Klaus Fischer hat STV-Handballer archiviert: Tor für Tor für Tor

Klaus Fischer hat die vergangenen 20 Jahre der Soester Handballer in dritt- und vierthöchster Spielklasse statistisch erfasst – unter anderem auch im Archiv der Anzeiger-Sportredaktion. Herausgekommen ist dabei ein spannendes Zahlenwerk.
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Klaus Fischer hat die vergangenen 20 Jahre der Soester Handballer in dritt- und vierthöchster Spielklasse statistisch erfasst – unter anderem auch im Archiv der Anzeiger-Sportredaktion. Herausgekommen ist dabei ein spannendes Zahlenwerk.

Soest  - Jubelszenen und beste Stimmung in der Bördehalle. Der Soester TV hat gerade in einem packenden Spiel den HTV Sundwig-Westig bezwungen, einen prächtigen Jahresabschluss hingelegt. Durch: Saisonsieg Nummer vier. Die Spieler jubeln, schreien. Die Fans jubeln und schreien. Über: Heimsieg Nummer zwei. Und mittendrin ist auch ein Gesicht zu sehen, das man in der Soester Sportszene aber eher dem Fußball zuordnet: Klaus Fischer, der all das bald in Zahlen wieder erfasst hat.

Im Gepäck hat er nämlich einen ersten Auszug aus der neuen Handball-Statistik – quasi ein STV-Handball-Almanach. Fischer hat sich durch sis-handball.de geklickt, das Archiv der Anzeiger-Sportredaktion durchforstet und penibel Buch geführt, jedes Ergebnis, jeden Torschützen der vergangenen 20 Jahre erfasst.

Niemand führte Buch bei STV-Handballern

„Das gibt es ja gar nicht, das es sowas vorher nicht gab“, ist Fischer immer noch fassungslos. Als er erfuhr, dass bei den Handballern, die in den vergangenen 20 Jahren durchweg Spitzensport in viert- und dritthöchster Spielklasse geboten hatten – und sogar am Tor zur 2. Bundesliga geklopft hatten – niemand Buch geführt hat, packte das seinen Ehrgeiz: „Eine Mannschaft, die in den vergangenen 20 Jahren acht Jahre in der Oberliga und zwölf in Regionalliga oder 3. Liga verbracht hat, braucht ein Archiv.“

Fischer weiß alles zum Soester Spielverein

Denn Klaus Fischer wäre nicht Klaus Fischer, wenn er den Sport, den er sich anschaut, nicht in einer Statistik erfassen würde. Vom Soester SV und dem Nachfolger SV Westfalia Soest hat er nicht nur die meisten Spiele auf Band, Festplatte oder sonst wie gespeichert, er hat auch ein schier unerschöpfliches Archiv mit Zeitungsausschnitten und unendlichen Zahlenkolonnen und Auswertungen. Zahlen, Daten, Fakten – Fischer weiß alles zu seinen Fußballern. Und jetzt zumindest auch ziemlich viele harte Fakten zu den Soester Handballern.

"Wie kommt man auf die Idee?"- Zum Interview mit Fischer

Gefunkt hat es zwischen Fischer und dem Handball vor einigen Monaten. STV-Spieler wie die Loer-Brüder Max und Axel absolvierten ihre Saisonvorbereitung unter anderem auch beim mittlerweile berühmten „Zehnkampf“ im Haus und Garten von Fischer. „Das ist der absolute Wahnsinn, was er da auf die Beine stellt. Wir waren jetzt ein- oder zweimal da“, berichtet STV-Kapitän Max Loer. Als Dankeschön „haben wir ihn mal zu unserem Spiel eingeladen“. Mit nachhaltiger Wirkung: Beim Besuch in der Bördehalle hat Fischer das Handball-Fieber gepackt. Umso mehr, als er vom fehlenden Archiv erfuhr.

Innerhalb weniger Tage hatte er die Zahlen zum STV der vergangenen Jahre aus dem Internet gesucht und in Statistik-Form gegossen. Erste Schnipsel davon tauchten schon als Gewinnspiel der Handballer bei Facebook auf: Wer beispielsweise wusste, wie viele Tore die Voss-Fels-Brüder gemeinsam erzielt haben, bekam freien Eintritt. Andere Zahlen sorgten einfach so für Erstaunen. „Ich wusste es vorher nicht, aber ich habe anscheinend 143 Spiele in Folge gemacht, ohne zu fehlen“, staunte Max Loer nicht schlecht.

Suche: Erst Internet, dann Anzeiger-Archiv

Aber je länger die Spiele her sind, desto weniger gibt das Internet her – und das Fischer´sche Archiv half auch nicht weiter. Das Problem: „Ich habe zwar alle Fußball-Seiten aus dem Anzeiger seit 1965, aber Handball stand häufig auf den Seiten dahinter...“ So folgte zwangsläufig der Gang zum Anzeiger.

Hier blätterte sich Fischer durch vergilbte Seiten, mit der Lupe, Bleistift und Papier bewaffnet – jedes Tor wurde vermerkt. Nicht ohne Probleme: Einmal fehlte das Rückspiel gegen Schwelm, die zurückgezogen hatten. Dann gab es eine Aufstiegsrunde. Ein anderes Mal wäre das Unternehmen beinah gescheitert, denn unter einem älteren Regionalliga-Spielbericht fehlte die Aufstellung. 

Ein Knurren kam aus Fischers Richtung – der eine Art Fluch gegen den Autor des Artikels aussprach. Doch alles halb so wild – damals notierte der Anzeiger noch jedes einzelne Tor im Verlauf des Spiels. Eine Strichliste war schnell gemacht – und schon war die Statistik komplett. Fischer strahlte – und nahm schnell den Fluch wieder zurück.

Wenige Stunden, Zahlenkolonnen und Auswertungen später sind sie erfasst: 20 Jahre Spitzenhandball in Soest. Herausgekommen ist ein spannendes Zahlenwerk, in dem Statistikfreunde schnell versinken.

Und noch etwas ist entstanden: Der Soester TV hat einen neuen, ganz besonderen Freund gewonnen – Klaus Fischer weiß sicherlich jedes einzelne Tor wertzuschätzen. „Ich werde auch in Zukunft so viel wie möglich Handball schauen, war auch schon bei der A-Jugend, als unser Fußball-Spiel ausgefallen ist“, berichtet Fischer. Aber eines stellt er auch klar: „Der SV Westfalia Soest wird immer Vorrang haben.“

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