Soester sind skeptisch

Reformvorschlag aus Bayern: Droht dem B-Jugendfußball das Aus?

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Die B-Junioren der JSG Oestinghausen/Lippetal/Hovestadt/Lippborg (grüne Trikots) spielen derzeit in der Bezirksliga. Überkreisliche Teams sind bei dem Reformvorschlag aus Bayern nur bedingt betroffen.

Während die Kameras der Medienwelt in Bayern eher auf den Deutschen Rekordmeister FC Bayern München gerichtet sind, keimte in den Hinterzimmern des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) eine Idee, die den Jugendbereich von Grund auf verändern würde. Die Bayern wollen die B-Jugend abschaffen.

Kreis Soest - Im Kreis Soest stößt der Reformvorschlag auf wenig Zuspruch – aber die handelnden Personen machen sich auch hier Gedanken über die Zukunft. Eine Mitteilung des Verbandes an die Vereine in Niederbayern – dort soll die Reform zunächst durchgesetzt werden – brachte den Stein ins Rollen. Gemeinsam soll der Jugendbereich reformiert werden. Das betrifft vor allem A- und B-Jugend. Aber was plant der BFV genau? Die B-Jugendmannschaften sollen gestrichen werden. Künftig sollen die Jahrgänge U16, U17 und U18 die A-Jugendmannschaften bilden. Der derzeit älteste Jugend-Jahrgang in der A-Jugend soll unmittelbar bei den Senioren mitspielen. Allerdings sollen die Änderungen nur den Spielbetrieb auf Kreisebene betreffen. In höherklassigen Ligen bleiben die Altersklassen unangetastet. Auch die Strukturierung der anderen Altersklassen soll unverändert bleiben.

„Das ist Bayern-Like“, sagt Erich Kreyenbrink, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses des FLVW-Kreises Soest. „Das würde die Probleme im Jugendbereich nur verschieben. Wie soll das funktionieren? Wir diskutieren mittlerweile darüber, ob 16-Jährige in der Bundesliga spielen sollen. Das geht in die falsche Richtung.“

Verband diskutiert immer über Reformen

Erich Kreyenbrink kann dem Vorschlag aus Bayern wenig abgewinnen. Die neue Regelung würde ausschließlich Vorteile für Seniorenmannschaften bringen, wenn ein weiterer Jahrgang zur Verfügung stehen würde. Die Jugendfußballer stärke das nicht. „Auf Verbandsebene ist das Thema nicht neu. Zuletzt wurde darüber diskutiert, ob der A-Jugend-Jahrgang auch für zweite Seniorenmannschaften freigegeben werden soll. Der Antrag aus einem Verein wurde mit großer Mehrheit abgelehnt“, erklärt Kreyenbrink. Über Reformen werde im Verband immer diskutiert.

Der Verband aus Bayern erklärt das Vorhaben in einer Stellungnahme wie folgt: „Der Spielbetrieb im älteren Nachwuchsbereich soll stabilisiert werden. Die Mannschaftsrückgänge im Laufe einer Saison sollen minimiert werden. Wir streben eine einheitliche Lösung für ganz Niederbayern an. Sollte eine Reform beschlossen werden, so visieren wir die Umsetzung zu Saisonbeginn 2021/2022 an.“

Auf die ländliche Struktur des Bundeslandes führt auch Tobias Boschert, Trainer des A-Kreisligisten BV Bad Sassendorf und Koordinator Talentförderung beim DFB-Stützpunkt Soest, den Reform-Vorschlag zurück. „Natürlich müssen wir uns öffnen und neue Gedanken zulassen. Eine Kooperation der Fußballkreise Soest und Lippstadt halte ich für förderlicher.“ Ohnehin sieht Tobias Boschert zunächst andere Prioritäten. „Bei den G- und F-Junioren werden die Spielformen Zwei-gegen-Zwei, Drei-gegen-Drei und Vier-gegenVier eingeführt.“

Keine A-Jugendmannschaften im Frauenfußball

Die körperlichen Unterschiede, wenn künftig drei Jahrgänge die A-Junioren bilden, seien dazu sehr groß, da sind sich Boschert und Kreyenbrink ebenfalls einig. Bei den Juniorinnen wechseln die B-Jugendlichen gleich in die Damenmannschaften – eine Liga für A-Juniorinnen gibt es erst gar nicht. „Das ist körperlich für die Mädchen in vielen Fällen nicht so leicht“, sagt die Abteilungsleiterin des MFFC Soest, Petra Brotte. „Das läuft, weil alle Mannschaften die gleichen Probleme haben“, fügt Brotte hinzu. Für eigene A-Jugendteams gebe es nämlich nicht genug Spielerinnen oder die Fahrten wären viel zu weit. „Wir bereiten unsere Mädchen behutsam vor, trainieren mit den B-Juniorinnen einmal in der Woche gemeinsam mit der Damenmannschaft“. Petra Brotte sagt auch, dass die Entwicklung von Mädchen und Jungen in dem Alter sehr konträr sei. Einfach eine Jugend wegstreichen, wäre ein falscher Schritt.

Wie kommt der Vorschlag bei den Vereinen an? Preußen TV Werl stellt derzeit eine B-Jugendmannschaft, aber keine A-Junioren. „In den oberen Jugendbereichen wird es immer weniger“, sagt Werls Jugendleiter Kevin Ptacek. „Wir haben bei den B-Junioren keinen großen Kader, quälen uns durch die Saison. In der heutigen Zeit müssen wir überlegen, wie man etwas verändern kann. Eine Kreishallenrunde, wie zuletzt mit sechs Mannschaften, macht keinen Spaß.“ Den Vorschlag aus Bayern legt er in der Ablage „interessant“ ab.

In Niederbayern sind jetzt die stimmberechtigten Vereine – mit mindestens einer Jugendmannschaft – am Zug. Bis zum 20. Mai stimmen sie über die Umsetzung ab. Bewährt sich das Modell in der Praxis, könnte es bald auch den B-Jugendmannschaften aus dem Kreis Soest an den Kragen gehen. Noch sind die Verantwortlichen aus der Bördestadt aber eher skeptisch.

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