Double Ultratriathlon

Friedrich May meistert doppelten Ultratriathlon: "Es war der Wahnsinn!"

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Emsdetten – „Es war der Wahnsinn!“ Friedrich May war auch Tage danach noch absolut geflasht; Tage nach seiner doppelten Ultra-Leistung. Der Triathlet vom TV Flerke meisterte in Emsdetten als einer von nur 44 Sportlern den Double-Ultra-Triathlon.

7,6 Kilometer Schwimmen, 360 Kilometer Radfahren, danach noch zwei Marathons (gesamt 84,4 Kilometer) laufen – also zweimal das, was Triathleten bei einem normalen „Iron Man“ hinter sich bringen. Wahnsinn! Für May selbst war es das Erlebnis an sich: „Es war wahnsinnig anstrengend, wahnsinnig gut organisiert, wahnsinnig nette Menschen, ich bin wahnsinnig glücklich – über alles.“ Er erlebte einen wahnsinnigen Endorphinflash. Gemeistert hat Friedrich May dieses Ultra-Erlebnis mit seiner Frau Heidrun, die ihn coachte und vorbereitete. 

Die Vorbereitung 

„Die Trainingssteuerung von Heidrun ist voll aufgegangen“, lobte Friedrich seine Frau. Ihr gemeinsames Projekt begann schon weit vor dem Freitag, an dem die Wohnmobile im „Athletendorf“ so aufgebaut wurden, das sie gleichzeitig Verpflegungsstation für die Sportler sein können. 

Die Vorplanung begann viel, viel früher. Bereits vor zwei Jahren meldete sich Friedrich May beim extremsten Triathlon-Wettbewerb in Deutschland an. Mitmachen darf man nur, wenn man schon einen normalen „Ultra“ geschafft hat. Seitdem lief die Vorbereitung. „Er hat sich eine entsprechende Grundlage an Ausdauer erarbeitet“, berichtet Heidrun. Also noch mehr, als die beiden passionierten Triathleten sowieso bereits haben. 

Intensiv wurde es vor einem halben Jahr, seit Dezember 2018 trainierten Sportler und Trainerin ganz gezielt. Drei Trainingslager in Thailand (Grundlagen-Ausdauer), auf Lanzarote (Kraftausdauer) und auf Mallorca (Radrennen) halfen, das westfälische Winterwetter auszutricksen. Ansonsten standen Schwimmen im Aquafun, Laufen bei Wind und Wetter und viel Zeit im heimischen Keller auf der „Rolle“ mit dem Fahrrad an. Aber nie die ganze Zieldistanz. Viel wichtiger bei der Vorbereitung für so einen Leistungssport waren zwei Sachen: Kontinuität und Regelmäßigkeit. „Er hatte Glück, dass er die ganze Zeit gesund geblieben ist“, sagt Trainerin Heidrun. Keine Verletzung, nicht eine Erkältung bremsten ihn aus. 

Das Rennen 

Um 7 Uhr morgens machten sich 64 Sportler auf die Strecke. Zum Schwimmstart gab es ein Feuerwerk, ehe es auf die 152 Bahnen à 50 Meter ging. An einem Ende des Beckens saßen Wettkampfrichter und zählten Bahnen. Am anderen wartete Trainer wie Heidrun May mit Verpflegung, Zuspruch und Zwischenzeiten. 

Nach zweieinhalb Stunden folgte der Wechsel auf die Radrundstrecke. 82 Runden von 4,4 Kilometer länge lagen vor den Athleten. „So eine kleine Runde hat Vor- und Nachteile“, berichtet Friedrich May. „Zum einen kennt man irgendwann jeden Stein, jeden Baum, jedes Haus, jedes Schlagloch, hat also nicht viel Abwechslung. Zum anderen kommt man oft an der Supportmeile vorbei und man lernt irgendwann die Kurven optimal zu fahren.“ 

Direkt an der Radrundstrecke gab es eine Art Fahrerlager. Die Betreuer saßen, standen oder lagen dort unter einem selber aufgestellten Pavillon und versorgten ihre Athleten, mit allem was nötig ist. Regensachen brauchte es in den Rad-Stunden zwei bis fünf. Zuspruch und Unterstützung standen nach gut 150 Kilometern an: „Da war ja nicht einmal die Hälfte der Radstrecke geschafft! Na ja, ich wusste ja, dass so etwas kommt und Heidrun hat mich da ‘durchgeschubst’, hat mal eine klar Ansage gemacht“, berichtet Friedrich May, der sich berappelte. Später gab es warme Sachen für die Nacht. Denn May, der morgens gegen halb zehn aufs Rad gestiegen war – und seit 21 Uhr wie alle anderen mit Licht unterwegs war – wechselte erst kurz vor Mitternacht auf die Laufstrecke – für zwei Marathons. 

Die Laufstrecke führte vorbei an den Campern, ideal für die Verpflegung, klasse für die Stimmung. „Ich wurde ständig angefeuert“, freute sich Friedrich. 60 1,4 Kilometer lange Runden drehte er. Bei den Kilometer 21, 42, 55, 58 und 71 gab es eine kurze Rast im Camper bei etwas Nudeln oder Suppe. Dann das große Finale: „Die letzte Runde mit Crew und Nationalflagge zu laufen, war sehr bewegend. Jeder konnte sehen: Ich bin auf meiner letzten Runde. Man wurde von Athlet zu Athlet beglückwünscht und die Zuschauer und Supporter haben noch mal extra laut gejubelt. In großen Stadien und Zielbereichen wie in Frankfurt, Barcelona oder Roth einzulaufen ist schon gigantisch. Aber eine Runde mit der Deutschlandfahne und deiner Crew nach 7,6, 360 und 84,4 km ist schon etwas ganz Besonders.“ Nach 28 Stunden, 49 Minuten und 57 Sekunden erreichte Friedrich May als 17. das Ziel. Insgesamt kamen 44, also nur gut zwei Drittel der Athleten an. 

Das Ziel erreicht 

Was tut man, wenn man am Samstag früh morgens losschwimmt und sonntagmittags laufend nach 452 Kilometern ins Ziel kommt? Richtig! Man trinkt ein Bier. „Das hatten wir uns vorgenommen. Wir hatten ein kaltes Bier im Wohnwagen vorbereitet“, hatte die Trainerin dafür natürlich auch gesorgt. Und bei einem blieb es nicht: „Er hat sogar zwei getrunken.“ Danach hieß es erst einmal: duschen, schlafen. Später ging es zur Siegerehrung. 

Und jetzt? 

Jetzt ist erst einmal Spazierengehen angesagt. „Er darf Sport machen, wenn er möchte“, verrät die Trainerin. Denn das Ultra-Training ist abgehakt. Das große Ziel erreicht. Geplant ist erst einmal nur ein ganz normaler „Iron Man“ im September in Italien. Nur – immer eine Frage der Perspektive. Und weitere Ambitionen in Sachen „Ultra“? „Die haben wir nicht“, sagte Heidrun May. Zumindest „im Moment.“

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