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Die Zahl der Junioren-Teams auf Kreisebene sinkt seit Jahren - was ist zu tun?

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Es gibt immer weniger Mannschaften in den Jugendklassen, viele Vereine retten sich mit Jugendspielgemeinschaften. Der Kreispokal der A-Junioren beginnt schon mit dem Viertelfinale: Hier eine Spielszene der Partie der Jugendspielgemeinschaft von Soest-Müllingsen, Lippetal, Oestinghausen und Hovestadt gegen den VfJ Lippborg.
Es gibt immer weniger Mannschaften in den Jugendklassen, viele Vereine retten sich mit Jugendspielgemeinschaften. Der Kreispokal der A-Junioren beginnt schon mit dem Viertelfinale: Hier eine Spielszene der Partie der Jugendspielgemeinschaft von Soest-Müllingsen, Lippetal, Oestinghausen und Hovestadt gegen den VfJ Lippborg. © Groener

Von Jahr zu Jahr sinkt die Zahl der Jugendmannschaften im Fußball-Kreis Soest, auch die Vereine werden immer kleiner. Im A-Jugend-Bereich spielen in der aktuellen Saison nur acht Mannschaften. Die Anzahl der Teams ist in den vergangenen zehn Jahren rapide runtergegangen.

Kreis Soest – Eine Folge: Immer mehr Vereine bilden eine Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen, halten so den Spielbetrieb für die eigenen Jugendlichen aufrecht. Besserung ist nicht in Sicht. Verantwortliche aller Vereine rechnen damit, dass es weiterhin immer weniger Jugendmannschaften geben wird – und machen sich Gedanken.

Ein Verein, der noch eigenständige Mannschaften ins Rennen schickt, ist BW Büderich. „Unser Verein ist sehr familiär und ist auf der Vorstandsebene und auf der Trainerebene sehr gut aufgestellt“, berichtet Jugendleiter Sascha Fronz. „Außerdem haben wir eine sehr gute Anlage und hier in der Umgebung reichlich Jugendliche, die Fußball spielen wollen.“ Das seien Hauptgründe dafür, die dazu führen, dass der Verein noch eigenständig ist, so Fronz. Beim Thema „Zusammenlegung von Kreisen“ sieht er noch keinen Bedarf: „Noch sind genug Mannschaften vorhanden, um den Spielbetrieb durchzuführen. Außerdem ist es für die Kinder und für die Eltern Aufwand, wenn die Kreise zusammengelegt werden sollten, allein schon wegen der Fahrten zu den Spielen.“

Kreisvorstand um Erich Kreyenbrink: Kooperationen mit anderen Kreisen sind denkbar

Erich Kreyenbrink, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses im FLVW-Kreis Soest, macht sich Gedanken über den Schwund im Jugendfußball: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir mehr als 25 Prozent der Jugendlichen verloren, die Fußball spielen. Meistens ab der C-Jugend hören viele Jugendliche auf, weil sie andere Interessen haben. Dadurch fehlen uns natürlich die Jugendlichen für mehr Mannschaften.“ Eine perfekte Lösung gebe es nicht, betont Erich Kreyenbrink.

Der FLVW-Kreis und auch der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) suchen nach Lösungen: „Es gibt verschiedene Ansätze, wie wir den Spielbetrieb weiter am Laufen halten können. Ein Ansatz wäre, dass wir mit einem anderen Kreis kooperieren. Wir haben auch schon probiert, die Spielzeiten zu verändern, sodass man von Freitag bis Sonntag spielen kann. Aber auch dieser Ansatz hat nichts bewirkt. Weitere Ansätze, um dem Trend entgegenzuwirken, werden im Rahmen des Kreisjugendtags in April besprochen.“

Auch Burkhard Kree-Lange von der TuS Wickede, die ihre Jugendteams in der JSG Wickede/Voßwinkel/Echthausen starten lässt, würde es besser finden, wenn es mehr Mannschaften geben würde: „Na klar wäre es besser, wenn mehr Mannschaften vorhanden wären. Aber auf Dauer wird sich das nicht ändern. Im Gegenteil, es werden eher noch weniger Mannschaften werden im Laufe der Jahre.“ Viele Jugendliche bekämen andere Interessen, Fußball rücke in den Hintergrund.

Durch die kleine Liga sinkt nicht nur die Zahl der Mannschaften und Spiele, auch die Winterpause ist in einer Saison mit einer Doppelrunde länger – in dieser Saison von November bis März. „Die Pause überbrücken wir mit vielen Testspielen. Die Jungs können nicht vier Monate am Stück nur trainieren und nicht spielen“, berichtet Kree-Lange.

Unterschiedliche Konzepte

Immerhin funktioniere die Kommunikation innerhalb der JSG gut. Das sei wichtig, wenn sich mehrere Vereine zusammentun. „Die Kommunikation zwischen den Vereinen ist gut und es gab bis jetzt keine Probleme. Sie läuft über die jeweiligen Jugendleiter der Vereine“, so Kree-Lange.

Eine Jugendspielgemeinschaft ins Leben gerufen haben die Enser Vereine mit dem Gemeinschaftsprojekt FC Ense. Dessen Leiter, Darius Hahn, findet es ebenfalls sehr schade, dass es immer weniger Mannschaften gibt: „Heutzutage gestalten Jugendliche ihre Freizeit anders, weil sie viel mehr Möglichkeiten haben als früher. Außerdem darf man nicht vergessen, dass Fußball nur ein Hobby für sie ist. Je älter sie werden, umso mehr müssen sie auch Verantwortung tragen. Natürlich liegt viel an den Menschen selber, wie viel Zeit sie in ihr Hobby stecken oder mit welchem Aufwand sie das Hobby betreiben.“ Es liege auch daran, was der Verein macht und wie viel Zeit man in diesen Verein stecke. Hahn und der FC Ense bemühen sich daher, das Hobby Fußball durch zusätzliche Angebote attraktiver zu gestalten für die Jugendlichen.

Eine Mannschaft steht besonders beispielhaft dafür, dass es immer weniger jugendliche Fußballer gibt. Fünf Vereine haben sich zur Jugendspielgemeinschaft aus Westönnen, Welver, Schwefe, Borgeln und Ostönnen zusammengetan. Sie alle meldeten einst eigene Mannschaften.

Marcel Voß, 2. Vorsitzender des SV Welver, glaubt, dass sich das in Zukunft „leider“ nicht verändern wird: „Es ist wirklich schade für den Fußball, dass es nur noch so wenige Mannschaften gibt und es immer mehr und größere Spielgemeinschaften geben wird. Durch Spielgemeinschaften mit den Nachbarvereinen gehen auch Derbys flöten. Diese besonderen Spiele in einer Saison gehen einfach verloren.“

Er weist auch darauf hin, dass die Pokal-Wettbewerbe so an Wert verloren hätten: „Die Pokalrunden fangen ja mittlerweile schon im Viertelfinale an.“

Eine JSG habe auch nicht nur Vorteile, wie Voß berichtet: „Das Problem bei einer Spielgemeinschaft ist, dass die Jugendlichen nicht mehr nur im eigenen Dorf kicken können, sondern auch in die anderen Dörfer fahren müssen, um zu trainieren oder zu spielen.“

Wenn man Richtung Senioren guckt, dann gibt es in diesem Bereich keinen Mangel an Spielern. Deswegen vermutet der 2. Vorsitzende des SV Welver: „Vielleicht ist es bei den 15- bis 20-Jährigen auch nur eine gewisse Zeit so, dass sie andere Prioritäten setzen oder sich auf andere Dinge konzentrieren und dann wieder im Seniorenbereich anfangen wollen.“

VON LEON KOTEWITSCH

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