Heimische Fanclubs wollen keine Aufmärsche zu den Geisterspielen

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Geisterspiele im Fernsehen - auch hier wollen die Fanclub-Mitglieder für sich alleine in den Familien bleiben.

Kreis Soest – Wie gehen die heimischen Fanclubs der Bundesliga-Vereine mit der möglichen Aussicht auf eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen angesichts der Corona-Pandemie um. Wir haben bei den organisierten Fans vom FC Schalke 04, Bayern München und Borussia Mönchengladbach nachgefragt und wollten auch wissen, ob sie größere Fanansammlungen bei möglichen Geisterspielen vor den Stadien befürchten würden.

Wie gehen die heimischen Fanclubs der Bundesliga-Vereine mit der möglichen Aussicht auf eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen angesichts der Corona-Pandemie um. Wir haben bei den organisierten Fans vom FC Schalke 04, Bayern München und Borussia Mönchengladbach nachgefragt und wollten auch wissen, ob sie größere Fanansammlungen bei möglichen Geisterspielen vor den Stadien befürchten würden.

 Thorsten Teimann, Vorsitzender des Welveraner Mönchengladbach-Fanclubs „Weisweilers Enkel“, „glaubt nicht, dass in dieser Saison noch ein Bundesliga-Spiel mit Publikum stattfinden kann – und das ist aus medizinischer Sicht aus richtig so, weil es noch keinen Impfstoff gibt.“ Björn Eisele, Vorsitzender des Fanclubs „Bayern Spezis Soest“, erwartet ebenfalls, dass es mit Geisterspielen bei König Fußball weiter geht. Das wäre auch aus ökonomischer und sportlicher Sicht sinnvoll.“ 

Denn die Deutsche Fußball-Liga habe ein großes Interesse an der Fortführung der Saison, damit die Fernseh-Gelder fließen, meint Teimann. Die kritischen Stimmen, ob die Fußball-Bundesliga eine Sonderbehandlung erhalten sollen, können Eisele und Jerome Blösser als 2. Vorsitzender des Schalke-Fanclubs „Soester Börde“ aber durchaus verstehen: „Denn wenn alle zurückstecken müssen, dann muss es auch der Fußball“, meint Eisele als Anhänger des deutschen Rekordmeisters.

 Bundesliga hat die Voraussetzung

 Jerome Blösser sagt: „Ich habe die Pressekonferenz der DFL mit Christian Seifert am vergangenen Donnerstag gesehen und fand das alles reflektiert. 

Aber eine Sache wurde ausgeklammert: Was passiert, wenn ein Spieler positiv getestet wurde. Dann wäre es unmöglich, dass die Spiele komplett fortgesetzt werden können. Einerseits kann man auch sagen: Wenn alle anderen Veranstaltungen abgesagt werden und Leute in Supermärkten Schutzmasken tragen, warum sollte Fußball als Kontaktsportart eine Ausnahme bekommen? Andererseits hat der Fußball eine Sonderstellung und würde für Ablenkung sorgen.“ 

Gladbach-Fan Teimann ist aber auch der Meinung, dass die DFL die Voraussetzungen habe, einen Spielbetrieb unter diesen besonderen Bedingungen zu gewährleisten. „Die Bundesliga ist auch in der Lage, die Spieler und die Personen zu testen, die bei einem Geisterspiel ins Stadion dürfen.“ Würde die Saison normal laufen, würden sich „Weisweilers Enkel“ am Samstag in den Borussia-Park an den Niederrhein aufmachen. „Wir hatten für das Wolfsburg-Spiel 35 zusätzliche Karten bestellt zu unseren 15 festen Dauerkarten. 

Die haben wir wieder zurückgeschickt und vom Verein das Geld zurück bekommen – aber nicht alles. Für den Differenzbetrag werden wir im Fanclub eine Lösung finden“, sagt Teimann, der 76 Mönchengladbach-Fans vorsteht. Die etwa 200 organisierten S04-Anhänger fahren zu jedem Heimspiel „mit etwa 45 Personen. Da hängt eine Menge dran, vom Busunternehmer, über das Getränk und die Schnitzel, die auf der Fahrt gegessen werden. In erster Linie fehlt die Gemeinschaft und die Geselligkeit, sich über Siege zu freuen und sich zu umarmen oder sich über Gegentore zu ärgern. Aber das ist ja überall in der Gesellschaft so“, erklärt Blösser. 

Die Stadionbesuche bei ihrem Herzensklub sind für die „Spezis“ deutlich rarer gesät. Denn die Bayern-Fans konkurrieren bundesweit mit ein großen Zahl an Mitstreitern in anderen Fanclubs. „Wir sind Mitglied im Fanclubprogramm der Bayern und bekommen damit für mindestens ein Spiel pro Saison Karten. Wie das in der neuen Saison sein wird, ist aber völlig offen“, erklärt Eisele.

 Auch „Weisweilers Enkel“ müssen mit der Ungewissheit, dass es mutmaßlich in der kommenden Saison lange Zeit Spiele ohne Zuschauer geben wird, leben. „Die Frage stellt sich natürlich, wie es mit den Dauerkarten läuft. Und im Mai sollte eigentlich der Dauerkarten-Vorverkauf für die kommende Saison starten“, sagt Thorsten Teimann. 

FC Schalke 04 bittet Fans um Solidarität

Der FC Schalke 04 hat seine Dauerkarten-Inhaber gebeten, das Geld für die ausstehenden Spiele nicht zurückzufordern – als Zeichen der Solidarität. „Dafür soll es ein Sondertrikot geben. Das muss aber jeder für sich selber entscheiden, wie er den Verein unterstützen will oder kann. Die Vereine werden aber andererseits auch niemanden aus Solidarität eine Karte schenken und ins Stadion lassen, weil jemand die Arbeit verloren hat und dem noch eine Bratwurst geben“, sagt Schalke-Fan Blösser.

Thorsten Teimann, Vorsitzender des Fanclubs „Weisweilers Enkel“ mit seinem Sohn Lennard bei einer Europe League-Reise nach Rom. Davon sind Fußballfans derzeit weit entfernt.

Natürlich liegt auch das aktuelle Fanclubleben brach: Wir als ‘Weisweilers Enkel’ werden in diesem Jahr 15 Jahre. Das wollten wir am 13. Juni groß feiern. aber daran glaube ich nicht so recht. Ob wir im Sommer unsere Jahreshauptversammlung machen können, weiß ich auch nicht“, führt Teimann weiter aus. „Wir haben Ende März unser eigenes Darts-Turnier abgesagt und momentan tritt der Fanclub Soest operativ nicht in Erscheinung“, ergänzt Eisele. Falls die Saison tatsächlich mit Geisterspielen fortgesetzt wird, sollte es nach dem Wunsch der organisierten Fanvertreter keine Zusammenkünfte von Fans geben. „Das wäre bescheuert. Denn von unseren Mitgliedern sind auch viele älter, die gehören zur Risikogruppe“, merkt Teimann an.

 „Vom Rudelgucken bei den Geisterspielen raten wir natürlich ab. Vielleicht treffen sich die Leute in privater Runde mit zwei, drei Leuten“, sagt „Spezi“-Chef Eisele, und führt weiter aus: „Was wir schon bei historischen Spielen gemacht haben, sind parallel dazu Web-Konferenzen, um sich über die Spiele und einzelne Situationen auszutauschen.

 Das könnte ich mir auch bei Geisterspielen vorstellen.“ „Bei Geisterspielen würde es für unsere Mitglieder heißen: Jeder guckt bei sich daheim mit seiner Familie - und das war es dann“, erklärt Blösser, und: „Ob es zu Zusammenkünften von Fans vor den Fußballstadien bei Geisterspielen kommen würde, weiß ich nicht. Den Fan gibt es ja nicht, es ist eine heterogene Gruppe.“ 

Bayern-Fans schielen auf die Meisterschale 

Falls es doch nicht weiter geht, „könnten wir als Bayern-Fanclub damit leben“, sagt Eisele. Er spielt damit darauf an, dass die Bayern die Bundesliga-Tabelle anführen und spekuliert darauf, dass die DFL so entscheiden würde wie die Nachbarn in den Niederlanden, die jüngst die Saison abgebrochen haben und Ajax Amsterdam zum Meister machten.

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