Geena Schlüter-Isenbeck ist die einzige Schiedsrichterin im Kreis Soest

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Geena Schlüter-Isenbeck.

Büderich – Sie ist eine Ausnahme-Erscheinung auf den Sportplätzen im Kreis Soest. Wenn Geena Schlüter-Isenbeck auf den Rasen läuft, macht sie dies in einer Funktion, die sonst keine Frau zwischen Möhne und Lippe ausfüllt. Denn die 18-Jährige ist Schiedsrichterin, die einzige auf der Liste der Unparteiischen im Fußballkreis Soest.

 „Pfeift uns etwa eine Frau?“ – Geena Schlüter-Isenbeck erinnert sich noch ganz genau an die Reaktion der männlichen Fußballer am Welveraner Buchenwald, als sie bei der dortigen Reserve erstmals ein Herren-Spiel gepfiffen hat. „Die Spieler sind mir aber keineswegs respektlos entgegengetreten – im Gegenteil. Ich hatte erst großes Lampenfieber. Doch habe ich mich schnell wohl gefühlt, die Spieler waren mir gegenüber respektvoller als ich erwartet hatte“, war ihre Premiere bei einem Männer-Spiel durch und durch positiv

. Die Büdericherin ist dem runden Leder seit Kindesbeinen an verbunden, kickte schon in der E-Jugend in einer reinen Mädchenmannschaft unter den Fittichen von Trainer Daniel Eeckhout. Später übernahm ihre Mutter Nicole das Coaching, in der D-Jugend kamen auch Jungs in die dann gemischte Mannschaft. Als B-Juniorin verlor Geena Schlüter-Isenbeck zwar die Lust, das runde Leder selber zu jagen. Doch dem Fußball verbunden bleiben wollte sie gleichwohl. 

So heuerte sie nach dem Umzug der Familie nach Büderich als Trainerin bei der Jugendabteilung der DJK Blau-Weiß an, übernahm mit Jannik Beinsen die Minikicker. 26 Kinder hatte sie zu bändigen. Jetzt ist sie zu den F-Junioren aufgerückt, hat dort 18 Schützlinge zu betreuen. 

Doch das Trainer-Dasein allein füllte sie fußballerisch nicht aus. So ließ sie sich vor zwei Jahren überzeugen, in Kaiserau beim FLVW einen Schiedsrichter-Lehrgang zu besuchen. „Ich wollte weiter mitten im Geschehen bleiben.“ Nach bestandener Prüfung entsandte sie Siegfried Reffelmann, Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses Soest, zu einem ersten Jugendspiel. „Das war schon komisch, alle haben einen angestarrt“, erinnert sie sich an ihre ersten Gehversuche mit der Trillerpfeife in der Hand. 

KSO Reffelmann überzeugt 

Die Leistungen waren für Reffelmann überzeugend: „Wir haben sie dann nach und nach im Frauenfußball eingesetzt und ab Herbst 2019 auch in der A- und B-Kreisliga der Männer“, ist der oberste Schiedsrichter des Kreises überaus angetan vom Talent der 18-Jährigen. Im März wurde sie zwar wie alle Fußballer durch Corona ausgebremst. Doch nach dem Neustart des Fußballs ist sie wieder an der Pfeife. 

So bedeutete das Testspiel zwischen dem A-Kreisligisten TuS Wickede und dem Bezirksligisten SV Westfalia Soest schon eine große Herausforderung für die Nachwuchs-Unparteiische. „Ich habe mich sehr darauf gefreut und mich speziell vorbereitet“, berichtet Schlüter-Isenbeck von Extra-Einheiten beim Joggen und vom Nachschlagen im Regelwerk. „Die Spieler haben es mir aber leicht gemacht“, war sie heilfroh, dass sie das im Vergleich zu ihren bisherigen Einsätzen wesentlich schnellere Spiel gut gemeistert hat.

 Auch Siegfried Reffelmann verlieh ihr gute Noten, hatte das Spiel beobachtet: „Sie hat zweimal die Gelbe Karte gezeigt – einmal wegen zweimaligen Foulspiels binnen kurzer Zeit und einmal, weil sich ein Spieler bei einem Freistoß für den Gegner vor den Ball gestellt hatte. Ich habe ihr in der Pause nur den Tipp gegeben, ihr Stellungsspiel und Laufverhalten zu überprüfen. Es bringt ja nichts, wenn der Schiedsrichter viel quer läuft. Das hat sie beherzigt.“ 

Am vergangenen Wochenende hatte sie gleich einen Doppel-Einsatz, war beim Spiel der Frauen aus Leverkusen und Hannover beim Einweihungsspiels im Höinger Karl-Kleine-Stadion an der Linie im Einsatz und tags darauf bei einem Mädchen-Spiel. 

Nun will Geena Schlüter-Isenbeck neue Herausforderungen annehmen. Reffelmann ist überzeugt, dass ihr dies gelingen kann, und hat sie für einen Sonderlehrgang für ambitionierte Schiedsrichter in den Herbstferien in Kaiserau angemeldet. „Wenn sie dort unter den besten Drei ist, darf sie ein Bezirksliga-Spiel unter Beobachtung pfeifen“, ist er zuversichtlich, dass sie in die Fußstapfen von Lisa Kunze treten kann, die vor einem Jahrzehnt als Frau ihren Weg im Schiedsrichter-Wesen machte. 

So hoch wie möglich pfeifen

Jetzt steht für die Auszubildende im Garten- und Landschaftsbau erst einmal die A-Kreisliga an, wo sie mit Betreuung erfahrener Schiedsrichter weitere Erfahrungen sammeln kann. „Ich möchte so hoch pfeifen, wie es möglich ist, will mich aber nicht auf ein Ziel festlegen“, ist die 18-Jährige ehrgeizig. Dass sie dabei in der Familie Rückhalt findet, versteht sich von selbst. Vater Holger Bosmans ist im Fußballkreis Soest wahrlich kein Unbekannter und ihr Freund Stefan Poggel jagt in Büderich selber das runde Leder.

Hintergrund: Schlechte Zahlen

Die Situation im Schiedsrichter-Wesen ist laut Siegfried Reffelmann landesweit eine Katastrophe. Auch im Kreis Soest sieht es übel aus, was die Zahlen der aktiven Unparteiischen betrifft. „Uns fehlen 30 bis 40 Schiedsrichter“, beziffert der KSO die Minuszahlen und kündigt an, dass sich einige Vereine sehr wundern werden, wenn sie angesichts ihrer Minusbilanz demnächst zu satten Ordnungsgeldern herangezogen werden. Der jüngste Online-Lehrgang war zwar mit zwölf Absolventen durchaus erfolgreich, aber: „Davon kamen nur zwei aus unserem Kreis.“ Aktuell stehen 80 Aktive zur Verfügung, vor einem Jahr waren es 105. „Wir können die Spiele in der Kreisliga D, bei den C-Junioren und den Frauen nur besetzen, weil manche Kameraden bis zu drei Spiele an einem Wochenende pfeifen“, sagt Reffelmann.

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