1200 Spiele

Klaus Fischer und der Spielverein - seit 40 Jahren unzertrennlich

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Klaus Fischer filmt das Heimspiel des Spielvereins Westfalia Soest gegen den TuS Lohauserholz. Es ist das 1200. Spiel, das er seit dem März 1979 von Soester SV und SV Westfalia Soest in Serie verfolgt hat. Seit der Saison 87/88 filmt er die Spiele auch noch.

Soest – Der 24. Februar war ein besonderer Tag für den Soester Fußball. Die A-Junioren des SV Westfalia übernahmen die Tabellenführung in der Landesliga, lockten so alle interessierten Zuschauer zum Spiel nach Marl-Hüls. Alle? Nicht ganz.

Ein Zuschauer war mit der Seniorenmannschaft zum Bezirksligaspiel nach Freckenhorst gereist, sah sich die 1:2-Niederlage an: Klaus Fischer. 

„Das gab es noch nie, dass ich ganz alleine mit der Mannschaft irgendwo war“, berichtet Fischer, konnte die übrigen Fans aber auch verstehen, dass sie sich das A-Junioren-Spitzenspiel nicht entgehen lassen wollten. Für Fischer stellte sich die Frage aber gar nicht erst. Er ist immer da, wenn bei der Seniorenmannschaft des Soester Spielvereins der Ball rollt. Seit 40 Jahren. „Es gab auch schon Spiele, da wäre ich lieber zu einem anderen Spiel gefahren oder hätte etwas anderes gemacht, aber ich habe mich immer für den Soester Fußballverein entschieden“, lautet seine simple Erklärung. 

Im März 1979 startete der sportverrückte Fischer seine Serie. Erster Gegner war Borussia Dortmund II, bei dem Eike Immel im Tor stand, der es später in die Nationalmannschaft und ins Dschungel-Camp von RTL schaffte. Bei Soest hatte der ehemalige Nationalspieler Hartwig Bleidick als Trainer das Sagen, der SSV verlor dennoch 0:3.

In der Woche davor spielte der Soester SV sein letztes Spiel ohne Klaus Fischer: „Ein 1:1 in Wiescherhöfen. Ich habe das Ergebnis aber direkt nach Spielschluss telefonisch abgerufen“, war er damals so schnell informiert, wie es damals eben möglich war. Die Welt hat sich seitdem weitergedreht. Deutscher Meister war ein gewisser Hamburger Sportverein und die Village People stürmten weltweit die Charts mit „YMCA“. Seitdem blieb Klaus Fischer seinem Spielverein treu. Auch wenn der Spielverein mittlerweile mit Westfalia Soest zum „Spielverein Westfalia“ fusioniert hat. 

Am vergangenen Sonntag beobachtete er natürlich auch das Heimspiel gegen den TuS Lohauserholz – sein 1200. Spiel in Serie. 1024 waren es beim SSV, 176 sind seit der Fusion mit der DJK Westfalia hinzugekommen. 

Seit 1960 war Fischer schon regelmäßig Gast beim erfolgreichsten Fußballverein der Stadt. Das waren noch ganz andere Zeiten, weiß Fischer. Anfang der 1970er Jahre, als Soest um den Aufstieg in die Verbandsliga – zu der Zeit die höchste Amateur-Spielklasse – spielte, verfolgten neben Fischer 1 900 Zuschauer die entscheidenden Spiele. Soest scheiterte dramatisch am BV Königsborn....

„Man präsentiert ja auch gerne“

Fischer hat das alles festgehalten – zunächst für sich als Statistik-Liebhaber. Dann durften auch andere teilhaben. „Man präsentiert ja auch gerne, was man so geleistet hat. Und man freut sich über Interesse an seiner Arbeit.“ Er hat ein Buch über den SSV herausgebracht. „Rot-Weiße Erinnerungen“ fasst all die Statistiken und Erlebnisse von Klaus Fischer und seinem Fußballverein zusammen – mit allen Fakten und Toren zwischen 1950 und 2013. Eines über die ersten Jahre des Nachfolgeclubs SVW steht kurz vor der Veröffentlichung und trägt den Namen „Unvergessene Momente“. 

Seit der Saison 87/88 filmt Fischer die Spiele übrigens auch. Bei jedem Spiel hat Fischer seitdem seine Kamera dabei. Und das Archiv wächst und wächst. Weil das natürlich zu viel ist, wenn es jemand noch einmal schauen möchte, erstellt Fischer mittlerweile Zusammenschnitte. So bekommen Spieler, wenn sie es denn wollen, eine Saison-DVD. „Jeder Spieler der ersten Mannschaft bekommt eine CD oder DVD mit den Saisonhighlights“, berichtet Fischer. Auch Trainer haben sich am Video-Material bereits bedient. Und in einigen Fällen haben Fischers Videos bereits bei strittigen Fällen vor Fußballspruchkammern für Gerechtigkeit gesorgt. 

Hin und wieder gerieten die Besuche der Spiele und Klaus Fischers restliches Leben in Konflikt; oder drohten zumindest damit. Solange Fischer noch selbst beim TuS Jahn Soest Tischtennis spielte, kam es schon einmal vor, dass jemand anders für ihn die letzten Minuten eines Spiels filmen musste. Schulfeste legte der ehemalige Lehrer so, dass es gar nicht erst zum Konflikt kam, oder er ließ sich die letzten Augenblicke eben entschuldigen. 

Auch Krankheiten stoppten ihn nicht: „Einige Freundschaftsspiele habe ich mal sein gelassen.“ Dazu steht Fischer, denn er weiß genauso auch: Ein Meisterschaftsspiel hat er nicht verpasst. Dabei hat er alle Höhen und Tiefen mitgemacht (siehe Info-Boxen). „Auch, wenn es mir nicht so gut ging, hatte ich immer den Willen, das Spiel zu besuchen. Auch kurzfristige Terminverschiebungen waren zum Teil nicht einfach zu bewältigen.“ Bislang hat ihn nichts davon abgehalten, seinen Spielverein zu beobachten und ihm nachzureisen.

Das schönste Spiel

2001 ein 2:1-Sieg gegen RW Horn: „Mit dem Sieg haben wir den Aufstieg in die Landesliga klargemacht. Ich war damals Abteilungsleiter und habe die Mannschaft auch mit finanziert. Daher wird das für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis bleiben.

Das schlimmste Spiel

2008 ein 0:9 beim VfL Wolbeck: „Wir sind mit fünf Niederlagen in die Saison gestartet, es lief überhaupt nicht. Ich wollte am liebsten gar nicht mitfahren. Dann setzte es auch noch diese Niederlage. Aber wir haben in der Saison trotzdem noch die Klasse gehalten.

Das außergewöhnlichste Spiel

In Versmold gab es mal einen Spielabbruch. Ein Soester Zuschauer schlug den Linienrichter mit einem Schirm, was so oder so nicht richtig ist. Ärgerlicherweise lag Soest sogar in Führung. Das Wiederholungsspiel endete 0:0. Wer der Übeltäter mit dem Schirm war, weiß ich noch.“ Aber verraten will er es lieber nicht. Vielleicht gibt es darüber ja einmal ein Kapitel in einem von Klaus Fischers Büchern.

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