Corona-Auswirkungen im Kreis Soest

Fitnessstudios machen dicht: Probleme an vielen Stellen

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Letzter Öffnungstag: Marvin Haasler (links) trainierte am Montag noch im EAST Fitness & Sportsclub in Werl. Von heute an ist das Studio geschlossen. Mit auf dem Bild: Studioleiter Marcel Ass (rechts) und Trainer Dominik Holz.

Kreis Soest - Regelmäßige Bewegung stärkt das Immunsystem. Doch mittlerweile bleibt einem nur noch der Sport in den eigenen vier Wänden oder Joggen an der frischen Luft. Denn seit heute ist neben dem Training der Sportvereine auch der Betrieb von Fitnessstudios untersagt.

Diese weitere Maßnahme zur Eindämmung der Corona-Pandemie hat die Landesregierung beschlossen. Der Anzeiger hat sich gestern, am vorerst letzten Öffnungstag, in den lokalen Fitnessstudios umgehört.

Marcel Ass ist vom Erlass des Gesundheitsministeriums nicht überrascht. „Wir hatten uns das schon gedacht. In anderen Bundesländern war die Entscheidung ja schon eher getroffen worden“, sagt der Leiter des EAST Fitness & Sportsclubs in Werl. Das Studio an der Hammerstraße habe vorgesorgt. „Wir haben vor einiger Zeit eine Versicherung abgeschlossen“, sagt Ass. Ob und wie die in diesem Fall greift, wusste er am Morgen aber noch nicht.

Mitarbeiter bekommen Gehalt

In der vergangenen Woche hatte es im EAST Fitness & Sportsclub trotz der Ausbreitung des Virus noch keine Einschränkungen gegeben. Die Öffnungszeiten waren wie immer, die Kursangebote nicht reduziert. „Die Besucherzahlen waren unverändert“, sagt Ass. Täglich hätten über 250 Personen trainiert. Auch am Sonntag sei die Resonanz noch gut gewesen. Nur ein älteres Mitglied habe sich gemeldet und gesagt, fürs Erste eine Pause einzulegen, berichtet Ass.

Dass das Studio zunächst bis zum 19. April geschlossen bleiben muss, sei zwar ärgerlich („Wir verlieren einen Monat an Voranmeldungen“), aber „wir sind finanziell gut ausgestattet, sodass wir uns keine Gedanken machen müssen“, sagt Ass. „Alles ist Eigentum, wir haben keine Verbindlichkeiten. Das ist jetzt unser Vorteil.“ Die neun Mitarbeiter müssten sich keine Sorgen machen. „Sie bekommen weiter ihr Geld“, versichert Ass.

Etwas Gutes hat die Schließung. „Wir nutzen die Zeit für Renovierungsarbeiten“, sagt der Studioleiter. „Außerdem bekommen wir neue Geräte.“ Aktuell gibt es im 1500 Quadratmeter großen EAST Fitness & Sportsclub 120 verschiedene Stationen, an denen sich die Mitglieder im Alter von 15 bis 85 Jahren fit halten können.

"Jetzt muss ich zu Alternativen greifen."

Einer von ihnen ist Marvin Haasler. Der 26-Jährige ist seit acht Jahren Mitglied und hat am Sonntagabend im Internet gelesen, dass sein Fitnessstudio schließen muss. „Es ist traurig, aber man kann es nicht ändern“, sagt Haasler. Bislang war er drei- oder viermal pro Woche trainieren. „Jetzt muss ich zu Alternativen greifen“, sagt Haasler. Er wird joggen oder zu Hause Übungen absolvieren.

Die Studios in Soest dagegen haben gestern gemerkt, dass sich die Leute nun andere Alternativen suchen. Egal, ob bei all inclusive Fitness, V8-fitness oder dem INJOY – überall blieb am Montag ein Großteil der Trainingsflächen leer. Das einzig Auffällige waren die zusätzlichen Hinweistafeln, die die Trainierenden nochmals explizit an die Hygienevorschriften erinnerten. Wie es dort jedoch für die Mitarbeiter weitergehen soll, wusste gestern noch niemand. Die Geschäftsführungen grübelten da noch über eine Lösung, die den Interessen aller gerecht werden kann.

Physiotherapie und Arztpraxis bleiben geöffnet

Das Augmentare am Schloitweg öffnet seine Tore dagegen auch in den nächsten Wochen regelmäßig. Das Gesundheitszentrum in Soest schließt zwar den Studiobereich sowie die Sauna und bietet erst mal keine Gruppenkurse mehr an, die angeschlossen Physiotherapie und Arztpraxis bleiben aber geöffnet. „Über die Praxis werden wir außerdem weiterhin ein Training für unsere Patienten ermöglichen“, erzählt Dr. Thomas Andersch. Dafür müsse jedoch erst ein Test auf Coronaviren vor Ort gemacht werden lassen. „Leute, die vor Kurzem in Risikogebieten waren, lassen wir aber nicht rein“, so Andersch.

Alle anderen Patienten können montags, mittwochs und freitags jeweils von acht bis zwölf Uhr und dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr weiter trainieren, solange es für sie medizinisch notwendig ist. „Schließlich wollen wir die Behandlung unserer Patienten auch weiterhin ermöglichen“, begründet der Mediziner.

Denjenigen, die nicht mehr ins Fitnessstudio können, empfiehlt Arzt Andersch derweil, aktiv zu bleiben. „Man sollte weiter spazieren gehen oder Ähnliches machen“, sagt er. „Wer fit und gesund ist, ist auch weniger anfällig. Wer aber fünf Wochen lang nur zu Hause hockt, ist natürlich nicht mehr so fit.“ Vor allem für ältere Menschen könne das zum Problem werden.

Beitragserstattung: Ja oder Nein?

Wie verhält es sich mit den Mitgliedsbeiträgen? Müssen sie auch in der Zeit, in der das Fitnessstudio geschlossen ist, gezahlt werden? Für Volker Cramer, Rechtsanwalt aus Soest, ist die Sache eindeutig. „Es gilt das allgemeine Vertragsrecht“, sagt er. Es werde für eine Leistung gezahlt, der Betreiber könne die Leistung aber nicht erbringen. „Nach meinem Dafürhalten muss der Betrag erstattet werden“, sagt Cramer.

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