Die Abwesenheit der Torjäger in der Kreisliga A Soest

Tom Scheele von RW Westönnen II, hier gegen den SC Lippetal (vorne), führt gemeinsam mit Mirsad Masuku die Torschützenliste der Kreisliga A an.
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Tom Scheele von RW Westönnen II, hier gegen den SC Lippetal (vorne), führt gemeinsam mit Mirsad Masuku die Torschützenliste der Kreisliga A an.

Kreis Soest – Während Nick Weber als Angreifer des Spitzenreiters SG Oestinghausen in der Bezirksliga 7 alles kurz und klein ballert und bereits 15 Saisontore nach sechs Spielen erzielt hat und auch Mario Jurss vom Ligarivalen SVW Soest mit acht Treffern einen beachtlichen Wert aufweist, scheint eine Etage tiefer in der Kreisliga A Folgendes zu gelten: die Abwesenheit der Torjäger.

Denn nach sechs Spieltagen führen die Torjägerliste Mirsad Masuku von Germania Hovestadt und Tom Scheele von RW Westönnen II an – dafür reichen ihnen jeweils überschaubare fünf Tore. Dahinter folgen gleich sieben Akteure, die es bislang auf vier Treffer gebracht haben. Dabei gab es durchaus Ergebnisse wie das 10:0 am zweiten Spieltag von Bad Sassendorf beim TuS Schwefe, in denen ein Spieler durch eine Vielzahl an Toren hätte herausragen können.

Insgesamt kommen die Sassendorfer auch auf 15 Treffer, erzielten also in den restlichen vier Partien nur fünf weitere Tore. Damit stellen sie trotzdem zusammen mit dem TuS Bremen den besten Angriff der Liga. Möhnesee (zwei Gegentore), Wickede (ohne Gegentreffer), Bad Sassendorf (ein Gegentreffer) halten es eher mit dem Motto des Schalker Kult-Trainers Huub Stevens: „Die Null muss stehen.“ Sie legen Wert auf die Verteidigung.

Ist die Situation für den herkömmlichen Torjäger in der Liga schwieriger geworden? Tobias Walter, Trainer der Westönner Reserve und damit von Tom Scheele, glaubt das nicht: „Es kommt darauf an, was die Mannschaft für einen Spielstil hat. Häufig sind die Topstürmer der Liga bekannt und der Gegner stellt sich auf sie ein, die kriegen dann Sonderbewacher.“

Andere Mannschaften würden die Arbeit auf mehrere Schultern verteilen. „Da gibt es dann nicht den einen Torjäger, der vornewegmarschiert.“ Bei Westönnen II zeigt sich neben Scheele auch Niklas Pleuger treffsicher, der bereits bei vier Saisontoren steht. Einen herausragenden Torjäger – wie Nick Weber in der Bezirksliga – sieht Walter in der A-Kreisliga keinen. „Es gibt viele gute Stürmer, aber niemanden, der ein Spiel alleine entscheiden kann.“

Das könnte auch daran liegen, dass viele Spieler, die die Rangliste in der vergangenen Saison geprägt haben, aktuell ausfallen. SuS Scheidingen wartet momentan auf die Rückkehr von Justin Schlütermann, dem Top-Torjäger der vergangenen Saison in der Kreisliga B.

Verletzungspech bei erfolgreichen Knipsern

Auch Julius Goldstein vom SC Lippetal, der in der abgebrochenen Vorsaison 19 Treffer erzielte und damit die Torschützenliste anführte, hatte bislang Pech. Er fehlt in dieser Saison bisher verletzt, möchte aber bald wieder einsteigen (siehe Interview). Auch Maik Seifried von der TuS Wickede, der in der Vorsaison zwölf Tore schoss, ist derzeit verletzt. Die Wickeder stehen allerdings trotzdem gut da und haben bei 14 geschossenen Toren noch keins kassiert.

Hat die Liga einfach zu wenig Durchschlagskraft? TuS-Trainer Andreas Bücker verneint das. Für ihn sind die knappen Spiele ein Zeichen hoher Qualität in der Liga. „Wenn man sich die Ergebnisse in der Kreisliga Iserlohn anschaut, hat man da in fünf Spielen 50 Tore. Das ist absoluter Wahnsinn und hat wenig mit Fußball zu tun. Wenn ein Spiel 2:1 ausgeht, dann waren das zwei Mannschaften, die auf Augenhöhe spielen“, so Bücker. „Ein Trainer von mir hat immer gesagt: Wenn auf zwei Seiten viele Tore fallen, haben zwei schlechte Mannschaften gegeneinander gespielt.“ Von dieser Regel gebe es aber natürlich auch Ausnahmen.

Von seinem verletzten Torjäger dürfe man nach seiner Genesung nicht zuviel verlangen. Er habe jedoch einen Instinkt, den man nicht häufig finde. Doch auch Oleg Kretz und Filipe Lopes, die bislang dreimal für die TuS trafen, machen ihre Sache gut.

Mirsad Masuku, der für Germania Hovestadt aufläuft und in der Vorsaison 13 Tore schoss, steht an der Spitze der Torjägertabelle. Doch Hovestadt-Trainer Christian Klotz tritt auf die Euphoriebremse. „Nach sechs Spieltagen kann man noch nicht viele Aussagen treffen. Es hängt immer von den Gegnern ab.“ Die Tagesform sei entscheidend.

Zudem sei jedes Team unterschiedlich: „Jede Mannschaft hat einen unterschiedlichen Charakter, andere Spielertypen, eine andere Spielform“, erklärt Klotz. Zudem möchte er seinen Stürmer nicht auf ein Podest heben. „Wir dürfen unser Spiel nicht nur an Mirsad festmachen. Er hat viele Tore geschossen und wird uns noch diverse Punkte retten, aber ein Fußballspiel ist immer eine Mannschaftsleistung“, so Klotz. „Jeder hat seine Aufgaben. Mirsad ist das Ende der Kette, das den Ball ins Tor spielt, aber die anderen Glieder der Kette sind genauso wichtig.“

Julius Goldstein (Mitte) traf in der vergangenen Saison 19 Mal.

Julius Goldstein: „Für mich werden Spiele im Kopf entschieden“

Julius Goldstein ist amtierender Torschützenkönig in der Kreisliga A, stand wegen einer Verletzung aber seit März nicht mehr auf dem Platz. Im Gespräch mit Maximilian Zienau erklärt er, was ein Torjäger mitbringen muss.

Was zeichnet einen Torjäger Ihrer Meinung nach aus? Meiner Meinung nach spielen Geduld und Frustrationstoleranz eine sehr große Rolle. In unserer Liga kommt es nicht unbedingt auf die beste Ballverarbeitung oder das beste Dribbling an. Es muss einem Stürmer egal sein, dass er vor fünf Minuten noch eine gute Torchance vergeben hat oder ihm der Ball vor dem Tor versprungen ist. In der nächsten Situation muss er mit der gleichen Konzentration und dem gleichen Selbstbewusstsein vor dem Tor stehen. Natürlich helfen Eigenschaften wie Schnelligkeit oder Kopfballstärke, dieses Selbstbewusstsein vorher schon zu steigern. Für mich werden Spiele jedoch immer noch im Kopf entschieden.

Bisher haben die erfolgreichsten Torschützen im Vergleich zu anderen Ligen erst relativ wenige Treffer. Haben Sie eine Erklärung dafür? Ich glaube, nach fünf Spielen hat die Torjäger-Tabelle noch keine große Aussagekraft. Hier kommt es oft darauf an, welche Gegner man zum Start der Saison hatte. Nach der Hinrunde, wo jeder einmal gegen jeden gespielt hat, kann man ein erstes Fazit ziehen.

Gibt es eine Prognose, wann Sie wieder auf Torejagd gehen können? Ich bin diese Woche wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Wenn alles gut verläuft, werde ich in den kommenden Spielen bestimmt wieder ein paar Minuten auf dem Feld stehen.

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