Einen Favoriten als Trainer-Nachfolger gibt es auch schon..

Nach dem historisch frühem WM-Aus: Das sagen die Italiener aus dem Kreis Soest

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Entsetzen nach der gescheiterten WM-Quali - auch im Kreis Soest.

Kreis Soest - Ganz Italien weint nach der gescheiterten WM-Qualifikation des italienischen Nationalteams! Doch nicht nur in Italien hängen die Flaggen auf halbmast. Auch im Kreis Soest sind viele Fußballer mit italienischen Wurzeln sehr betroffen:

Die Miracco-Cousins von RW Westönnen beispielsweise empfinden es schon als schmerzhaft, zwölf Jahre nach dem letzten Gewinn der WM-Trophäe dieses Desaster am Bildschirm miterlebt zu haben. 

Manuel und Johnny sind sich einig, woran es gelegen hat: „Der Altersdurchschnitt ist viel zu hoch. Viele Spieler könnten doch schon einen Rentenantrag stellen“, legt Johnny Miracco (24) den Finger in die Wunde. 

„Sie haben sich seit 2006 immer auf die Alten verlassen, die Nachwuchsarbeit vernachlässigt“, bestätigt Manuel Miracco (25). Er ergänzt, dass dieses fußballerische Desaster das ganze Land schwer erschüttern würde: „Fußball war der Rest, der die Italiener noch mit Stolz erfüllt hat. Jetzt gerät das ganze Land endgültig ins Wanken, da die Stimmung insgesamt sehr schlecht ist." Vielleicht werden die Verantwortlichen jetzt endlich wach, denn an Talenten fehlt es nicht“, so Johnny Miracco. Er hofft darauf, dass Carlo Ancelotti jetzt Nationaltrainer wird.

Er soll als Nationaltrainer folgen

Nationaltrainer Gian Piero Ventura wird wohl nicht zu halten sein. Bei der Wahl des Nachfolgers legt sich nicht nur Johnny Miracco auf den ehemaligen Bayern-Trainer Ancelotti fest. Auch Daniele Santostefano, der seit einem Jahr für Germania Hovestadt kickt und zuvor bei den SF Soest-Müllingsen aktiv war, wünscht sich den 58-jährigen Italiener: „Er soll es machen, weil er Ahnung hat.“  

Dass es mit Ventura nicht weitergehen kann, macht der an einer Szene vom Rückspiel fest: Der Nationaltrainer wollte eine Viertelstunde vor dem Ende Mittelfeldspieler Daniele De Rossi vom AS Rom einwechseln. Der Altstar weigerte sich aber und zeigte auf Angreifer Lorenzo Insigne, der ebenfalls auf der Bank saß. „Das war eine Meuterei“, sagt Santostefano, kann die Reaktion aber nachvollziehen: „Es haben von Anfang an die falschen Spieler auf dem Feld gestanden. El Shaarawy und Belotti hätten der Mannschaft gut getan.“ 

Daniele Santostefano

Einer der sich mit der Zusammenstellung einer Mannschaft auskennt ist der sportliche Leiter des TuS Bremen, Marco Salerno. „Mir fehlen die Worte, ich bin einfach nur enttäuscht“, sagt Salerno zum verpassen der WM. Er sieht die Situation ähnlich wie seine Leidensgenossen: „Die Altersstruktur der Mannschaft passt einfach nicht, aber auch die Qualität stimmt nicht mehr. Wir haben die Zeit für den Umbruch verpennt. Dem Nachwuchs wird einfach der Weg verbaut.“ 

M. Salerno

Marco Capone von SuS Scheidingen sieht auch in der Aufstellung einen Grund für das Scheitern. Auch er hätte El Shaarawy von AS Rom in der Anfangsformation lieber gehabt, was allerdings kein Wunder ist. Schließlich schlägt sein Herz für den Club des legendären Totti aus der Hauptstadt. 

M. Capone

Capones Mutter stammt aus Rom, der Vater aus Neapel. Der 19-Jährige ist in Deutschland geboren, besitzt beide Pässe, verfolgt den italienischen Fußball aber intensiv. „Die Dreierketter war zusammen fast hundert Jahre alt“, kritisiert er. 

„Die hätten noch zwei Tage spielen können und den Ball nicht reinbekommen. Ohne Italien fehlt jetzt was bei der WM.“

"Jetzt bin ich leidenschaftlicher Deutschlandfan"

„Ja, klar trauern wir alle“, sagt der 48-jährige Warsteiner Damiano De Caro, gebürtig aus Calabrien und Gastwirt im Kolpinghaus Rüthen. De Caro sagte aber

auch: „Jetzt bin ich leidenschaftlicher Deutschlandfan.“

Fußballtrainer Domenico Matropasqua, vor 65 Jahren in Foggia in Apulien geboren, wohnhaft in Warstein und aktuell für den B-Kreisligisten TV Kallenhardt tätig, kommentiert: „Wenn eine Mannschaft in zwei Spielen nicht in der Lage ist, ein Tor zu schießen, dann ist sie verdient ausgeschieden. Für Italien ist das natürlich eine Katastrophe, trotzdem gibt es wichtigere Sachen.“ Auch Mastropasqua hält Ventura nicht für den geeigneten Trainer fürs Nationalteam und erklärt: „Es hat mit diesem Trainer nicht funktioniert. Das Spiel der Italiener war im Aufbau so langsam, sodass die Schweden jeder Zeit mit ihrem wunderschönen 4-4-2-System ihre Räume zumachen konnten.“

Domenico Matropasqua

"Ich beneide den deutschen Fußball"

Luigi Brusciano (45), gebürtig aus Neapel und seit 2015 Trainer des Fußball-Bezirksligisten TuS 45 Warstein, sagte: „Es wäre schon verdient gewesen, wenn die Italiener als Sieger vom Platz gegangen wären. Leidenschaft war da. Enttäuscht bin ich von der taktischen Ausrichtung. Einen so kompakten Gegner wie Schweden hätte ich gelockt, unerwartet auf Konter gespielt und versucht, so Räume zu kriegen. Nach zwei Angriffen der Schweden, als es mal Raum gab, wurde so langsam gespielt, dass sich Schweden hinten wieder komplett einmauern konnte. Das Ballgeschiebe hin und her hat mich richtig geärgert. Das war zu durchsichtig.“

Luigi Brusciano

Brusciano zieht einen länderübergreifenden Vergleich: „Ich beneide den deutschen Fußball, hier hat man mehrere Systeme, um sich auf verschiedene Gegner einzustellen. Das deutsche Spiel ist immer offensiv, da hast du nie das Gefühl, dass die Deutschen verlieren könnten, sondern immer das Gefühl, dass sie noch ein Tor machen. Und so läuft es dann ja auch. Das habe ich in taktischer Hinsicht voll vermisst bei den Italienern. Da ist die deutsche Nationalmannschaft der italienischen um Längen voraus.

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