Kanadischer Basketballer im Dress des BC 70 Soest

Korbjäger Jordan Rose fühlt sich sehr wohl in Soest

Bei Testspielen zeigte der Kanadier im Dress des BC 70 Soest schon sein Können; hier gegen Lüdenscheid.
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Bei Testspielen zeigte der Kanadier im Dress des BC 70 Soest schon sein Können; hier gegen Lüdenscheid.

Soest – Als die Toronto Raptors am Ende der Saison 2018/19 NBA-Champion wurden, freute sich Jordan Rose natürlich gewaltig. Denn der Korbjäger, der im September vom BC 70 Soest verpflichtet worden war, ist in der kanadischen Metropole zur Welt gekommen und gerade zu seinem Geburtstag am 17. Juni ging die Siegesparade des Champions über die Bühne. Ganz klar, dass der Aufbauspieler da noch mehr als sonst begeistert war von seinem „Hometown-Team“. Begeistert ist er inzwischen aber auch von seiner neuen Heimat, denn in Soest gefällt es ihm ausgesprochen gut.

Mit zehn oder elf Jahren hat Jordan Rose in Toronto mit dem Basketball angefangen – so genau weiß er es gar nicht mehr. Sein Weg führte ihn über die Highschool ans College – ein Jahr ein Toronto, drei Jahre in der Hauptstadt Ottawa und eine letzte Saison in Alberta. Weiter ging es für ihn in der „International Basketball League“ und der „American Basketball Association“, beide in Nordamerika beheimatet.

Anfang 2014 folgte für den Kanadier ein großer Schritt: Ohne einen Spielervermittler ging er nach Deutschland, genauer gesagt nach Hagen. „Ich habe auf mich selbst gewettet“, sagte der 33-Jährige im Anzeiger-Gespräch, „habe mein Geld genommen und bin rübergeflogen.“ Ein Probetraining hatte er allerdings vorher schon klar gemacht. „Ich kam direkt aus dem Flugzeug. Mein erster Wurf war ein Airball. Da habe ich mir gedacht, ich zeige besser meine Schnelligkeit“, erinnert er sich an sein erstes Training zurück. Er spielte anschließend beim TSV Hagen, bei den TuS HammStars, beim TV Werne und beim SV Hagen-Haspe, traf dabei zweimal auf die Siebziger, lernte so einige der jetzigen Teamkameraden kennen. „Die Zuschauer in Soest sind sehr gut, die Atmosphäre ist beeindruckend“, gefiel ihm dabei die Stimmung in der Bördestadt. Er mag das gesamte Team um Simon Brehm, Stani Grzyb und Danko Popovic. „In anderen Vereinen gab es kaum ältere Spieler, in Soest bin ich nicht nur mit jüngeren Spielern zusammen“, stellt er fest, dass die Tatsache, dass er beim BC 70 auch erfahrene Korbjäger um sich hat, die Attraktivität des Vereins für ihn erhöht hat.

Schnell mit dem BC-Vorstand auf einen Nenner gekommen

Ein weiterer Punkt war der Trainer. „Ich kenne Uli, seitdem ich in Deutschland bin“, hat auch die Verpflichtung der Siebziger des Hageners Overhoff den Übergang nach Soest für Jordan Rose noch einfacher gemacht.

Über Overhoff kam letztlich auch der Kontakt zum BC 70 Soest zustande. Eigentlich wollte Jordan Rose in Solingen spielen. Ein Vertrag dort wurde aber schnell aufgelöst, nachdem der Kanadier von den Strukturen im Bergischen Land nicht überzeugt war. Bei einer Videokonferenz mit Andreas Kayser und Christoph Brüggemann (1. und 2. Vorsitzender des BC 70) kamen sie aber schnell auf einen Nenner.

Jordan Rose hat schon einen Lieblingsort in Soest gefunden, er sitzt gerne am großen Teich.

„Der Plan ist, länger in Soest zu bleiben, etwas aufzubauen“, geht Jordan Rose die Aufgabe beim BC 70 natürlich ehrgeizig an, „mit viel Energie auf und abseits des Feldes.“ Trotz seines Alters von 33 Jahren. „Der Körper fühlt sich gut an. So wie es jetzt geht, so lange es geht und der Club mich will“, möchte er bei den Siebzigern bleiben, die ihm auch eine Arbeitsstelle besorgt haben. Bei seinen anderen Stationen hatte er sich „nur“ auf Basketball konzentriert.

„Ich war immer der Underdog“, beschreibt Jordan Rose seine bisherige Laufbahn. Mit 1,81 Metern ist er nicht gerade der Größte, zudem ist er eher schmächtig. Oft sei er daher unterschätzt worden – daraus hat er aber nur zusätzliche Motivation gezogen. „Ich kann aber dunken“, stopft er den Ball auch manchmal in den Korb, „da waren die Jungs schon etwas geschockt“, hat er seine Mitspieler mit seinen Sprungfähigkeiten überrascht. „Ich denke, offensiv bin ich sehr schnell, ich kenne das Spiel, Punkten ist kein Problem“, erklärt er seine Qualitäten im Angriff, verweist auf ein 60-Punkte- und viele 40-Punkte-Spiele in Deutschland. „Aber von anderen Spielern abheben will ich mich mit meiner Verteidigung“, zählen für den Kanadier keineswegs nur die Punkte. „Gegen Lippstadt hatte ich elf Ballgewinne“, hat er im Testspiel gegen den Kreisnachbarn seine Stärke in der Verteidigung unter Beweis gestellt, in der regulären Saison komme er auf sechs, sieben „Steals“ pro Spiel. „Das ist ein Teil des Grundes, dass ich hier Verträge bekommen habe. Ich spiele an beiden Enden des Feldes, das mögen die Vereine“, weiß er, „die Vereine, bei denen ich war, wurden besser.“

Schon Trainer im Nachwuchsbereich bei der U12

Besser machen möchte Jordan Rose auch den Nachwuchs des BC 70, bis zum Lockdown im Amateursport hat er die Soester U12-Mannschaft trainiert. „Ich habe die Jungs gefragt: Wer will besser werden und mal hier in Soest in der ersten Mannschaft spielen? Alle wollen das und es ist mein Job, mit ihnen die richtigen Schritte zu machen“, will er nach dem Lockdown weiter mit dem Nachwuchs arbeiten: „Viele gute Talente“, sieht er bei seinem noch neuen Verein.

Und das nicht nur bei der Jugend. „Ich will mit Soest aufsteigen, das ist mein Ziel. Ich sehe die richtigen Teile, wir haben ein Team, um etwas Besonderes zu schaffen“, ist er von der Qualität der Mannschaft in der 2. Regionalliga überzeugt – wann und wie in dieser Saison allerdings gespielt werden kann, ist ja noch völlig offen. „Ich warte, dass ich spielen kann, versuche, in Form zu bleiben“, sagt der Kanadier zum aktuellen Lockdown.

Der Plan ist, länger in Soest zu bleiben, etwas aufzubauen, mit viel Energie auf und abseits des Feldes.

Jordan Rose, kanadischer Aufbauspieler im Dress der Regionalliga-Mannschaft des BC 70.

Ohne Training hat er viel Zeit, Soest näher kennenzulernen. Die Stadt mit den vielen Kirchen gefällt ihm ausgesprochen gut, Popovic, Brehm und Grzyb haben ihm schon viel gezeigt. Auf die Kirmes und den heimeligen Weihnachtsmarkt muss er sich aber weiter freuen. Immerhin gibt es ab dem 22. Dezember wieder Basketball – wenn auch „nur“ in der NBA mit seinen geliebten Toronto Raptors. Zumindest plant die Profiliga in Nordamerika dann ihren Saisonstart...

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