Werl erlebt drei Tage Baseball-Action

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Volle Konzentration ist beim Baseball gefragt; sowohl beim Schläger, der mit der Keule den Ball treffen muss (vorne) als auch beim Fänger (hinten). Die „Westfalenbande“ ist gerne zum Training in den Ferien in der Werler Dreifachhalle zu Gast.

Werl - Dreimal im Jahr wird Werl zum Zentrum des Baseballsports in Westfalen. Denn dann kommt die „Westfalenbande“ in die Stadt und veranstalten ihr Baseballcamp für Neueinsteiger, Talente und erfahrene Jugendspieler.

Unter der Anleitung von Bundesligaspielern und erfahrenen Trainern trainieren die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren den amerikanischen Nationalsport. Drei Tage, in denen sich alles um Baseball dreht, drei Tage voller Spiele, Trainingseinheiten und Spaß. Die jungen Spieler kommen aus ganz (Ost)westfalen. Dortmunder, Paderborner, Verler, sie alle reisen an, um Baseball zu spielen. 

Und die meisten kommen nicht zum ersten Mal. So wie Finn. Der 12-Jährige lebt in Ennepetal und ist bereits zum neunten oder zehnten Mal mit der Westfalenbande hier, so ganz sicher ist er sich nicht. „Es macht immer sehr viel Spaß“, erklärt er in einer Spielpause. Besonders gefallen ihm die Übernachtungen in der Dreifachsporthalle. Am Baseball schätzt er die Komplexität: „Es ist mehr, als nur gegen einen Ball zu treten, wie beim Fußball. Es braucht Koordination und Konzentration und man ist immer in Action!“ 

Die Dreifachsporthalle ist der Grund, warum die Westfalenbande immer wieder nach Werl zurückkehrt. „Wir finden hier optimale Bedingungen vor“, erklärt Udo Happ, der Leiter des Projekts Westfalenbande. „Wir dürfen in der Halle übernachten, was für die Kinder großartig ist. Und der Weg zum Spielfeld ist kurz, ohne dass eine Straße überquert werden muss.“ 

Die Westfalenbande ist ein Projekt der Nixdorf-Sport- und Jugendstiftung. Ihr Ziel ist es, die Bedingungen für Jugendbaseball in Westfalen zu verbessern und zu fördern. Die Mitarbeiter des Projekts besuchen Schulen und veranstalten Projekttage und beraten und unterstützen Vereine, die aus eigenem Antrieb keine Jugendabteilung auf die Beine stellen können. 

Das Baseballcamp in Werl ist inzwischen ein fester Bestandteil ihres Angebots. Bei den Kindern kommt es gut an. Rund 50 Kinder nehmen in diesen Herbstferien teil. Sie sind in zwei Gruppen aufgeteilt. Diejenigen, die die Sportart bereits beherrschen, trainieren auf dem Platz der Werler Wölfe. Die anderen spielen in der Dreifachsporthalle und lernen die Grundlagen. Sie üben mit Ballwurfmaschinen und weicheren Bällen. 

Ohne Schutzhelm geht auf dem Spielfeld nichts 

Auf dem Spielfeld bei den Erfahrenen geht ohne Schutzhelm nichts. „Safety first“, sagt Udo Happ. Dort auf dem Rasen zeigt sich die Faszination dieses Sports. Das Tempo ist hoch, die Schläge weit. Und wenn noch nicht alle Abläufe perfekt sitzen, die Spieler haben doch einiges auf dem Kasten. 

So wie Amy. Die 12-Jährige ist die einzige Teilnehmerin aus Werl, die an diesem Tag dabei ist. Für sie ist es inzwischen schon das siebte Mal, dass sie am Camp teilnimmt. Über einen Klassenkameraden ist sie vor drei Jahren zum Baseball gekommen. „Das Schlagen und Rennen, macht mir am meisten Spaß. Wir können im Verein auch noch ein paar Mitspieler gebrauchen.“ 

Dass der Sport Spaß macht, erkennt man am Engagement der jungen Spieler. Doch der Jugendbaseball hat ein anderes Problem. „Was uns fehlt, ist die Medienpräsenz“, sagt Udo Happ. Dadurch fehle es an Nachwuchs, viele Vereine hätten keine Nachwuchsabteilung. Die geringe Dichte an Mannschaften führe dazu, dass die Teams sehr weite Strecken zu ihren Auswärtsspielen zurücklegen müssen. „100 Kilometer lange Anfahrten sind normal“, so Happ. „Das ist mit einem Sechsjährigen im Auto sehr schwierig umzusetzen.“ 

„Die Lehrer lieben es, wenn wir kommen“ 

Deswegen bemühen sich Udo Happ und sein Team um den Nachwuchs. Je mehr Mannschaften es gäbe, desto einfacher wären Spiele zu organisieren und umzusetzen. Das Echo sei dabei positiv, erzählt er. „Die Lehrer lieben es, wenn wir kommen. Und die Schüler haben Spaß. Sie alle kennen Brennball. Da ändern wir ein paar Regeln. Statt den Ball zu werfen, bekommen die Kinder einen Schläger. Und dann kann schon gespielt werden.“ Jeder könne beim Baseball glänzen, so Happ. Es zähle nicht die Kraft, sondern die Hand-Augen-Koordination. 

Damit diese Grundlagen gut vermittelt werden, hat er einige Profis dabei. Björn Schonlau ist fünfmaliger deutscher Baseballmeister, wurde als Coach mit den Untouchables Paderborn deutscher Jugendmeister und ist seit 2010 bei der Westfalenbande. Marcus Börner trainiert die Schüler- und Jugendteams der Dortmund Wanderer und die NRW-Auswahl. Alle 13 Betreuer der Westfalenbande sind in ihren Vereinen als Trainer aktiv. 

Nach drei Tagen ist das Camp wieder vorbei. Für Finn und Amy wird es das letzte Mal gewesen sein. Im nächsten Jahr sind sie zu alt. Doch dann stehen sicher neue Nachwuchsspieler bereit, um ihren Platz einzunehmen. Und vielleicht ist Baseball irgendwann beliebt genug, dass die Kinder nicht mehr hunderte Kilometer bis zu ihrem nächsten Spiel fahren müssen.

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