Pause bis Ostern

Verband stellt den Spielbetrieb ein: Fußballer reagieren mit Humor und Verständnis

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Das Spiel beim SuS Cappel war für SG  Oestinghausen (0:0) in der Bezirksliga 7 wohl die letzte Partie für die nächsten Wochen. Der FLVW hat den Spielbetrieb bis zum 19. April aufgrund der Coronavirus-Pandemie eingestellt. 

Kreis Soest - Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) stellt den Spielbetrieb im Jugend- und Seniorenbereich aufgrund der Coronavirus-Pandemie bis zum 19. April ein. Das teilte der FLVW am Freitagvormittag in einer Pressemitteilung mit. 

Viele Vereine aus dem Fußballkreis Soest ziehen Konsequenzen aus der Entscheidung und wollen ihren Trainingsbetrieb ebenfalls ruhen lassen oder reduzieren.

„Das Präsidium des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen hat entschieden, den Spielbetrieb bis einschließlich zum 19. April 2020 einzustellen. Dies betrifft die in der Zuständigkeit des FLVW liegenden Begegnungen der Männer-, Frauen- und Jugend-Spielklassen inklusive aller Futsal-Ligen (Kreisligen bis Oberliga Westfalen) sowie Aktivitäten der Jugend-Talentsicht und -förderung“, heißt es in der Mitteilung des Verbandes.

Kreis Soest schließt sich Verbands-Vorgaben an

Christian Dahlmann, Geschäftsführer des FLVW-Kreises Soest, erklärte, dass sich der Kreis Soest den Vorgaben des Verbandes anschließt und den Spielbetrieb bis einschließlich 19. April ruhen lässt. Erich Kreyenbrink, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses, hat den Jugendspielbetrieb ebenfalls entsprechend abgesetzt. 

„Natürlich halten wir uns daran, was der Verband vorgibt, auch wenn die Entscheidung vielleicht ein bisschen lange gedauert hat“, so der Werler. Neuansetzungen werden weder von Dahlmann noch von Kreyenbrink kurzfristig vorgenommen. Auch da wartet der Kreis Soest ab, was vom FLVW vorgegeben wird. Eine Verlängerung der Saison über den 30. Juni ist dabei nicht auszuschließen. Kreyenbrink befürchtet derweil, dass die ganze Saison beendet werden könnte. „Das mit dem Virus entwickelt sich so dynamisch, dass wir noch nicht wissen, was uns morgen erwartet.“

Die Zwangspause trifft auch die heimischen Amateurspieler hart. Der SV Westfalia Soest reagierte schnell auf die Verbands-Mitteilung. „Ich habe  den Trainingsbetrieb für meinen Jugendbereich komplett eingestellt“, erklärte SVW-Jugendleiter Christian Gommlich. Er sagte alle Einheiten von den G- bis zu den B-Junioren ab. Die Gesundheit aller Aktiven stehe weit vor dem sportlichen Erfolg des Vereins. 

Wolfgang Brotte, zuständig für Senioren und A-Jugendliche beim SVW, teilte mit, dass der Vorstand am Samstag mit einer schriftlichen Information zur Vorgehensweise an die Trainer wenden will. 

Beim Landesligisten SV Hilbeck hat Trainer Heiko Hofmann das abendliche Training nach der Mitteilung des Verbands zunächst ausgesetzt. Am Dienstag soll geschaut werden, wie sich die aktuelle Lage entwickelt hat. „Aber es wäre kontraproduktiv, weiter zu trainieren“, meint Hofmann. „Doch komplett kann man den Betrieb auch nicht einstellen. Dann muss es eben über individuelle Einheiten laufen.“ Dennoch glaubt er an eine Fortsetzung der Saison. „Davon gehe ich schon aus“, sagt er, „auch wenn es dann deutlich intensiver mit vielen Nachholspielen wird.“ Trotz des möglichen Stresses für die Spieler sei die Absage des Verbands für den Hilbeck-Trainer der richtige Schritt. „Mittlerweile muss man das echt ernst nehmen. Ich bin mal gespannt, wie sich das noch entwickelt“, erzählt er.

Fortsetzung hängt von vielen Faktoren ab

„Wir haben am 31. Mai die Mannschaftsfahrt geplant“, sagt André Kintscher, Trainer des Kreisligisten SV Welver. Würde man die Saison verlängern, müsse entweder die Reise oder das Spiel ausfallen. „Ich bezweifele, dass die Saison regulär zu Ende gespielt werden kann. Ich warte nur darauf, dass alles eingedampft wird“, sagt Kintscher. Mit seiner Mannschaft will er sich einmal die Woche zum Trainieren treffen. „Wer Bedenken hat oder eine Gefahr sieht, soll zuhause bleiben“, stellt André Kintscher klar. Man könne die Leute nicht vier oder fünf Wochen zuhause einsperren. „Meine Frau kennt das gar nicht, dass ich vier oder fünf Sonntage am Stück da bin. Danach haben sich andere scheiden lassen“, sagt Kintscher und lacht.

Auch beim Liga-Konkurrenten BW Büderich versucht Fußball-Abteilungsleiter Jens Grossart der Lage mit Humor zu begegnen: „Wir hatten für die nächsten Heimspiele eine große Lieferung Flaschenbier bestellt, damit nicht gezapft werden muss. Auf der bleiben wir jetzt natürlich sitzen – aber bestimmt nicht allzu lange.“ Am Nachmittag entschied der Gesamtvorstand der DJK, den Trainingsbetrieb aller Altersklassen bis zum Ende der Osterferien einzustellen.

"Fußball ist mein Leben!"

„Ich bin echt hart getroffen. Fußball ist mein Leben!“ Dierk Meincke, Trainer des Bezirksligisten SG Oestinghausen, ist extrem enttäuscht, dass das runde Leder vorläufig ruht. „Ich habe auch Verständnis für die Entscheidung. Die Fußballer sind zwar topfit, zählen nicht zur Risikogruppe. Doch schließlich haben die meisten auch Großmütter und Großväter in der Familie.“ Meincke bedauert die Entwicklung auch, weil seine Mannschaft – wie andere auch – eine extrem lange Wintervorbereitung hatte. „Wir haben siebeneinhalb Wochen trainiert, ehe es endlich losging. Dann hatten wir zwei Spiele. Jetzt müssen wir mindestens fünf Wochen warten, bis es wieder weitergehen kann“, sieht Meincke die Notwendigkeit, den Trainingsbetrieb nicht vollständig ruhen zu lassen.

„Ich stelle es den Jungs natürlich frei, ob sie daran teilnehmen. Wir werden das Programm reduzieren, dabei bestimmte Inhalte aufnehmen, die bislang zu kurz gekommen sind. Auf jeden Fall wollen wir das Niveau halten, dürfen ja nicht bei Null sein, wenn es wieder losgeht“, betont der SGO-Coach.

Schließlich sei seine Truppe ohnehin überaus motiviert, nicht nur in der Meisterschaft, wo es gilt, den Platz im gesicherten Mittelfeld zu sichern. „Wir wären mega-traurig, wenn es im Pokal nicht weitergehen würde. Die meisten Jungs haben den Pokal noch nie gewonnen, sind jetzt im Halbfinale“, weiß Meincke um den Ehrgeiz seiner Schützlinge.

Noch einmal an der Linie stehen

Beim BV Bad Sassendorf, einem Top-Team der Kreisliga A, ist Trainer Tobias Boschert nicht aus der Ruhe zu bringen. „Wir werden uns im Verein kurzschließen und dann entscheiden. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir zunächst das Training zwei oder drei Wochen aussetzen und dann weiterschauen. Alles andere wäre kontraproduktiv“, sagt Boschert, der auch die Hoffnung hat, dass die Saison nach der Pause fortgesetzt werden kann. Tobias Boschert hatte bereits angekündigt, dass er nach der Spielzeit den BVS nicht mehr trainieren wird. „Es wäre schade, wenn ich meinen Job beim BVS so beenden müsste. Von mir aus können wir bis Ende Juni spielen. Ich muss keinen Spieler für einen EM-Kader abstellen.“

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