Volleyball

Ende einer Ära im Werler Volleyball

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Auf der Beach-Volleyballanlage im Werler Sportpark aktiv: (oben von links) Andrea Berz, Sabine Gerwin, Silvia Kulik, Karin Kemper (unten von links) Gitti Schmidt, Cilly Reffelmann, Conny Hunecke und Sabine Hüttenbrink.

Jahrelang haben sie die Flagge der DJK Werl im Volleyball hoch gehalten. Jetzt verabschieden sich die Damen der Grün-Weißen aus dem aktiven Sport, melden keine Mannschaft mehr und beschränken sich fortan auf ihr montägliches Training.

Werl – Wer ihnen so zuschaut auf der Beach-Volleyballanlage neben dem Werler Freibad, mag gar nicht glauben, dass sie nicht weitermachen. Da tummeln sich acht junggebliebene Ladys, baggern, pritschen und hechten, dass der Sand nur so aufspritzt. Doch ihr Entschluss ist nach reiflicher Überlegung gereift, einmütig, wenn auch nicht ohne Diskussion, gefallen. 

„Das Personal war einfach zu knapp“, weist Cilly Reffelmann als Mannschaftssprecherin auf das größte Manko hin. Ein Problem, dass sich über Jahre mehr und mehr zugespitzt hat und nun dafür sorgte, dass es keine Perspektive mehr gibt für eine Saison 20/21 in der Bezirksliga. 

Denn zum einen ist mit Susanne Eikel eine junge Spielerin durch ihre Schwangerschaft raus, zum anderen ist Sabrina Reffelmann auswärtig im Studium. Die Hoffnung, der Nachwuchs aus der in der Kreisliga spielenden zweiten Damenmannschaft könne den Kader aufstocken, schwand ebenfalls. Denn die Youngsters zerstreuen sich nach dem Abitur durch Studium etc. in alle Himmelsrichtungen. 

Hier und da zwickt es mittlerweile

Schließlich kam der restliche Kader zur Erkenntnis, dass es einfach nicht mehr geht. „Wir werden ja nicht jünger, es gibt immer mehr Wehwehchen“, weiß Reffelmann, dass es nach im Schnitt 30 Jahren Volleyball oder länger doch hier und da zwickt bei der ein oder anderen. „Zwei, drei Spielerinnen hätten noch gern weiter gemacht, doch es hat keinen Zweck mehr“, mussten sich Reffelmann und Co. eingestehen. 

So endete die lange Geschichte dieser Mannschaft Anfang März mit der 1:3-Niederlage gegen den TuS Echthausen und dem sechsten Platz in der Bezirksliga 10 mit elf Punkten nach drei Siegen und neun Niederlagen. Fast ein Vierteljahrhundert haben die DJK-Damen den Ball übers Netz gespielt, wobei einige von ihnen vorher schon 20 Jahre am Ball waren. 

Begonnen hat ihre Geschichte im Juni 1975, als in Westönnen Marianne Langnickel und Karin Panke die Idee hatten, eine Damen- Volleyballabteilung zu gründen. Wegen des großen Interesses vieler junger Mädchen stimmte der Vorstand von RW Westönnen der Gründung zu, im Juli fand das erste Training unter der Leitung von Ingrid Baumann statt. 30 Mädchen waren erschienen. Ein Jahr lang wurde trainiert, dabei kristallisierte sich ein Stamm von 15 Mädchen heraus, im Jahr darauf gab es die ersten Testspiele. Zwei Jahre nach der Gründung meldete RWW eine Damenmannschaft für die Kreisliga, im Oktober 1977 fand das erste Spiel statt. Eintracht Heessen wurde mit einem 3:0 nach Hause geschickt. Am Ende der Saison belegten die RWW-Damen den fünften Platz. 

Wechsel zur DJK Werl

Schon ein Jahr später gelang als Vizemeister der Aufstieg in die Bezirksklasse, in der sich das junge Team zwei Jahre hielt. Es folgten sieben Jahre in der Bezirksklasse, ehe 1992 der erstmalige Aufstieg in die Bezirksliga gelang unter Trainer Jean van Nerum. Es schlossen sich Jahre des Auf und Ab an, ehe es nach der Saison 95/96 in der Mannschaft gärte. Die Westönner Sporthalle erwies sich als zu klein für anspruchsvolles Training, stand auch nur selten zur Verfügung. In letzter Konsequenz meldete sich die Damenmannschaft von RWW ab und wechselte zur DJK GW Werl, wo es bessere Trainingsmöglichkeiten gab. 

Seit diesem Paukenschlag spielte das Team unter DJK-Flagge. So manche Unkenrufe erwiesen sich als haltlos, die den Spielerinnen bestenfalls zwei, drei Jahre Volleyball noch zutrauten, ehe sie in den Ruhestand gehen würden. Die Volleyballerinnen setzten im Werler Trikot sogar zu einem Höhenflug an, schafften sofort 1997 den Aufstieg in die Bezirksliga unter ihrem Trainerduo Ralf Rades und Jörg Wiesner. 2001 setzten sie noch eins drauf und wurden mit ihrem neuen Trainer Thomas Rasche Meister der Bezirksliga, stiegen damit in die Landesliga auf. 

Dort gelang im ersten Jahr der Klassenerhalt und nach dem Abstieg 2003 mehr als ein Jahrzehnt in der Bezirksliga. Im elften Jahr ihrer Zugehörigkeit zur Bezirksliga 10, spielten die Damen eine sensationelle Saison. Mit Manfred Greune und Christian Jatzek als Coaches lief es wie am Schnürchen. In der Rückrunde holten die DJK-Volleyballerinnen 22 Punkte, fuhren insgesamt 14 Siege ein und ließen Störmede dank eines mehr gewonnenen Satzes in der Abschlusstabelle hinter sich. 

Zukunft mit den U18-Mädchen

Der Aufstieg in die Landesliga war umso erstaunlicher, als die Mannschaft einen Altersdurchschnitt von 46,6 Jahren aufwies. Ohne die jüngste Spielerin, Nina Hellmeier, hätte der Durchschnitt sogar bei 48,6 Jahren gelegen. Fünf Stammspielerinnen hatten zu dem Zeitpunkt ihr fünftes Lebensjahrzehnt bereits abgeschlossen. 

Nun sind weitere vier Jahre ins Land gezogen, nach einer Saison in der Landesliga nisteten sich die Werlerinnen wieder in der Bezirksliga ein. Ein weiteres Jahr aber wird es nicht mehr geben. Gleichwohl stellen sie das Training nicht ein, treffen sich in der Sommerzeit regelmäßig auf der Beach-Volleyball-Anlage im Sportpark oder wieder in der Halle. 

Dabei werden sie auch beobachten, wie sich der Nachwuchs macht. Denn unter Federführung von Annette Tabor-Schneider üben die U18-Mädchen für die nächste Saison; und es gibt eine U14-Mixed-Mannschaft. Der Name DJK Werl wird also trotz des Rückzugs der Damen nicht von der Volleyball-Landkarte gestrichen.

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