Meinungsabfrage

Abfrage vom Fußball-Verband abgeschlossen: Vereine wollen Saison nicht zu Ende spielen

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Verantwortliche von Soester Vereinen sehen eine Annullierung der Saison kritisch.

Kreis Soest – Die Vereine des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) plädieren mit einer großen Mehrheit für das sofortige Ende der Saison 2019/20.

Das hat die Abfrage des Meinungsbildes ergeben, die der Verband erst am vergangenen Freitag gestartet hatte. Während nur 11,6 Prozent der teilnehmenden Clubs für eine mögliche Fortführung der Spielzeit votierten, gaben 88,4 Prozent an, die Saison abbrechen oder annullieren zu wollen.

„Das Ergebnis der Befragung ist eindeutig. Die Fortführung der Saison wird von den Vereinen nicht befürwortet. Dies wird der Entscheidungsvorschlag des Verbands-Fußball-Ausschusses berücksichtigen“, so wird der für den Amateurfußball verantwortliche FLVW-Vizepräsident Manfred Schnieders in der Mitteilung zitiert. Das Gremium und der gesamte FLVW müssten jedoch nach wie vor die Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen abwarten.

"Schlag ins Gesicht"

Für einige Top-Mannschaften aus den Soester Kreisligen sind die Umfrageergebnisse ein „Schlag ins Gesicht“, wie Rüdiger Hötte, Trainer des A-Kreisligisten SF Ostinghausen bestätigt. Ostinghausen belegt zwar in der Hinrundentabelle den ersten Platz, liegt aktuell aber – auch aufgrund der Anzahl der absolvierten Rückrundenpartien – hinter dem BV Bad Sassendorf zurück. Bei einer Annullierung der Saison würden wohl beide Mannschaften in der Kreisliga A bleiben müssen. „Der Verein hat alles gegeben“, sagt Hötte, die Mannschaft habe bislang nur ein Spiel verloren. Wichtig sei ihm, dass eine Entscheidung zeitnah fällt, dann könne man wenigstens planen. Hötte wünscht sich, dass über eine ähnliche Lösung wie im Handball nachgedacht wird, dort durften auch Vereine aufsteigen, die den Aufstieg potenziell auch sportlich noch hätten schaffen können.

1149 Vereine nehmen an der Umfrage teil

Der FLVW ist – gemessen an den Mitgliederzahlen – der zweitgrößte Landesverband innerhalb des Deutschen Fußball-Bundes. 1596 Vereine wurden vom FLVW angeschrieben, nur 1149 nahmen an der Meinungsabfrage teil. Insgesamt vier Optionen standen für die Vereine zur Wahl: Für die Fortsetzung der Saison – falls möglich – ab September entschieden sich nur 11,6 Prozent. Die meisten Stimmen erhielt das Szenario, dass die Ergebnisse der laufenden Spielzeit annulliert werden (34,2 Prozent). 30 Prozent der Vereine wollen, dass nach einem Abbruch die Hinrundentabelle gewertet wird; 24,2 Prozent wollen, dass die aktuelle Tabelle gewertet wird. Bei diesen beiden Szenarien würde es keine Absteiger, aber Aufsteiger geben.

„Fakt ist: Es gibt in den Statuten des DFB, WDFV und FLVW keine Abbruchszenarien. Wir möchten daher noch um Geduld bitten, bis der FLVW eine endgültige Entscheidung über eine Fortführung der Saison sowie die Wertung bei einem Abbruch vornimmt“, wird Manfred Schnieders weiter zitiert. Einen Stichtag für die Entscheidungsbekanntgabe konnte der Funktionär nicht nennen. „Jede Woche mache ich für meine Spieler neue Trainingspläne“, sagt Heiko Hofmann, Trainer des Landesligisten SV Hilbeck, der bei einer Annullierung oder einem Abbruch die Klasse halten würde. Seine Spieler würden laufen, laufen und laufen, „aber für was eigentlich?“. Auch Hofmann gefällt die Regelung der Handballer. „Es gibt keine faire Lösung“, sagt der Trainer des SVH. „Es ist für alle Beteiligten eine blöde Situation.“

Nur wenige Mannschaften können noch aufsteigen

Der Verband stehe nach wie vor im Austausch mit seinen 29 Kreisen, die den Spielbetrieb auf Kreisebene organisieren, dem Westdeutschen Fußballverband (WDFV) sowie dem DFB, geht auf der Mitteilung hervor. 

„In Westönnen wird es keinen geben, der mit der Entscheidung hadern wird“, sagt Thomas Hein, sportlicher Leiter von Bezirksligist RW Westönnen. Hein bestätigt, dass auch RWW an der Umfrage teilgenommen hat. „Wir müssen uns der Entscheidung fügen.“ Als Tabellenvierter hätte RW Westönnen durchaus noch einmal in den Aufstiegskampf eingreifen können, das sei aber keineswegs das wichtigste Kriterium bei der Abstimmung gewesen. Hein glaubt aber, dass das Umfrageergebnis auch darauf beruhe, dass es nur noch für wenige Mannschaften um den Aufstieg geht – Absteiger seien bei fast allen Szenarien ja ausgeschlossen. „Da ist es klar, dass der Großteil nicht für das Weiterspielen stimmt.“

Ein Westönner würde mit der Entscheidung des FLVW dennoch hadern – sollte es keine Aufsteiger geben. Klaus Borghardt, Trainer des B-Kreisliga-Tabellenführers SuS Günne, wohnt in Westönnen. Seine Mannschaft stünde bei Annullierung ohne den angepeilten Aufstieg da. „Nicht ein Spiel hat meine Mannschaft verloren“, weist Borghardt darauf hin, dass dann seine Spieler die Leidtragenden seien. Er hofft, dass der Verband „Fingerspitzengefühl“ bei seiner Entscheidung beweist.

Appell von FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski

Bis zum 29. April hat der Verbands-Fußball-Ausschuss 17 Videokonferenzen mit den überkreislich spielenden Mannschaften der Männer- und Frauen-Staffeln angesetzt. Los ging es am Montagabend mit den Staffelleitern und den Vereinen der Oberliga Westfalen. Gleiches gelte für den Jugendbereich, wobei aufgrund unterschiedlicher Wettbewerbsmodelle im Kinder- und Jugendfußball Besonderheiten zu beachten seien. Für Freitag und Samstag stehen daher für Vizepräsident Jugend Holger Bellinghoff und Harald Ollech, Vorsitzender des Verbands-Jugend-Ausschusses, Videokonferenzen mit den Vorsitzenden der Kreis-Jugend-Ausschüsse an. 

„Leider können wir nicht allen Vereinen gerecht werden – das zeigt allein schon das ausgeglichene Meinungsbild zur Wertung der Saison bei einem möglichen Abbruch. Umso mehr hoffen wir auf die Solidarität untereinander – und Verständnis für die Entscheidungen der ehrenamtlichen Verantwortungsträgerinnen und -träger“, erklärt FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski in der Umfrage.

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