„Einsamer“ Sieger beim Debüt

SOEST ▪ Er strahlte nach dem Zieleinlauf nicht nur über das ganze Gesicht, sondern machte außerdem den Eindruck, nicht sonderlich erschöpft zu sein. Und das, obwohl er gerade eben in hohem Tempo und bei eisigen Temperaturen die 15 Kilometer von der Werler Stadthalle auf den Soester Marktplatz zurückgelegt und damit in beeindruckender Manier die schnellste Zeit beim 29. Silvesterlauf hingelegt hatte. Und das auch noch gleich bei seiner ersten Teilnahme.

„Ich kann ganz gut einschätzen, wie ich mir mein Tempo und meine Kräfte einteilen muss“, wollte Daniel Schmidt seinen Sieg beim längst zur Tradition gewordenen sportlichen Highlight des Jahres hinterher nicht überbewertet wissen. Stolz auf seinen Erfolg und seine beachtliche Zeit von 46:43 Minuten war der Läufer der LG Remscheid aber dennoch – auch weil er mit dem Zweitplatzierten Christian Gemke (LAZ Troisdorf/Siegburg) noch eine Rechnung offen gehabt hätte. „Christian hat mich bei einem Wettkampf in Leverkusen mal noch eingeholt, obwohl er lange Zeit nur Vierter war. Dafür habe ich mich heute gewissermaßen revanchiert. Langsamer werden konnte ich ohnehin nicht, denn Christian ist ein starker Gegner und hätte mich sicherlich eingeholt, wenn ich langsamer geworden wäre“, freute sich Schmidt, der mit einem Trikot, Armstulpen und kurzer Hose angesichts der Temperaturen äußerst spärlich bekleidet an den Start gegangen war.

Schmidt: Auf graden Strecken „einsam gefühlt“

Die Kälte allerdings habe ihm nicht zu schaffen gemacht, versicherte der 24 Jährige, es seien vielmehr die geraden und einsamen Abschnitte auf der B1 gewesen, die ihn vor Schwierigkeiten gestellt hätten: „Man konnte unglaublich weit geradeaus gucken und hatte nichts vor sich. Das sind die Momente, wo man sich einsam fühlt und seinen inneren Schweinehund überwinden muss.“ Die „tolle Stimmung am Rand“ hätte ihn allerdings zusätzlich motiviert, erklärte Schmidt, dessen Teilnahme am Silvesterlauf sich erst vor zwei Tagen entschieden habe: „Ich komme aus dem Bergischen, wo ähnliche Läufe aufgrund des Wetters in den letzten Tagen abgesagt worden sind. Als ich von dem Lauf von Werl nach Soest gelesen habe, habe ich mich spontan hierfür entschieden.“

Gemke: Gas gegeben und sich beinahe übergeben

Zufrieden war auch Christian Gemke – aus zwei Gründen: Einerseits erkannte der Troisdorfer nach dem Rennen ehrlich an, dass Daniel Schmidt „heute einfach nicht zu schlagen“ gewesen und ein „wirklich starkes Rennen“ gelaufen war. 2009 hatte sich Gemke bitter über den späteren Sieger Christian Schreiner beschwert, der ihn auf der gesamten Strecke die kräftezehrende Führungsarbeit hatte leisten lassen, um dann kurz vor dem Ziel das Tempo anzuziehen und den den ersten Platz einzufahren. Andererseits war der erneute „zweite Sieger“ mit seiner Leistung vollauf zufrieden, da er seine Zeit aus dem Jahr 2009 (48:31 Minuten) um knapp anderthalb Minuten verbessert hatte. „Ich habe richtig Gas gegeben und mich erfreulicherweise deutlich verbessert“, erklärte Gemke –¨und sich dabei fast überanstrengt, denn „ich mich hätte zwischenzeitlich fast übergeben“.

Etwas übernommen hatte sich der Drittplatzierte Fynn Schwiegelshohn. Von vielen als großer Favorit gehandelt, verschätzte sich der 22-Jährige mit dem Tempo. „Nach rund zehn Kilometern habe ich gemerkt, das ich zu schnell angefangen habe“, analysierte Schwiegelshoh selbstkritisch. Gleichzeitig lobte er Schmidt und Gemke, die „beide unglaublich konstant“ gelaufen seien. Der Silvesterlauf an sich sei eine „Klasseveranstaltung“, an der er auch 2011 teilnehmen wolle, kündigte der Drittschnellste an. ▪ pri

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare