Alternative Saisonenden

Saisonfinale im Fußball: Wenn die Fortsetzung unmöglich ist

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Alexander Martens (am Ball) und der BV Bad Sassendorf stehen derzeit an der Tabellenspitze der Kreisliga A.

Kreis Soest – Den Verantwortlichen des Fußball- und Leichtathletikverbands Westfalen (FLVW) bleibt keine andere Wahl, die Saison muss aufgrund des Coronavirus abgebrochen werden – nehmen wir in diesem Text einfach mal an.

Wie könnte das laufen? Es müssten viele Entscheidungen getroffen werden, die dem ein oder anderen Verein gar nicht schmecken, oder den Planern der neuen Saison erhebliche Kopfschmerzen bereiten könnten. Denn bei einem Abbruch, muss die Saison gewertet werden.

Tabelle

Doch welche Tabelle zählt? Nimmt man die aktuelle Tabelle der Kreisliga A, wäre der BV Bad Sassendorf Meister und würde in die Bezirksliga aufsteigen. Der BVS hat 42 Punkte – ligaweit die meisten. Ist das also gerecht? Das sieht die Konkurrenz wohl anders. Die SF Ostinghausen haben nur einen Punkt weniger, als der Nachbar, aber auch ein Spiel weniger absolviert. Auch die TuS Wickede hat zwei Partien weniger absolviert als Bad Sassendorf und hätte noch gleichziehen können. Nur eines von vielen Beispielen aus den Soester Kreisligen.

Alternativ könnten die Verantwortlichen die Tabelle der Hinrunde zur Entscheidung heranziehen. Dann hat jede Mannschaft immerhin einmal gegen jedes andere Team der Liga gespielt. Weit gefehlt: In der D-Kreisliga beispielsweise fehlt dem Aufstiegsaspiranten SV Lüttringen noch ein Spiel aus der Hinrunde. Mit der Folge, dass die Enser zur Halbserie hinter dem TuS Jahn Soest stünden.

Auch in der A- und C-Kreisliga sind noch nicht alle Spiele aus der Hinrunde absolviert, einzig die B-Kreisligisten aus Soest haben allesamt ihre 15 Hinrundenpartien bestritten. Dort stand zur Halbzeit der Höinger SV an der Spitze. Aber die Höinger spielten die ersten 15 Partien der Saison zuhause – aufgrund von Arbeiten am Platz. Die Rückrunde sollte dementsprechend komplett auswärts bestritten werden. Ein Wettbewerbsvorteil? Vermutlich, denn der HSV verlor drei von vier Rückrundenspielen in der Fremde.

In der Bezirksliga ändert sich bei einer Wertung zur Halbserie oder des aktuellen Stands für die heimischen Teams kaum etwas. Kellerkind SW Hultrop würde in der Liga bleiben. SG Oestinghausen und der SC Sönnern bleiben im Mittelfeld und der SVW Soest sowie RW Westönnen hinter den Spitzenteams aus Hamm zurück.

Landesligist SV Hilbeck steht jeweils auf einem Abstiegsplatz, bei einer Wertung der aktuellen Tabelle, hätten die Schwarz-Gelben aber einen Nachteil. Sie haben die wenigsten Spiele in der Rückrunde absolviert.

Auf- und Abstieg

Andere Sportarten haben es vorgemacht. Im Tennis und Volleyball beispielsweise zählen die Tabellen zum Zeitpunkt der Unterbrechung. Die Auf- und Abstiegsregelung wurde gelockert. Dort können auch Mannschaften in die höhere Klasse wechseln, die rechnerisch noch in der Lage gewesen wären, einen Aufstiegsplatz zu erreichen. Absteigen müssen nur Mannschaften, die nicht mehr in der Lage sind, einen Nicht-Abstiegsplatz zu erreichen.

Anders als beim Tennis oder Volleyball ist die Saison der Fußballer aber noch nicht so weit fortgeschritten. Die heimischen Mannschaften von der Kreisliga D bis in die Landesliga haben bislang nur eine Handvoll Rückrundenpartien hinter sich gebracht. Eine einfache Milchmädchenrechnung zeigt, wie undurchsichtig die Ligaeinteilung im kommenden Jahr wäre. Der TuS Schwefe, Tabellenfünfzehnter der Kreisliga A, könnte rechnerisch noch Tabellenführer BV Bad Sassendorf überholen.

Auch die fünf Bezirksligisten aus dem Kreis könnten geschlossen aufsteigen – sollte diese Regelung getroffen werden. Den Abstieg antreten müssten wohl nur Mannschaften, die zurückgezogen haben – wie der TuS Echthausen in der A-Kreisliga. Anderswo ist der Klassenerhalt rechnerisch noch überall zu bewerkstelligen.

Steigen nur die Mannschaften auf, die zum jeweiligen Zeitpunkt – nach der Hinserie oder zum Zeitpunkt des Abbruchs – auf einem Auf- oder Abstiegsplatz ständen, wäre die Entrüstung bei der Konkurrenz wohl groß.

Ligaeinteilung

Bei einem Saisonabbruch wäre die Zeit bis zur nächsten Saison lang. So lang, dass die Verantwortlichen des FLVW die Liga-Planung völlig neu überdenken könnten. Das wäre nötig, wenn alle Mannschaften in den Amateurspielklassen (beinahe) selbst entscheiden könnten, in welcher Spielklasse sie antreten möchten.

Die Serie: Szenarien für die Fußballsaison

Noch hat sich der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) nicht entschieden: Wie soll die begonnene Saison in den Fußballligen beendet werden? Bis zum 21. April sollen sich jetzt die Vereine für eines von vier möglichen Szenarien entscheiden. Zur Auswahl stehen die Annullierung der Saison, die Fortsetzung im Herbst oder zwei Abbruch-Szenarien. Während die Verantwortlichen hinter verschlossen Türen weiter beratschlagen, wie es in den Landes-, Bezirks- und Kreisligen im Kreis Soest weitergeht, überlegen die Anzeiger-Redakteure in einer Serie munter mit – auch abseits der Vorgaben des Verbands – mit allen Vor- und Nachteilen, die eine entsprechende Entscheidung nach sich zieht. 

1. Teil: Der Meister wird in Play-off-Spielen ermittelt.

2. Teil: Die Spielzeit wird abgebrochen. 

3. Teil: Die Saison wird zu Ende gespielt. 

4. Teil: Es gibt eine Meister- und eine Abstiegsrunde. 

5. Teil: Die Saison wird annulliert.

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