Auf der Suche nach dem Ei

Ovale Form gibt dem Football wohl seinen Namen

Heiko Bals aus Borgeln spielt für die Potsdam Royals American Football. Aber warum das Spielgerät auch Ei genannt wird, kann er auch nicht erklären.
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Heiko Bals aus Borgeln spielt für die Potsdam Royals American Football. Aber warum das Spielgerät auch Ei genannt wird, kann er auch nicht erklären.

Kreis Soest – Was hat ein Schwein mit American Football zu tun? Und was das Spielgerät bei eben jener Sportart mit Ostern? Die Erklärung ist im Grunde recht einfach, reicht weit in die Vergangenheit zurück und da nicht nur bei der amerikanischen Nationalsportart, sondern auch nach Großbritannien und zum dort entstandenen Rugby. Allerdings wusste auch der aus Borgeln stammende Heiko Bals, der bei den Potsdam Royals in der Bundesliga spielt, keine Antwort.

Der Legende nach soll Rugby 1823 während eines Fußballspiels in der gleichnamigen Stadt entstanden sein – so ist es jedenfalls auf Wikipedia nachzulesen. Verwendet wurde kein runder Ball, sondern, wie Techniker später sagten, ein sogenanntes „verlängertes Rotationsellipsoid“. Aber die Herkunft war auf keinen Fall technisch, sondern ganz natürlich. Denn das einzige Teil, das nach dem Schlachten eines Schweins nicht zu gebrauchen war, war die Blase – und die soll dem Rugbyball seine charakteristische ovale Form verliehen haben, „obwohl die Bälle jener Tage eher pflaumenförmig als oval waren“, heißt es weiter im Internet. Oder man könnte auch sagen: Eiförmig.

American Football entstand aus dem britischen Rugby; der Ball war zu Beginn wie der Rugbyball eher abgeplattet und hatte keine spitzen Enden. Anfangs wurde mit dem Ball nur gelaufen, wofür ein kleiner, gut zu werfender Ball nötig war. Im Laufe der Zeit änderte sich die Form, ging weg von Ei oder Pflaume.

Der Football, auch Pigskin (englisch für Schweinsleder) genannt, ist ein verlängertes Rotationsellipsoid mit spitzen Enden. Mit einem Gewicht trocken von 396,9 bis 425,2 Gramm ist er etwas leichter als ein Fußball, der Längsumfang beträgt 70,5 bis 72,5 cm (ähnlich wie ein Fußball), die Länge 27,5 bis 29 cm, der Querumfang 52,7 bis 54 cm. Von der Größe her also eher ein Dinosaurier- denn ein Hühner-Oster-Ei.

Schweinsblase in einem „stinkenden Zustand“

In den frühen Rugby-Tagen war es wohl notwendig, Freiwillige zu bitten, den Ball aufzublasen; das war kein gesuchter Job. Die Schweineblase würde in ihrem sehr stinkenden, „grünen Zustand“ nur durch Lungenkraft mit Hilfe eines Röhrchens aufgeblasen. Hierzulande werden zu Ostern rohe Eier ausgeblasen, damit die Schale als Dekoration verwendet werden kann. Da kann auch mal ein „faules Ei“ dabei sein – eine dann stinkende Ähnlichkeit zur Schweinsblase beim Rugby...

Aber warum wird der American Football ausgerechnet Ei genannt? Das rührt offensichtlich nur von der Form her. „Der Spieler soll laufen, nicht der Ball. Und damit keiner auf die Idee kommt, den Football übers Feld zu rollen, hat man ihn unrund gemacht“, ist von der Presseabteilung des Sportartikelherstellers Wilson zu lesen. So „eiert“ er eben beim Rollen. Und am Ende sind die Form einer Pflaume, einer Schweinsblase und eines Eies doch halbwegs ähnlich.

Studenten von zwei „verfeindeten“ Unis in Mississippi schufen 1927 das „Goldene Ei“, eine große Trophäe, die seitdem jedes Jahr an das Gewinnerteam im Traditionsduell vergeben wird. Diesen Hinweis gab Tom Aust, Direktor Presse und Kommunikation des Deutschen Football-Verbandes.

Die Trophäe ist ein großes Messingstück, das auf einem Holz montiert ist, und symbolisiert traditionell die Vormachtstellung im College-Football im Bundesstaat Mississippi für das Jahr. Die Fußbälle, die in den 1920er Jahren im American Football verwendet wurden, waren wesentlich eiförmiger und stumpfer als die heute verwendeten und ähnelten den Bällen, die noch im Rugby verwendet wurden. Die Trophäe ähnelt hingegen eher einem Ei als einem Football.

Der Football wurde nach der Einführung des Vorwärtspasses 1906 auf jeden Fall immer stromlinienförmiger (beim Rugby darf man den Ball nur nach hinten spielen). Und die Form selbst begünstigt beim Wurf die stabilisierend wirkende Rotation des Balles. Daher eben „verlängertes Rotationsellipsoid“.

Eier werden auch in Deutschland geworfen

Eierwerfen zu Ostern gibt es übrigens auch in einigen deutschen Regionen, vor allem in Bayern und in Nord- und Ostfriesland. Das hat dann allerdings wohl weniger mit Sport als mit Brauchtum zu tun. Und die Flugeigenschaften eines Hühnereis sind sicherlich nicht mit denen eines Footballs zu vergleichen…

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