Bezirksliga-Torjäger Michael Heinz ist ein begeisterter Reiter

+
Michael Heinz sattelt seinen Levano auf der Anlage des RV Welver beim Hof Nölle-Pier in Meyerich.

Westönnen/Welver – Reiten und Tore auf dem Fußballplatz erzielen - für Bezirksliga-Torjääger Michael Heinz geht beides gut zusammen.

 „Da würde ich auch gern mal drüber springen!“ Der elfjährige Steppke, bis dahin einzig und allein vom runden Leder in den Bann gezogen, war komplett begeistert. Als Fünftklässler besuchte Michael Heinz von der Werler Overbergschule aus ein Reitturnier in der Dortmunder Westfalenhalle, nichts ahnend, dass er schon ein Jahr später wirklich auf dem Rücken eines Pferdes sitzen sollte, was für so viele Zeitgenossen alles Glück der Erde bedeutet.

 Der neue Lebensgefährte seiner Mutter hob den nun Zwölfjährigen erstmals in den Sattel. „Ich hatte jede Menge Respekt und auch ein wenig Angst. Der Respekt ist geblieben und dazu eine große Faszination!“ Wenn Michael Heinz von der sportlichen Leidenschaft spricht, die ihn fortan gepackt hatte, und dabei zugleich anerkennend seinem Levano auf die Schulter klopft, ist auf den ersten Blick zu erkennen, mit welcher Hingabe sich der Werler dem Reitsport und damit seinen Vierbeinern widmet. An die 20 Stunden sind es in der Woche, die der reitende Fußballer mit der Sportart verbringt.

 Unter der Regie von Harald Rohe nahm der junge Werler erste Reitstunden auf Ricarda, so hieß die braune Stute, zwei Jahre älter als Michael Heinz. Fortan war es nicht mehr nur das Runde, was ins Eckige sollte, sondern eben auch der Reitsport, der die Freizeit des Schülers ausfüllte. Da ging es nach der Schule auf die Anlage des RV Werl oder auf den Fußballplatz; erst in Westönnen, später nach einer kurzen Stippvisite bei den Preußen nach Soest zum SSV, wo der Linksfuß in der C- und B-Jugend Bezirksliga spielte. 

Eine Wunderstute

 In der A-Jugend lockte ihn gar der Lippstädter Fußball. „Doch sechsmal in der Woche Training und Spiel, das war dann doch zuviel des Guten“, kehrte Heinz für das zweite A-Jugendjahr nach Westönnen zurück, kam dort schon als Junior regelmäßig bei den Herren zum Einsatz. 

Und er sattelte wieder regelmäßig sein Pferd, als 18-Jähriger bekam er vom Stiefvater Ikenny, einem ebenfalls 18-jährigen Wallach, der schon international gegangen war und eigentlich ausgemustert werden sollte. Doch Michael Heinz erweckte in dem Pferdesenior noch einmal alte Tugenden, eine Saison lang platzierte sich das Duo regelmäßig in A- und L-Springen. 

Danach musste Ikenny dem Alter Tribut zollen und C’est la vie trat seine Nachfolge unter Michael Heinz an. „Das war eine Wunderstute“, erzählt der reitende Fußballer von den Glanzjahren auf C’est la vie. 50 Turniere ging das Duo in vier Jahren, fünfmal gewann das Paar in A- oder L-Klasse, was Heinz den Aufstieg in die zweithöchste Klasse bescherte. 

Das Karriereende von C’est la vie, die heute als 24-Jährige ihr Gnadenbrot auf dem Hof Nölle-Pier in Meyerich bekommt, bedeutete für Michael Heinz einen Einschnitt, eine vierjährige Pause vom Reitsport. Fußballerisch ging es nach vier Jahren in Hilbeck und einem Jahr in Soest zurück an den Westönner Bahndamm, wo er sogleich mit seinen Toren nicht ganz unerheblich zum Aufstieg in die Bezirksliga beitrug, wo er mit den Rot-Weißen heute noch spielt. 

Der Reitsport hatte ihn aber nicht losgelassen. Er legte sich den heute zehnjährigen Wallach Levano, fand eine neue reitsportliche Heimat beim RV Welver. Rasch stellten sich wieder Erfolge in A- und L-Springen ein, siebenmal lief das Duo M-Springen, blieb dabei sechsmal ohne Springfehler. 2019 aber wurde ein schwieriges Jahr, da Levano an einer hartnäckigen Zyste laborierte. 

Mit Trainer Pulver 

Anthony, ein zwölfjähriger Wallach, wurde zum zweiten vierbeinigen Sportkameraden von Michael Heinz. Beim beinahe täglichen Training auf der Anlage im Welveraner Ortsteil wird er von seiner Schwester Melanie unterstützt. „Sie reitet mir die Pferde Korrektur, sonst könnte ich kein M-Springen mitmachen“, schätzt er das Einfühlungsvermögen seiner Schwester für das Wohl oder Wehe der Pferde. Sie fühle als Dressurreiterin, ob ein Pferd Probleme habe. Er hingegen brauche den Adrenalinkick, um mit dem Pferd über Hindernisse zu gehen.

 In jüngster Zeit kommt regelmäßig mit Bernd Pulver ein renommierter Trainer aus Mecklenburg, trägt dazu bei, dass gerade in diesem Jahr beide Pferde in einer Topverfassung sind. Allerdings hat die Corona-Pandemie bislang verhindert, in diesem Jahr Schleifen auf Turnieren einzuheimsen. „Ich melde jedoch weiterhin“, hat Heinz die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es noch zu Reitsport-Events in diesem Sommer kommt. Und in der Tat kann er am Wochenende in Balve starten. 

Schließlich wäre eine gute Platzierung ein angemessener Lohn für die intensive Trainingsarbeit unter der Woche. „An die 20 Stunden bin ich Woche für Woche vor Ort, täglich mit den Pferden im Einsatz“, vergleicht Heinz sein reitsportliches Engagement mit dem Fußball. „Da komme ich vielleicht auf sechs Stunden in der Woche“.

 Und in diesen Corona-Zeiten ist Fußball auf Null heruntergeschraubt worden, Reiten hingegen lief weiter. „Unter Einhaltung der entsprechenden Verordnungen musste der Betrieb auf dem Hof Nölle-Pier mit den Tieren ja weiterlaufen“, erläutert Heinz, der diesen Sport als idealen Ausgleich zum Fußball sieht. „Beim Fußball kommt es auf elf Mann im Team an, beim Reiten nur auf einen selber, dass man mit dem Pferd harmoniert.“ 

Den Anteil des Pferdes an den sportlichen Leistungen schätzt Heinz dabei auf 80 Prozent ein. „Er muss schließlich die Beine heben über den Hindernissen, ich kann nur Hilfestellung geben, dass er aufmerksam ist.“ Diesen Sport, für den der frischgebackene Ehemann auch seine Angetraute Nicole inzwischen begeistert hat, kann sich der beruflich als Logistiker tätige Werler gewiss noch eine geraume Zeit vorstellen. 

Beim Fußball hingegen darf er seit diesem Jahr als 32-Jähriger schon bei den Alten Herren spielen, da ist das Ende der Karriere absehbar.

Traum vom Aufstieg

„Nächste Saison aber geht noch was. Immerhin hatte ich in der Corona-Zeit ja Gelegenheit, die Blessuren aus der extrem langen Vorsaison auszukurieren.“ 

Daher lebt auch sein Traum vom Aufstieg mit den Rot-Weißen in die Landesliga noch weiter. Genauso wie der Traum, mit Levano oder Anthony durch den Tunnel in die Westfalenhalle zu reiten und vor einer großen Zuschauerschar im M-Springen hohe Hindernisse zu überwinden, wie er es schon als Elfjähriger geträumt hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf soester-anzeiger.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare