Negativtrend bestätigt sich

Corona sorgt für Mitgliederschwund bei den Großvereinen im Kreis Soest

Kinderturnen Gruppe gehört bei den großen Sportvereinen zum Standard-Programm, unterliegt aber auch durch Kurssysteme einer großen Fluktuation.
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Kinderturnen Gruppe gehört bei den großen Sportvereinen zum Standard-Programm, unterliegt aber auch durch Kurssysteme einer großen Fluktuation.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft, der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die 16 Landessportbünde hatten zuletzt eine Studie über die Entwicklung der Sportvereine während der Pandemiezeit in Auftrag gegeben. Die von der Sporthochschule Köln ermittelten Ergebnisse einer Umfrage unter insgesamt 20 179 Klubs liegen jetzt vor und sind alarmierend. Demnach erwartet jeder zweite Verein (52,4 Prozent) in den kommenden zwölf Monaten eine existenzbedrohliche Lage.

Kreis Soest – „Je länger Sportvereine ihrem Zweck nicht nachkommen dürfen, desto schwächer wirken sie als stabilisierendes Element der Gesellschaft. Es geht sozialer Kitt verloren, der gerade in einer individualisierten Zuwanderungsgesellschaft von Bedeutung ist“, erklärt dazu Studienleiter Professor Christoph Breuer von der Sporthochschule Köln dem Sport-Information-Dienst (sid).

Das Bild bei einigen Großvereinen im Kreis Soest ist dabei durchaus gemischt. Und Sabine Homann, Geschäftsführerin beim Kreissportbund, kann dieses Bild auch nicht komplett bestätigen. „Wir haben das Gefühl, dass die Vereinsmitglieder den Vereinen die Treue halten. Im ländlichen Raum scheint das doch etwas anders zu sein. Außerdem machen viele Vereine Online-Kurse und bieten ihren Mitgliedern auf die Weise etwas an“, sagt Homann.

Sabine Homann, Geschäftsführerin beim Kreissportbund.

Genaue Zahlen hat sie aber nicht. „Wir sind mitten in der Bestandserhebung“, erklärt Homann. Ein Problem sei aber, dass die übliche Fluktuation durch Desinteresse oder Wegzug aktuell nicht durch Neueintritte aufgefangen werde.

„Dass mit der einen Kündigung pro Tag haben wir immer noch. Was fehlt, sind die Eintritte. Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal einen Aufnahmeantrag gesehen habe.

Harald Müller, Geschäftsführer Soester TV (Gesamtverein)

Wenn Vereine als Dienstleister auftreten würden und man für gewisse Kurse kein Mitglied sein müsse, ist dass „ein enormer wirtschaftlicher Schaden, da es diese Angebote gerade nicht gibt“, sagt Homann, und: „In der Mitgliederstatistik tauchen die aber auch nicht auf.“

Wie sieht es nun bei den Großvereinen aus?

Soester TV: Der Mehrspartenverein Soester TV hatte vor Corona zum Jahreswechsel 2019/20 insgesamt 2250 Mitglieder, berichtet Hauptvereins-Geschäftsführer Harald Müller. Aktuell seien es etwa 2060 – der Verlust beträgt also etwa zehn Prozent. „Dabei ist es in den letzten fünf, sechs Jahren davor kontinuierlich hoch gegangen“, erklärt Müller. Es habe einen Austritt und einen Eintritt pro Tag gegeben.

„Dass mit der einen Kündigung pro Tag haben wir immer noch. Was fehlt, sind die Eintritte. Ich wüsste nicht, wann ich das letzte Mal einen Aufnahmeantrag gesehen habe“, erklärt Müller.

Speziell die Turnabteilung mit ihren etwa 800 Mitgliedern als größte Sparte des STV bekommt das zu spüren. Denn Kurse wie Baby- und Eltern-Kind-Turnen finden gerade nicht statt.

Er habe aber auch positive Rückmeldungen bekommen. „Es haben uns Leute geschrieben, dass sie sich dem Verein wieder anschließen, sobald Sport wieder möglich ist.“

Die finanziellen Einbußen kann Müller nur schätzen. Da es neben dem Beitrag an den Hauptverein unterschiedlich hohe in den einzelnen Abteilungen gibt, rechnet Müller bei 190 Mitgliedern weniger etwa mit 3800 Euro Mindereinnahmen pro Quartal.

1. SC Lippetal: Der Mehrspartenverein SCL hat weitgehend seine Mitgliedzahlen gehalten. „Das liegt wohl an der ländlichen Struktur“, meint Hauptgeschäftsführer Berthold Bellenhaus. Feste Turngruppen würden dabei schon seit Jahren bestehen – und aus diesen würde man sich nicht so leicht verabschieden, mutmaßt Bellenhaus. Aktuell haben die Rot-Weißen um die 1250 Mitglieder, mit Schwankungen lagen diese mal bei 1200, aber auch schon einmal bei 1300 Vereinsangehörigen. Aber auch beim SCL ist zu merken, dass es aktuell keinen Zulauf gibt, da ja beispielsweise Mutter-Kinde-Kurse nicht stattfinden.

Werler TV: Manfred Klein, Geschäftsführer beim Werler TV, teilt mit, dass knapp 200 Kündigungen eingegangen sind. Somit hat der Verein jetzt noch 1000 Mitglieder. Rund die Hälfte sei nach seinen Vermutungen im Zusammenhang mit Corona ausgetreten.

Der 1. Vorsitzende Michael Kuge betont, dass der Verein aber auch viele treue Mitglieder habe und schon immer sozial gewesen sei. Eine Stundung der Beiträge ist beim Werler TV möglich, wenn durch Kurzarbeit oder andere Umstände ein finanzieller Engpass entsteht. „Uns geht es verhältnismäßig gut, bestimmte Kosten laufen aber, die Verbände buchen weiter ab“, erklärt Klein.

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