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Yachtclubs vom Möhnesee segeln in der Bundesliga

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Wettkampfpraxis am Computer: In der eSailing-Bundesliga, hier ein Screenshot vom Westfälischen Yachtclub Delecke, treten die Segel-Vereine an, um während der Corona-Pause ihr Hobby weiterhin im Wettkampf zu betreiben.

Der Westfälische Yachtclub Delecke und der Yachtclub Möhnesee segeln in der eSailing-Bundesliga mit. Die virtuelle Simulation des Sports ermöglicht virtuelle Wettkämpfe zwischen Sportlern.

Möhnesee - Erst hielten die Segler des Westfälischen Yachtclubs Delecke das für einen Scherz. „Ausgerechnet am 1. April hat der Deutsche Segler-Verband die Ankündigung einer eSailing-Bundesliga veröffentlicht“, erzählt Joachim Hellmich. „Doch bald haben wir gemerkt, dass das ernst gemeint ist.“ Und schon waren die Aktiven vom Möhnesee Feuer und Flamme.

„Wir wollten da unbedingt mitmachen“, war Philipp Junker begeistert von der Idee. Er, Finn Schimanski, Moritz Dahm und Conrad Jakob organisierten schnell ein Team und meldeten sich an, Hellmich fungiert als Teamchef. „Eigentlich habe ich die Jungs aber nur ermutigt, mitzumachen. Den Rest managen sie selbst“, sagt der.

Top-Vereine aus Deutschland als Konkurrenz

Und so segeln die Jungs aus Delecke nun in der Bundesliga, auch wenn es nur virtuell vor dem Computer ist. „Ist trotzdem etwas Tolles“, ist’s Philipp Junker egal. „Die Konkurrenz sind schließlich die Top-Vereine Deutschlands.“ Auch der Yachtclub Möhnesee startet im Wettkampf am PC. Hier sind Daniel Plinke, Konstantin Welp sowie Michael und Christian Kreuzmann aktiv. „Es macht auf jeden Fall Spaß“, ist auch Daniel Plinke glücklich über die neue Alternative. „Zu Anfang hätte ich aber nicht gedacht, dass das Ganze so realistisch ist.“

Denn obwohl das Gefühl im heimischen Wohnzimmer natürlich komplett anders ist als draußen auf dem Wasser, komme die in der eSailing-Bundesliga benutzte Simulation dem „echten“ Segeln schon ziemlich nahe. „Die Faktoren, auf die es beim Segeln ankommt, sind schon echt realistisch umgesetzt“, meint Joachim Hellmich. „So muss man zum Beispiel gut antizipieren, wo der Wind in einer gewissen Entfernung herkommen wird.“ Ein bisschen Übung brauchten die heimischen Teilnehmer allerdings schon, um sich an das virtuelle Segeln zu gewöhnen. „Die Taktik ist zwar gleich, doch die Perspektive ist eine andere“, verrät Philipp Junker. „Man braucht auf jeden Fall aber ein grundlegendes Verständnis vom Segeln.“ Sieht auch Daniel Plinke vom Yachtclub Möhnesee so. „Segeln können ist definitiv erforderlich“, sagt er. „Gerade bei den Leuten, die ganz vorne mitmischen, sieht man schon, dass die wissen, was sie tun.“ Viele der Top-eSegler haben schon jahrelange Erfahrung mit der Simulation, treten sogar regelmäßig bei Turnieren an. „Manche stehen in der nationalen Ranglisten unter den besten 20“, erzählt Daniel Plinke. „Wir dagegen haben uns erst nach Bekanntmachung der eBundesliga damit beschäftigt.“

Das Segeln auf dem Möhnesee fehlt, trotz der virtuellen Alternative, trotzdem: Am liebsten wären die Segler, hier der Yachtclub Möhnesee, wieder auf echtem Wasser unterwegs.

Dennoch haben die Clubs vom Möhnesee genügend sportlichen Ehrgeiz, um die virtuellen Regatten nicht abzuschenken. „Wir machen uns zwar keinen Druck, aber zwischen Platz 15 und 30 sehen wir uns schon“, meint Deleckes Philipp Junker und peilt damit eine ähnliche Tabellenregion wie Daniel Plinke an. „Etwas zwischen Rang 20 und 30 halte ich für realistisch.“

"Internetverbindung zusammengebrochen"

Am ersten Spieltag, der am vergangenen Freitag lief, schickten die heimischen Segler ihren jeweils ersten Starter ins Rennen. Für Delecke landete Moritz Dahm auf Platz 19, Daniel Plinke schaffte es wegen technischer Probleme für Möhnesee nur auf Rang 53. „Die Internetverbindung war zusammengebrochen“, erklärt er. „So konnte ich nicht an der letzten Wettfahrt teilnehmen.“ Als Konsequenz wurde diese mit 21 Punkten für Möhnesee gewertet – die schlechteste mögliche Wertung. „Beim nächsten Mal passiert uns das nicht“, verspricht Plinke.

Insgesamt sieben Spieltage hat die eSegel-Bundesliga, die ab sofort jeden Freitag ausgetragen wird. Die besten sechs Vereine ziehen danach ins Finale am 5. Juni ein. Heute starten Conrad Jakob für Delecke und Konstantin Welp für Möhnesee.

Dabei können die Starter mit vielen Zuschauern rechnen, das virtuelle Segeln erfreut sich nämlich großer internationaler Beliebtheit. „Zeitgleich laufen immer so viele Rennen, dass die für die Bundesliga zuständigen Moderatoren am ersten Spieltag Schwierigkeiten hatten, online die richtigen Wettfahrten zu finden“, erzählt Joachim Hellmich. Das ist schon Wahnsinn.“ Und die Segler vom Möhnesee sind mittendrin.

Je weniger Punkte, desto besser das Ergebnis

An einem Spieltag in der eSegel-Bundesliga tritt jeder Verein in fünf Wettfahrten gegen die Konkurrenz an. Dafür werden die Clubs in vier 20er-Gruppen unterteilt, die am gesamten Spieltag unverändert bleiben. Die Wertungspunkte sind aus dem Segeln im Freien übernommen, was bedeutet: Je weniger Punkte, desto besser. So erhält der Erste einer Regatta einen Punkt, der Letzte 20. Wer nicht antritt oder disqualifiziert wird, bekommt 21 Punkte. Gesegelt wird jeden Freitag ab 17.30 Uhr, die Teilnehmer müssen sich schon eine Stunde vorher einloggen. Zuschauer können die eSegel-Bundesliga via Livestream auf YouTube kostenlos verfolgen.

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