmen dieser Übungsleitergelder, die heute steuerfrei bezahlt werden können.“ Strunk, und das betont er, könne allerdings nicht für alle Abteilungen sprechen. „Der SC Lippetal hat eine andere Struktur als viele andere Vereine. Wir haben alle Abteilungen im Grunde verselbstständigt, auch wirtschaftlich. Alle kassieren und verwalten ihre Beiträge selbst – das Ganze natürlich unter dem Dach des Hauptvereins. Für März sei der SCL seinen Verpflichtungen, was die Senioren- und die Jugendfußballabteilung betrifft, komplett nachgekommen, sagt Strunk.

„Intern sind schon Gespräche gelaufen, dass wir das Thema angehen müssen.“ Zum Teil hätten sich Übungsleiter von sich aus bei den Verantwortlichen gemeldet und gesagt, dass sie in der sportlichen Zwangspause auf das Geld verzichten würden, berichtet der Vereinschef. Übungsleiter, die hauptberuflich für den Verein in der Breitensportabteilung tätig sind, gibt es beim SCL nicht. „Wir sind breit aufgestellt und nicht von einzelnen Leuten abhängig“, sagt Strunk. In der Tennisabteilung könne die Situation mit selbstständigen Tennistrainern eine andere sein.

Verbandsabgaben

Wegen der Corona-Pandemie hat der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) entschieden, die Vereine finanziell zu entlasten. „Ich habe erste Mitteilungen vom FLVW bekommen, dass gewisse Gelder für Spielklassen zurückgezahlt werden oder, wenn sie noch nicht eingezogen wurden, nicht eingefordert werden. Das kann ich nur sehr begrüßen“, sagt Ulrich Strunk. Unter anderem werden die pauschalisierten Spielabgaben für die Rückrunde nicht erhoben, eine weitere Entlastung bedeutet der Wegfall der pauschalen Belastung der Schiedsrichterkosten.

Sponsorengelder

Einnahmen aus Sponsoring – das ist ein Thema, das in Zeiten einer schwächelnden Wirtschaft viel Sensibilität erfordert. „Wir haben vom geschäftsführenden Vorstand für Werbepartner, die turnusmäßig Rechnungen erhalten, ein Schreiben beigefügt, in dem steht, dass wir aufgrund der veränderten wirtschaftlichen Lage Verständnis haben, wenn es im Moment Schwierigkeiten bei den Zahlungen gäbe“, erläutert der Vorsitzende des Sportclubs, der beispielsweise sechsmal im Jahr eine Vereinszeitschrift herausbringt. In diesem Zusammenhang betont Strunk: „Wir müssen unseren Beitrag gegenüber den Firmen leisten, die uns schon jahre- oder jahrzehntelang unterstützen.“

Jubiläum

Froh ist Strunk, dass der SC Lippetal sein 100-jähriges Bestehen erst 2021 feiert – vom 2. bis zum 6. Juni. „Gott sei dank bleibt uns noch ein bisschen Zeit. Wir sind schon seit einem Jahr in fieberhaften Vorbereitungen und haben für das Programm schon Künstler gebucht.“ Weil das Organisationsteam mit den Planungen schon sehr weit war, „trifft uns das jetzt nicht ganz so“, sagt der Vorsitzende. „Nichtsdestotrotz hoffen wir natürlich, dass wir irgendwann zur Normalität zurückkehren können.“ Und die gähnende Langeweile auf den Sportplätzen und in den Hallen wieder verschwindet.

Der Verein 

Der 1. Sportclub Lippetal hat rund 1300 Mitglieder, wobei die Breitensportabteilung mit fast 700 Mitgliedern und einem entsprechenden Angebot die größte Abteilung ist. Ulrich Strunk ist seit 19 Jahren der 1. Vorsitzende. Der 62-Jährige ist sein Leben lang im Verein tätig. „Ich habe vom Jugend- bis zum Seniorentrainer und vom stellvertretenden Jugendleiter bis zum Geschäftsführer eigentlich alles gemacht“, sagt Strunk.

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