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Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Kraft- und Rehasportler sind dankbar

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Von: Klaus Bunte

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Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Mathias Gabinski.
Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Mathias Gabinski. © Klaus Bunte

Die Fitnessstudios im Kreis Soest öffnen wieder - sehr zur Freude von Kraft- und Reha-Sportlern. Die zeigen aber auch vor allem eines: Dankbarkeit.

Herzfeld - Seit einer halben Stunde hat das Lippetaler Fitness Center geöffnet, doch noch ist kein Sportler in Sicht. Kein Wunder: „Die warten alle noch auf ihren Schnelltest“, meint Mario Holtewert, der das Studio im selben Gebäudekomplex betreibt wie das Lippetaler Event Center – und dort wird getestet. Beziehungsweise davor. Denn während sich am Samstag der Parkplatz nur langsam füllt, stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange vor dem Drive-In-Testzentrum. Und nun, da man wieder Sport treiben darf und in die Gastronomie, wollen sich dafür offenbar alle auf einmal testen lassen. Die App Chayns, die zur schnellen Anmeldung genutzt wird, „die ist wohl überlastet“, mutmaßt Holtewert. Und zwar noch bis tief in den Tag hinein. Die Daten werden von Hand erfasst, im laufe des Tages füllt sich das Studio dann doch noch.

Als erster Gast nach Monaten der Schließung kommt Ursula Niggemeier-Kaufmann zur Tür herein. „Ich hatte 2015 einen Bandscheibenvorall, davor Probleme mit der Hüfte. Seit über vier Jahren komme ich her, habe Reha-Sport betrieben, und durch den Muskelaufbau fehlte mir nichts. Doch durch den langen zweiten Lockdown sind die Schmerzen wieder da – obwohl ich daheim Übungen mache. Doch die können das Fitnessstudio nicht ersetzen. Jetzt ist es Zeit, mich wieder fit zu machen.“

Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Manchen geht es um Fitness

Mit 24 Jahren ist der zweite Gast an diesem Morgen nicht wegen Rückenprobleme hier, Festim Karimani geht es um Fitness: „Zu Hause Workout zu betrieben, das ist einfach nicht das Gleiche“, habe er feststellen müssen – auch an den Hüften. „Es ist schwerer, die Motivation aufzubringen und nach spätestens zwei Wochen hat man schon keine Lust mehr. Man merkt, man wird fauler, bewegt sich weniger, hält sich auch nicht mehr an die Ernährung und baut Muskeln ab. Wenn man nur zuhause sitzt und kein anderes Leben mehr führt, dann kommt da nach all den Monaten einiges zusammen. Dabei hätte bei all diesen Hygienekonzepten doch gar nicht passieren können.“

Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Festim Karimani.
Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Festim Karimani. © Klaus Bunte

Dass zumindest jetzt etwas passieren könnte, schließt auch Frederik Dirksen, Juniorchef im nahen Lippe Vital, aus: „Ich glaube, die Gefahr, vom Auto überfahren zu werden, ist größer, als sich hier bei uns mit Corona zu infizieren.“ Das Studio hat bereits eine halbe Stunde früher geöffnet als das Fitness Center, entsprechend voller ist es hier bereits. Insgesamt komme es auf ungefähr die gleiche Belegung wie an den Samstagen vor Corona.

In den vergangenen Monaten begegnete Dirksen den Mitgliedern seines Clubs nur im Supermarkt oder in der Apotheke, „dann fragten sie mich immer, wann wir endlich wieder öffnen. Das waren in der Regel Leute, die Beschwerden wegtrainiert hatten, die jetzt wiederkommen.“ Dabei sei Muskeltraining auch eine gute Waffe gegen Corona, „denn es wirkt sich auch aufs Immunsystem aus, durch Myokine, hormonähnliche Botenstoffe, die in den Muskeln gebildet und ausgeschüttet werden“.

„Endlich“, ist das erste Wort, mit dem ihn ein muskulöser junger Mann begrüßt. Mathias Gabinski, in Soest geboren, in Lippetal aufgewachsen, lebt heute in Lippstadt, „und dort war ich zwar joggen, aber meist mit FFP2-Maske. Denn bevor ich versehentlich ohne Maske durch eine Straße in der Innenstadt laufe, in der sie Pflicht ist, habe ich sie lieber die ganze Zeit getragen. Da geht einem rasch die Luft aus. Zumal, wenn sie richtig nass ist, ist sie dicht, dann bekommt man gar keine Luft mehr. Läuft man dann am nächsten Tag irgendwo, wo das ohne Maske möglich ist, läuft man wie Usain Bolt.“

Fitness-Studios im Kreis Soest öffnen wieder: Kampf dem Bauch

Doch dem Laufen zum Trotz, ein paar Kilo habe er schon zugelegt, und zwar nicht am Bizeps: „Der Bauch sah schon mal besser aus. Hätte ich aber gar keinen Sport gemacht und so gegessen, wie ich nun einmal esse, sähe das noch anders aus. Aber für den Bauch gibt es keine Maske.“ Bei den Hanteln dagegen werde er nun ein paar Kilo weniger auflegen, um den Körper nicht gleich zu überlasten.

Mit der Maske zu trainieren ist für Johannes Becker „das kleinere Übel“, so der 65-Jährige. „Ich nehme es in Kauf, weil ich weiß, wie wichtig die Maske ist. Doch ich habe zwei Bandscheiben-OPs hinter mir. Ich habe im Lockdown wirklich gemerkt, dass es wieder schlimmer wurde. Zum Beispiel morgens, nach dem Aufstehen, nahm die Beweglichkeit deutlich ab. Deshalb habe ich wirklich sehnlichst darauf gewartet, dass es endlich wieder weiter geht.“

Nun hoffe alle sehnlichst, dass es auch wirklich weitergehen kann. „denn wenn die Inzidenzen wieder zu sehr steigen, werden wir wohl als erste wieder schließen müssen“, fürchtet Mario Holtewert.

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