Jule Strotkötter bei der WM: „Fahne tragen war die größte Ehre“

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Jule Strotkötter gewann drei Medaillen bei der Militär-Weltmeisterschaft im chinesischen Wuhan.

Hovestadt – Momentan läuft es bei Jule Strotkötter. Die Rettungsschwimmerin aus Hovestadt nahm als Sportsoldatin an den Military World Games im chinesischen Wuhan teil und brachte drei Medaillen mit in die Heimat.

Sie gewann Gold in der Disziplin 100 Meter Retten mit Flossen, Silber über 100 Meter Retten einer Puppe mit Gurt sowie Silber mit der Staffel über vier mal 25 Meter Retten einer Puppe. Im Gespräch mit Anzeiger-Mitarbeiter Maximilian Zienau berichtete Jule Strotkötter über ihre Erlebnisse im Wettkampf, ihren Aufenthalt in China und ihr Leben als Sportsoldatin. 

Sind Sie zufrieden mit Ihrer Reise nach Wuhan? 

Sehr. Eigentlich war die EM vor vier Wochen unser Jahreshöhepunkt. Ich habe es geschafft, in China erneut die gleichen Zeiten zu schwimmen. Meine Hauptdisziplin sind die 100 Meter Retten mit Flossen und die habe ich gewonnen. Das ist verrückt, denn normalerweise treten die Chinesen bei den Military World Games immer sehr stark auf. Oftmals finden sie einen Athleten, der aus dem Nichts zum Weltrekord schwimmt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass wir so weit oben mitschwimmen können. Ich habe auf eine Medaille gehofft, aber nie gedacht, dass es so viele werden. 

Wie haben Sie Ihren Sieg erlebt? 

Es war das erste Mal, dass ich die Nationalhymne oben vom Treppchen hören durfte, das war eine große Ehre für mich. 

Aber auch in anderen Disziplinen lief es gut für Sie. 

Die 100 Meter Retten einer Puppe mit Gurt waren eine neue Disziplin für mich, die habe ich das erste Mal ausprobiert. Ich bin im Vorlauf schon eine gute Zeit geschwommen, bin Dritte geworden. Im Finale bin ich dann Zweite geworden, mit 59,4 Sekunden. Das schwimmen momentan in Deutschland nur zwei Frauen. 

Sind die Military World Games ein Wettkampf aller Sportarten, in denen Sportsoldaten vertreten sind? 

Der Weltverband heißt CISM, alle Sportarten, die Teil des Verbands sind, waren in China vertreten. Ungefähr 10 000 Athleten haben teilgenommen. Alles Sportliche, was militärisch von den einzelnen Nationen geführt wird, wurde nach Wuhan geschickt. 

War die Atmosphäre angespannt, wenn da lauter Soldaten verschiedener Länder zusammen waren? 

Der Sport ist etwas lockerer. Es sind alles Sportler, die da unter dem Militär trainierten. Es war sehr entspannt. Man kann es mit einem olympischen Dorf vergleichen. 

War das so eine große Veranstaltung?

In China hat das Militär einen etwas anderen Stellenwert. Es wurden 1,5 Milliarden Euro nur in diese Spiele investiert. Wir haben in dem Dorf für Athleten gewohnt, das ungefähr eine Stunde Autofahrt von Wuhan entfernt liegt. Zwei Kilometer um das Dorf herum war eine Sperrzone und es durften auch nur bestimmte Taxis auf das Gelände. Es waren 109 Länder vertreten. Alleine für das normale Schwimmen wurde eine Schwimmhalle gebaut und für das Rettungsschwimmen noch eine zusätzliche. Das Athletendorf wird nun nach den Wettbewerben zu einer Studentenstadt. 

Das heißt, die Sportler blieben unter sich, es gab keinen Austausch mit der Bevölkerung? 

Doch, wir waren 16 Tage da. Die erste Woche diente der Akklimatisierung und dem Training vor Ort. Nach fünf Tagen hatten wir die ersten Wettkämpfe. Danach hatten wir noch einmal fünf Tage für Sightseeing und haben uns die anderen Wettkämpfe angeschaut. Wir waren in Wuhan unterwegs, das ist die fünftgrößte Stadt Chinas. Es ist riesig, viele Einwohner auf wenig Platz, aber sie liegt am Yangtse und ich habe es als schöne Stadt wahrgenommen. Chinas berühmteste Universität liegt dort an einem riesigen See. Und auch der Besuch der Stadt ist ein Erlebnis für sich. Kulinarisch und kulturell waren es ganz neue Erfahrungen. 

Haben Sie sich getraut, das lokale Essen zu kosten? 

Wir haben alles Skurrile gegessen, was man in China mal essen muss. Diese ganzen Insekten und Hühnerfüße, was dort ganz normal ist, bei uns in der westlichen Welt eher fremd ist. Das gesamte Erlebnis, dass wir uns das getraut haben, war schon ein tolles Erlebnis. 

War das Ihr erster militärischer Wettkampf?

Ja, ich bin seit ziemlich genau einem Jahr bei der Bundeswehr. Es war eine riesen Ehre, dass ich dort starten durfte und diese Bühne bekommen habe. Die größte Ehre überhaupt war aber für mich, dass ich als erfolgreichste Athletin bei der Abschlusszeremonie die deutsche Fahne tragen durfte. 

War es die richtige Entscheidung, als Sportlerin zur Bundeswehr zu gehen? 

Absolut. Ich habe nach dem Abitur überlegt, was ich machen möchte. Ich bin schon lange in meinem Sport und war schon immer ehrgeizig. Aber es ist eine Randsportart. Die richtigen Trainingsmöglichkeiten sind nur schwer umzusetzen. Eigentlich wollte ich mit 18 aufhören, nachdem ich eine letzte Europameisterschaft geschwommen wäre. Aufgrund einer Verletzung konnte ich das aber nicht. Stattdessen wollte ich wissen, was in dem Sport für mich noch möglich wäre und habe mich bei der Bundeswehr beworben. Ich wurde genommen, trotz Verletzung, was ein absoluter Glücksfall war.

Ist es schwierig, Sportsoldat zu werden? 

Es ist super hart, da rein zu kommen. Es gibt verschiedene staatliche Institutionen, die den Sport fördern. Das sind die Bundeswehr, die Bundespolizei und der Zoll, wobei die Bundeswehr die größte Instanz darstellt. 700 bis 800 Plätze werden vergeben, wovon sechs für Rettungsschwimmer reserviert sind. Für eine nicht-olympische Sportart ist das aber immer noch viel. 

Werden Sie behandelt wie andere Soldaten? 

Am Anfang machen wir eine abgespeckte Grundausbildung, damit wir das Soldatische kennenlernen. Die dauerte sechs Wochen mit Schießtraining, Übungen im Gelände und Biwak. Danach geht es für die meisten Sportler ins Heimtraining. Für mich allerdings nicht, da ich Rettungsschwimmerin bin. Wir trainieren im Stützpunkt. Der Vertrag läuft am Anfang auf freiwilliger Wehrdienstbasis, wird alle elf Monate verlängert, wenn die Leistungen stimmen. Es gibt ein internes Ranking, wer verlängert wird und wer neu dazu kommt. Wenn man ein Jahr nichts zeigen kann, wird man anschließend auch nicht verlängert. Es ist Leistungssport. Momentan funktioniert es aber und ich würde mich freuen, wenn es weiter so läuft.

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