WM intensiv verfolgt

„Darts fesselt einen einfach“: Schmieder fasziniert von der Sportart

Sensation im Londoner Alexandra Palace: Gabriel Clemens besiegte den Weltmeister Peter Wright. Im Achtelfinale schied der Deutsche aber aus.
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Sensation im Londoner Alexandra Palace: Gabriel Clemens besiegte den Weltmeister Peter Wright. Im Achtelfinale schied der Deutsche aber aus.

Die Darts-WM ist vorbei. Steffen Schmieder verfolgte das Spektakel. „Gerade Darts mit seinen wahnsinnigen Fans, den Emotionen, den echten Typen mit Ecken und Kanten und der Spannung fesselt einen aber einfach “, sagt der 39-Jährige. Über die WM und den DSV Soest spricht Schmieder im Anzeiger-Interview.

Soest – Präzision, Perfektion, Party: Wenn gegen Ende eines jeden Jahres im Londoner Alexandra Palace die Pfeile fliegen, herrscht dort Ausnahmezustand – normalerweise. Diesmal mussten die Stars bei der Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC) wegen der Pandemie auf lautstarke Unterstützung verzichten. Dafür fieberten die Zuschauer vor dem Fernseher, Tablet oder Handy mit. Einer von ihnen ist Steffen Schmieder.

Der 39-Jährige, der am 12. Januar einen runden Geburtstag feiert, ist seit dem Frühjahr 2016 als Spieler im Ligabetrieb aktiv und seit der Gründung am 19. Dezember 2017 1. Vorsitzender des Dartsportvereins (DSV) Soest. Die Zeit zwischen den Jahren hat Schmieder genutzt, um die Darts-WM zu verfolgen. Den Sensationssieg von Gabriel Clemens gegen den zu dem Zeitpunkt amtierenden Titelträger Peter Wright hat er ebenso gesehen wie das dramatische Duell im Achtelfinale mit dem Polen Krzysztof Ratajski, als der letzte verbliebene deutsche Starter sage und schreibe sieben Matchdarts vergab. Zur WM und zum DSV Soest äußert sich Steffen Schmieder im Interview mit dem Anzeiger.

Der Vorstand des DSV Soest: (von links) 1. Vorsitzender Steffen Schmieder, Beisitzerin Kathy Schmieder, 2. Vorsitzender David Vandebergh, Kassiererin Doro Vandebergh, Beisitzer Marc Chwialkowsky.
Gabriel Clemens hat erst den Titelverteidiger Peter Wright ausgeschaltet und ist im Achtelfinale denkbar knapp ausgeschieden. Haben Sie den Sensationssieg gegen Wright und das dramatische Match gegen Ratajski gesehen und wie haben Sie mitgefiebert?
Natürlich. Bereits seit vielen Jahren verfolge ich die Darts-WM, lange bevor ich überhaupt selber Darts als Vereinssport betrieben habe. Auch wenn ich es nicht geschafft habe, alle Spiele zu sehen, habe ich mir die Spiele der Deutschen in den Kalender eingetragen, um diese nicht zu verpassen. Wir sind letzten Sommer umgezogen, und zum Start der WM musste ich feststellen, dass die Signalqualität der Satellitenschüssel abends Probleme machte und wir Sport1 nicht empfangen konnten. Ich habe mit meinem vierjährigen Sohn extra ein neues Satellitenkabel ins Wohnzimmer gelegt. Die Spiele habe ich in der Regel mit meiner Frau geschaut, für unseren Sohn wurden die Spiele der Deutschen aufgenommen. Morgens hat er dann immer als Erstes gefragt, was die Deutschen gemacht haben, und wollte sich die Aufnahmen anschauen. Er hat richtig mitgefiebert und sich über jedes gewonnene Leg gefreut.
Ab wann haben Sie die WM jeden Tag verfolgt?
Wie bereits gesagt, habe ich es als Familienvater nicht geschafft, alle Spiele zu verfolgen, aber ein regelmäßiger Blick auf die Ergebnisse war Pflicht. Bei den Spielen der „großen“ Namen oder mit überraschenden Ereignissen haben sich auch einige WhatsApp-Nachrichten gesammelt. Spätestens ab dem Halbfinale sind bei einer WM aber alle Spiele Pflichtprogramm.
Was ist für Sie das Faszinierende an der Präzisionssportart Darts?
Ich bin generell sehr sportbegeistert – sowohl als Aktiver als auch als Zuschauer. Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mein Interessenschwerpunkt bei Borussia Dortmund liegt. Dort habe ich seit fast 20 Jahren eine Dauerkarte, meine jetzige Frau wiedergetroffen – wir waren schon mal zusammen – und auch geheiratet. Gerade Darts mit seinen wahnsinnigen Fans, den Emotionen, den echten Typen mit Ecken und Kanten und der Spannung während der Spiele fesselt einen aber einfach. Bei dieser WM und auch schon in den vergangenen Jahren hat man gemerkt, dass die Leistungen immer ähnlicher werden. Immer mehr Spieler schaffen einen Average von 100 oder mehr. Und dann die Überraschungen. Michael van Gerwen fliegt mit 0:5 gegen Dave Chisnall raus. Wer darauf gewettet hat, dürfte jetzt reich sein.
Auch wenn es wie erwartet ohne deutsche Beteiligung stattfand – haben Sie sich das Endspiel am Sonntag angeschaut?
Natürlich. Mein Wunschfinale wäre aber Dave Chisnall gegen Gerwyn Price gewesen.
Welche Spieler beeindrucken Sie am meisten?
Natürlich gibt es viele Topspieler, die Darts zu dem gemacht haben, was es heute ist. Phil Taylor, Raymond van Barneveld, Gary Anderson, Peter Wright und van Gerwen sind einige dieser Aushängeschilder. Beeindruckt bin ich aber vor allem von denen, die Überraschungen schaffen. Hier möchte ich Fallon Sherrock nennen, die sich vor einem Jahr nicht nur qualifizieren konnte, sondern als Debütantin auch noch in die dritte Runde kam. Es gibt viele andere sehr erfolgreiche Frauen im Dartsport, die generell zu wenig Aufmerksamkeit kriegen – wie in den meisten anderen Sportarten auch. Natürlich drücke ich den Deutschen immer die Daumen, aber einen persönlichen Liebling habe ich nicht.
Haben Sie einen der Stars schon mal live gesehen oder gegen einen namhaften Spieler gespielt?
Nein. Persönlichen Kontakt hatte ich noch nicht. Der Spieler mit dem „größten“ Namen, auf den ich eventuell treffen könnte, ist René Eidams. Er spielt aktuell beim Vorhaller TSV II, der unser nächster Gegner im Pokalspielbetrieb des NWDV wäre, sollte dieser irgendwann fortgesetzt werden.
Wie sind Sie überhaupt zum Darts gekommen?
Ich habe angefangen, Darts im Ligabetrieb zu spielen, als mein Sohn geboren wurde. Davor war ich viele Jahre als Spieler und Trainer im Amateurfußball unterwegs, was aber sehr zeitaufwendig war, da ich zweimal die Woche beim Training und bis zu 40 Sonntage im Jahr auf dem Sportplatz war. Also suchte ich einen neuen Ausgleich und fand diesen bei einer E-Darts-Mannschaft eines ehemaligen Mitspielers vom Fußball. Bei 18 Spielen im Jahr und maximal einmal in der Woche Training war das mit meiner Familie besser vereinbar. Mehr Zeit wollte ich eigentlich nicht investieren und hatte auch keine großen Ambitionen. Aus dieser Mannschaft ist dann aber der Dartsportverein Soest entstanden. Unser 2. Vorsitzender David Vandebergh war der Teamcaptain der E-Darts-Mannschaft. Seine Frau Doro spielte auch und ist jetzt Kassierin im Verein. Den ersten Vorstand komplettierten meine Frau Kathy und mein Bruder Timm als Beisitzer.
Wie viele Mitglieder hat der DSV Soest?
Aktuell haben wir 31 Mitglieder, wovon 26 aktive Spieler sind. Die weiteren sind trainierende oder passive Mitglieder.
Wie hat sich die Mitgliederzahl entwickelt?
Durchweg positiv. Mit sieben Gründungsmitgliedern gestartet, konnten wir im Sommer 2018 unsere erste Mannschaft melden mit zwölf aktiven Mitgliedern. Zur Saison 2019/20 verließen uns zwar zwei Mitglieder, doch wir konnten zwölf neue gewinnen. Somit gingen wir mit 22 Spielern ins Rennen. Auch zu Beginn der aktuellen Saison hatten wir ein wenig Bewegung in den Mitgliederzahlen. Vier Spieler verließen uns aus verschiedenen Gründen oder sind nur noch passive oder trainierende Mitglieder. Mit 18 Spielern nach dem ersten Lockdown war der Kader für zwei Mannschaften etwas knapp, doch wir haben sie gemeldet und damit alles richtig gemacht. Denn acht neue aktive Mitglieder haben sich dem Verein danach angeschlossen. Damit war der Kader fast schon zu groß.
Erhoffen Sie sich durch die WM zwischen den Jahren noch mehr Interesse für den Dartsport in Soest?
So lange gibt es uns ja noch nicht. Wir haben nach der Gründung des Vereins schon bewusst bis Januar gewartet, um den Trainingsbetrieb zu starten. Natürlich bringt die WM immer neue Interessenten. Die Aufgabe liegt aber generell eher darin, den Dartsport ganzjährig interessant zu machen. Zu unserer Freude haben wir bereits einige neue Anfragen, aber in der aktuellen Lage können wir überhaupt nicht sagen, wie es weitergeht. Ich gehe davon aus, dass wie nach dem ersten Lockdown erst der Außensport wieder erlaubt wird. Wir werden vermutlich erst später mit begrenzter Teilnehmerzahl das Training aufnehmen dürfen. Die Zeit bis dahin wollen wir nutzen und die Anlage erweitern. Wir spielen und trainieren normalerweise im Vereinsheim der Sportfreunde Soest-Müllingsen. Sollte sich die Lage normalisieren, hoffen wir, neben dem Training und Ligabetrieb regelmäßig Turniere anbieten zu können.
Wie steht der DSV denn sportlich da?
Unsere erste Mannschaft ist Tabellenführer der Bezirksklasse Westfalen Nord 2. Das will sie bis zum Saisonende auch bleiben, um in die Bezirksliga aufzusteigen. Unsere Zweite liegt in der Bezirksklasse Westfalen Süd 2 auf einem guten vierten Platz. Saisonziel war der Klassenerhalt, aber es gibt genug Potenzial in der Mannschaft, um an den oberen Plätzen dranzubleiben. Im Moment entwickeln sich die Mitgliederzahlen positiv, sodass wir im Sommer – Meldetermin ist Anfang Juli – vielleicht weitere Teams für den Ligabetrieb anmelden können.

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