Ex-Soester Sebastian Hille agiert als Co-Trainer beim Bundesligisten Arminia Bielefeld

Von der Werkstraße auf die Alm

Sebastian Hille arbeitet seit über vier Jahren als Co-Trainer bei Arminia Bielefeld.
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Sebastian Hille arbeitet seit über vier Jahren als Co-Trainer bei Arminia Bielefeld.

Bielefeld – Seine fußballerische Wiege steht an der Werkstraße im Soester Norden, seine aktuelle Wirkungsstätte liegt eine Fahrstunde weiter nordöstlich. Genau 80 Kilometer sind es vom ehemaligen Eisenbahner-Verein in der Börde auf die Bielefelder Alm, wo Sebastian Hille als Co-Trainer bei den Bundesliga-Profis der Arminia seinen Beitrag dazu leisten will, dass der Aufsteiger aus Ostwestfalen in der Elite-Klasse des deutschen Fußballs den Klassenerhalt schafft.

Seit 2016 assistiert der heute 40-Jährige dem Cheftrainer. „In Absprache mit Uwe Neuhaus und Teammanagerin Caroline Klose bin ich beispielsweise für die Abläufe rund um die Heim- und Auswärtsspiele zuständig“, umreist der ehemalige Soester einen Teil seines Aufgabengebietes. Er organisiert die Trainingsplanung von montags bis sonntags, übernimmt auf dem Platz bestimmte Trainingsformen.

„Einer meiner Haupttage auf dem Platz ist der Donnerstag. Da simuliere ich mit der B-Elf im Trainingsspiel den kommenden Gegner“, gibt Hille einen Einblick in den Trainingsalltag beim Bundesligisten aus Ostwestfalen. Daher studiert er die nächsten Gegner besonders intensiv, muss in dieser Woche Hertha BSC Berlin genau unter die Lupe nehmen. Per Videoanalyse werden die Laufwege der Gegner studiert, ebenso das Verhalten bei Standard-Situationen.

Im Hinblick auf das kommende Wochenende erscheint das besonders wichtig. Denn gegen die Gäste aus der Hauptstadt soll am Sonntagabend auf der Alm gepunktet werden, am besten dreifach. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Klasse halten können“, gibt sich der Co-Trainer der Arminia optimistisch kurz vor dem Ende der Hinrunde. Der Aufsteiger rangiert aktuell auf dem Relegationsplatz.

„Wir sind mit Ausnahme des Spiels gegen Union Berlin nie untergegangen, haben meist gut mitgehalten, oft nur knapp verloren“, verweist Hille auf enge Spiele gegen etablierte Kontrahenten. So verlor Bielefeld zuletzt gegen Mönchengladbach mit 0:1. „Wir hatten vielleicht gegen die großen Namen zuviel Respekt. Das ist jetzt aber abgehakt, jetzt gehen wir besser in die Zweikämpfe“, sieht er seine Mannschaft auf einem guten Weg.

Den begleitet der ehemalige Jugendkicker von der Werkstraße schon seit fast einem Jahrzehnt. 2011 führte ihn der Weg auf die Alm nach Stationen in Gütersloh, Hövelhof, Bochum und Dortmund. In Bochum hatte er neben 23 Zweitliga-Spielen auch einen Einsatz in der Bundesliga. In Bielefeld setzte sich Hille 2013 ein Denkmal, als er das Siegtor gegen den VfL Osnabrück erzielte, das der Arminia den Weg in die 2. Liga ebnete.

Eltern in Schwefe

Vor fünf Jahren beendete der Ex-Soester, dessen Eltern in Schwefe wohnen, seine aktive Laufbahn. „Ich hatte zwar noch Angebote aus der 3. Liga. Auch hätte ich noch in die USA gehen können für ein Jahr. Das wäre ein Traum gewesen. Doch als mir Arminias Geschäftsführer Samir Arabi einen Anschlussvertrag anbot, habe ich zugegriffen“, erschien ihm dieser Weg im schnelllebigen Fußballgeschäft als der bessere.

Hille übernahm die Aufgabe als Co-Trainer der U19 und war zugleich im Marketing-Bereich für Sponsoren-Termine und Akquise zuständig. „Das habe ich aber nur zwei Monate gemacht. Dann wurde die damalige Teammanagerin schwanger“, übernahm er in der Folge die Aufgaben als Assistent der Geschäftsführung neben seiner Rolle auf dem Platz als Co der U19, mit der der Aufstieg in die A-Junioren-Bundesliga gelang.

Anderthalb Jahre meisterte er die Mehrfach-Belastung, hatte nach der Entlassung des damaligen Cheftrainers Rüdiger Rehm sogar interimsweise neben Carsten Rump als Coach beim Pokalspiel in Dresden und bei zwei Zweitliga-Spielen fungiert. Unter dem Rehm-Nachfolger Jürgen Kramny übernahm er das Amt des Co-Trainers im November 2016 – die Rolle, die er heute noch ausübt.

Diese Doppelfunktion war aber nicht mehr zu schaffen, als sich mit Töchterlein Ima erstmals Nachwuchs im Hause daheim im Dortmunder Süden ankündigte, der zwei Jahre später der kleine Bruder Leo folgte. Fortan konzentrierte sich Sebastian Hille auf den Job als Co-Trainer, war dabei zeitweise auch zuständig für die Heranführung der Nachwuchsspieler.

„Es macht unheimlich viel Spaß“, fühlt sich Hille in seiner Rolle auf der Alm pudelwohl. Dabei ist er dankbar, dass der Profifußball trotz der Pandemie läuft. „Wir genießen da schon ein Privileg“, verweist er auf die Corona-Tests, die alle drei Tage bei den Spielern und Trainern vorgenommen werden. Gleichwohl tut es ihm ein stückweit leid, dass die Spieler die Stimmung nicht in vollen Zügen genießen können: „Es ist schon schade, dass es nach dem Aufstieg keine Party vor dem Rathaus gab. Und vor leeren Rängen zu spielen, beflügelt die Spieler auch nicht gerade. Denn die Zuschauer sind doch ein wichtiger Teil.“

Corona hat derweil auch Hilles Pläne zunichtegemacht, einen A-Lizenz-Lehrgang zu besuchen. Nachdem er die DFB-Jugend-Elite-Lizenz absolviert hatte, wäre dieser nächste Schritt in diesem Winter an der Reihe gewesen. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Das ist zwar auf Eis gelegt. Doch ich will später auch noch den Fußball-Lehrer machen“, ist Hille voller Tatendrang.

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