Blinde Passagiere: Rennfahrer Klaus-Dieter Häckel unter Schlepperverdacht

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Klaus-Dieter Häckel ist in der Formel Ford sehr erfahren, fährt seit Jahrzehnten auf viele verschiedene Rennen. Die Ereignisse sind aber auch für ihn vollkommen neu.

Soest/Calais – Der Soester Rennfahrer Klaus-Dieter Häckel war auf dem Weg zur Walter-Hayes-Trophy in Silverstone, dem größten Formel-Ford-Rennen der Welt, als er in Calais vom Zoll gestoppt wurde. Auf seinem Anhänger hatten sich drei jugendliche Flüchtlinge versteckt.

Die Entscheidung, am Weltcup in Silverstone teilzunehmen traf Häckel kurzfristig. Erst am Montag zuvor hatte er die Tickets gebucht. Überhaupt hatte er es Allerheiligen zu verdanken, dass er die Fahrt auf die Insel antreten konnte. „Sonst hätte ich hier nicht weggekonnt“, so Häckel. Er und sein Ingenieur machten sich Donnerstagabend nach der Arbeit mit einem Anhänger auf den Weg.

„Unsere Fähre ging um halb eins, wir sind so gefahren, dass wir gegen elf, halb zwölf in Calais waren“, so Häckel. „Zwischendurch haben wir einmal in Belgien angehalten. Wir tanken immer an der letzten Raststätte in Belgien. In Frankreich und England ist der Sprit relativ teuer.“ Häckel kennt die Strecke, ist sie bereits dutzendfach gefahren. 

Auch die Kontrollen vor der Einreise nach England sind Häckel vertraut. „Ich halte da grundsätzlich an, weil ich weiß, die wollen in den Transporter gucken. Die freuen sich auch immer, wenn sie so ein Auto sehen können.“ 

Doch diesmal ist es nicht, wie bei den vielen Malen zuvor. Stattdessen ruft nur einer der Zollbeamten: „Surprise – Überraschung!“ Häckel hatte erst nicht verstanden, was der Beamte meinte. „Ich hatte das erst gar nicht gesehen, denn man rechnet ja auch gar nicht damit.“ 

Neben dem Auto lagen zwei Menschen. Der Zollbeamte reagierte schnell, sofort standen zehn weitere bewaffnete Männer um den Transporter, zerrten die blinden Passagiere heraus. „Die sind parat. Solche Dinge passieren wohl öfter.“ Bei der Durchsuchung fanden die Beamten einen weiteren Jugendlichen, der sich unter dem Auto verborgen hatte. „Der eine war maximal 14, die anderen wahrscheinlich zwischen 17 und 19 Jahren alt“, so Häckel. 

Häckel und sein Kollege wurden in das Zollgebäude geführt, mussten ihre Pässe abgeben und anschließend zwei Stunden warten. „Wir wurden regelrecht verhört, das hat noch einmal eine Stunde gedauert, bis mir der Kragen geplatzt ist. Ich musste um 9 Uhr in Silverstone im Rennauto sitzen.“ Zu diesem Zeitpunkt war es drei Uhr morgens. Die Fahrt von Dover nach Silverstone dauert ebenfalls noch einmal drei bis vier Stunden. Hinzu kam die Überfahrt per Fähre, noch einmal anderthalb Stunden. „Irgendwann hab ich zu der Dame, die uns verhört habe gesagt: ‘Was wollen Sie eigentlich von mir? Seien Sie mir nicht böse, aber Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, dass ich ein Schleuser bin? Ich will zu einer Sportveranstaltung!’ Irgendwann lenkte sie dann ein.“ 

Häckel durfte mit seinem Kollegen die nächste Fähre auf die Insel nehmen. Um acht Uhr stand er in der Box in Silverstone. Doch dann stellte er fest, dass mehrere Teile beschädigt waren. „Wir haben dann angefangen wie verrückt die Teile zu tauschen“, so Häckel. Der Freitag diente vor dem Weltcup als Trainingstag. Diesen brauchte Häckel unbedingt, da er den Wagen, in dem er antrat, ein Van Diemen RF 91, an diesem Tag das erste Mal fuhr. 

Häckel weiß genau, wann die Jugendlichen in seinen Anhänger gelangten. „Das muss in Belgien an der Raststätte gewesen sein. Das geht gar nicht anders. Es muss auch jemand dabei gewesen sein, der den Hänger von außen wieder verschlossen hat. Das war richtig organisiert.“ Trotz allem, hat er Mitleid mit den Jugendlichen. „Dass sie so ein Risiko eingehen mussten, das tut mir leid. Dass diese Jugendlichen und zum Teil Kinder solchen Gefahren ausgesetzt werden, ist unfassbar.“

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